Noch vor Monaten drohte dem hinter Bäumen versteckten Haus und Grundstück in der Dresdener Nordstrasse im ruhigen Gebiet der Äußeren Neustadt die Veräußerung. Denn das seit Jahrzehnten als Literaturmuseum genutzte Gebäude - hier lebte einst der polnische Schriftsteller Jozef Ignacy Kraszewski - hatte quasi seine Ausstellungsstücke eingebüßt, als 2011 die polnischen Leihgaben "turnusgemäß" wieder nach Polen zurückkehren mussten. Dass es nun dennoch für diese Mitte des 19. Jahrhunderts errichtete Villa in der Prießnitzaue ein Weiterleben in aller Öffentlichkeit als offenbar einziges binationales Museum der Bundesrepublik Deutschland gibt, ist ein Glücksfall für jene, die sich mit Nachdruck dafür eingesetzt haben. Und da ist es auch gut zu verstehen, dass Gisbert Porstmann, Direktor der Städtischen Galerie Dresden, zur festlichen Eröffnung der neuen Dauerausstellung des Kraszewski-Museums gegenüber den hochrangigen Gästen beider Länder erlöst äußerte, sie könnten hier einen äußerst glücklichen Museumsmann sehen.

Bekannt als "Sachsentrilogie"

Jozef Ignacy Kraszewski (1812-1887) lebte von 1863 bis 1885 im Dresdner Exil, und nicht nur die Sachsen - diese aber ganz besonders - verdanken ihm eine Reihe historischer Romane, die als "Sachsentrilogie" bekannt geworden sind, auch durch zahlreiche Film- und Bühnenadaptionen. In besagter Villa wohnte Kraszewski in den ersten Jahren seines Exilaufenthaltes, dann bezog er ein neues Domizil ganz in der Nähe. Und auch heute noch, ganz im Sinne des bekannten polnischen Schriftstellers, versteht sich dieser Ort als eine vielseitig zu nutzende Begegnungsstätte, die Raum und Gelegenheit bietet für den lebendigen Austausch der Kulturen beider Länder.

Das Adam-Mieckiewicz Literaturmuseum Warschau hat die neue Dauerausstellung im einstigen Wohnhaus von Kraszewski konzipiert und eingerichtet. Wenn man so will, dann hat das allgemeine Erschrecken über die drohende Schließung des Museums letztlich doch noch etwas Gutes bewirkt - die Gestaltung bietet sich rundum verändert, ermöglicht diverse Entdeckungen zum vielseitigen Wirken von Jozef Ignacy Kraszewski. Zudem überrascht sie mit einem ansprechenden, modernen Lichtkonzept, das einzelne, markante Exponate geschickt in Szene setzt. Finanziert wurde die neue Dauerausstellung vom Ministerium für Kultur und Nationalerbe der Republik Polen. Zudem investierten der Freistaat Sachsen und die Landeshauptstadt Dresden in eine neue Infrastruktur des Museums, das zum Verbund der Museen der Stadt gehört.

Flucht nach dem Januaraufstand

Auch bietet das Leben und Wirken von Kraszewski nicht minder Stoff für diverse abenteuerliche Schilderungen. So gab es ein böses Ende seiner mehr als 20 Jahre im Dresdner Exil, wohin er 1863 nach dem polnischen Januaraufstand gegen die russische Fremdherrschaft geflüchtet war. Wie es heißt, wollte er eigentlich nach Frankreich emigrieren, verblieb dann aber in Dresden, wo sich viele seiner Landsleute aufhielten. Nach Jahren des Reisens und wachsender Anerkennung auch am Ort seines Exils wurde er 1883 in Berlin verhaftet. Man bezichtigte ihn, für den französischen Geheimdienst zu arbeiten.

Die verhängte Festungshaft musste er aus gesundheitlichen Gründen zunächst nicht antreten, gegen Kaution wurde er zum Genesungsurlaub entlassen. Er ging nach San Remo und übersiedelte schließlich 1887 nach Genf, um einer Auslieferung zu entgehen, aber das sollte der letzte Ort seines neuerlichen Exils sein - schon wenige Tage nach der Ankunft verstarb Kraszewski in dieser Stadt. Und das klingt doch wahrhaft wie eine Geschichte aus seinen Romanen.