Was raues Herbstwetter in Deutschland bedeutet, haben rund 240 Flüchtlinge in Dresden zu spüren bekommen: Wegen Sturmwarnung wurde das Großzelt, in dem sie untergebracht waren, geräumt. Zurzeit hält der Freistaat rund 1900 Plätze in Zelten vor, die winterfest, beheizt und mit einem isolierten Boden ausgerüstet seien. Laut Landesdirektion solle mit sogenannten Leichtmetallhallen ab Ende November Abhilfe geschaffen werden. Ob die Zelte dann geräumt werden können, hänge von der Zahl neuer Asylbewerber ab.

In der Lausitz steht Anfang Dezember der Umzug von der Zeltstadt in der Lausitz-Kaserne Doberlug-Kirchhain in das ehemalige Bundeswehr-Gebäude 46 bevor. Der Block für 400 Personen ist saniert worden. Am Freitag waren die Zelte mit rund 360 Flüchtlingen belegt. "Die Zeltstadt in der Lausitz-Kaserne bleibt als Reserve bis Mitte 2016 bestehen", erklärt die Vize-Pressesprecherin des Potsdamer Innenministeriums Susann Fischer gegenüber der RUNDSCHAU.

In der Doberlug-Kirchhainer Außenstelle der Erstaufnahmeeinrichtung des Landes Brandenburg verweilen die ausschließlich männlichen Flüchtlinge etwa drei bis vier Wochen. Dann werden sie auf die Kommunen im Land verteilt. Landkreise, Städte und Gemeinden in der Lausitz haben für die Neuankömmlinge Wohnungen, Heime und Notquartiere hergerichtet. So hat die Arbeiterwohlfahrt Brandenburg-Süd gerade 39 Flüchtlinge aus Syrien und Pakistan in der Kinder-, Jugend- und Familienbegegnungsstätte Lübbenau untergebracht. Sie sollen den Winter über hier bleiben. Dann wird der Gebäudeteil wieder wie bisher genutzt.

Seit drei Monaten haben im Golßener Ortsteil Zützen 21 Flüchtlingsfamilien aus Syrien, Afghanistan, dem Iran und Tschetschenien in vier privaten Wohnblöcken Quartier bezogen. Auf rund 300 Dorfbewohner kommen 100 Zuzügler, darunter gut 40 Kinder. Wenngleich es im Vorfeld im Dorf heftigen Widerstand gegen die hohe Zahl der Migranten gegeben hat, sagt Sozialarbeiterin Cornelia Stephan heute: "Wir erleben hier keine Feindseligkeit." Mit Kollegin Fanny Käppler kümmert sie sich für das Deutsche Rote Kreuz um die Hausbewohner und steht auch für Fragen der Dorfeinwohner zur Verfügung.

Unter den mehr als 1000 Asylbewerbern im Landkreis Spree-Neiße (SPN) sind zwölf minderjährige Flüchtlinge, die allein nach Deutschland gekommen sind. Die Jugendlichen zwischen 14 und 17 Jahren werden seit Ende Oktober in drei Jugendhilfeeinrichtungen im Landkreis betreut. Der SPN-Kreis müsste nach dem Königsteiner Schlüssel sogar mehr jugendliche Flüchtlinge aufnehmen, doch fehlt es hier - wie in vielen anderen ländlichen Regionen - an einer dicht besiedelten Trägerlandschaft. Laut Königsteiner Schlüssel bemisst sich die Aufnahme von Asylsuchenden nach der Einwohnerzahl und dem Steueraufkommen der einzelnen Bundesländer.

Der Landkreis Elbe-Elster hat in diesem Jahr bereits 930 Asylbewerber aufgenommen. Und er sucht weiter nach Unterkünften. Unterdessen sollen zehn Abschiebungen geplant sein - nach Russland, Serbien und in den Tschad. Zudem gebe es nach Angaben der Kreisverwaltung 53 Dublin-Fälle. Für die Betroffenen würden die Vorbereitungen zur Rückführung in die Ankunftsländer nach Frankreich, Österreich und Italien laufen.

In Kittlitz (Oberspreewald-Lausitz) sind in dieser Woche die ersten Asylbewerber eingetroffen. Die meisten Flüchtlinge stammen aus Syrien und Afghanistan. Größtenteils waren sie mit Familienmitgliedern angereist. Sie sind in dem Lübbenauer Ortsteil in der ehemaligen Förderschule untergekommen. Im 100-Seelen-Ort wird die Aufnahme von insgesamt 139 Flüchtlingen als zu hoch angesehen. Hinzu kommt, dass sich Bürger in einer Petition an Landrat Siegurd Heinze (parteilos) gewandt haben, um zu verhindern, dass in Kittlitz eine Containerunterkunft für bis zu 2000 Flüchtlinge entsteht. Der Landkreis hat dieses Gerücht zwar mehrfach dementiert. Doch die Kittlitzer glauben der Politik offenbar nicht mehr.

Von derartigen Erfahrungen aus Gesprächen mit Bürgern spricht auch der Senftenberger Bürgermeister Andreas Fredrich (SPD). Beim ersten "Offenen Tisch" in dieser Woche im Bürgerhaus "Wendische Kirche" hatte das Stadtoberhaupt den knapp 100 Gästen von Begegnungen und Erlebnissen in Sachen Asyl berichtet. So habe er bei einem Jubiläumsgeburtstag mit konkreten Beispielen versucht, gegen die dort vorgetragenen Sorgen zu argumentieren. Fredrichs Fazit: "Man hört mir einfach nicht mehr zu. Es wird mir schlicht nicht mehr geglaubt." Der "Offenene Tisch" war vom Bürgerbündnis "Für ein offenes Senftenberg" organisiert worden.

Ein konkretes Gerücht in Senftenberg: Im Ortsteil Brieske soll im ehemaligen Praktiker-Baumarkt ein Erstaufnahmelager für Flüchtlinge entstehen. Dieser Definition hat die Integrationsbeauftragte des Landkreises, Kathrin Tupaj, zwar widersprochen. Es sei lediglich von einer Erstaufnahmestelle die Rede. Dort würden Asylbewerber aufgenommen, registriert und dann in für sie passende Unterkünfte im Landkreis verteilt. Doch dem Gerücht begegnen RUNDSCHAU-Reporter in Senftenberg ebenso immer wieder wie den Befürchtungen von Bürgern, dass im Landkreis Turnhallen umgenutzt oder Zelte und Container für Asylbewerber aufgestellt werden. "Die Flüchtlinge sollen menschenwürdig untergebracht werden", entgegnet Kathrin Tupaj den Misstrauischen.

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In zwei Flüchtlingsunterkünften im Kreis Stade in Niedersachsen ist in der Nacht zum Freitag kurz nacheinander Feuer ausgebrochen. Verletzt wurde laut Polizei niemand. Nach dem Angriff auf eine schwangere Frau aus Somalia hat sich der Tatverdacht gegen drei Jugendliche im Alter zwischen 14 und 15 Jahren erhärtet. Das erklärte die Polizei nach einer Vernehmung der Frau.Die Polizei hat einen 33-Jährigen ermittelt, der in Bischofswerda mehrfach Asylbewerber angegriffen hat. Der Mann habe die Taten zugegeben und ausländerfeindliche Motive genannt, teilte das Operative Abwehrzentrum in Leipzig mit. In Niedersachsen und Bremen sind mehr als 3000 Flüchtlinge in Zelten untergebracht. Diese werden zwar beheizt, gelten aber nur bedingt als winterfest. In Bremen mussten wegen Orkanböen 1400 Flüchtlinge für zwei Tage ihre Zelte verlassen. Mehr als 200 Flüchtlinge leben derzeit in Sachsen-Anhalt noch immer in Zelten. Wie Bundeswehr und DRK versichern, herrschen selbst in kalten Nächten Temperaturen von 23 bis 31 Grad. Zudem seien die Zelte mit Betonankern im Boden befestigt und sturmfest. In acht Aufnahmeeinrichtungen in Hessen kommen derzeit noch rund 5000 Flüchtlinge in Zelten unter. Die Quartiere sollen noch vor Wintereinbruch zu festeren Unterkünften umgebaut werden oder es werde in andere Gebäude umgezogen.Von den rund 1300 Flüchtlingen, die in Hamburg in Zeiten leben, werden 420 auch über den Winter in beheizten Bundeswehr-Zelten bleiben müssen.