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| 17:28 Uhr

Digitaler Bürgerservice
Wie fit sind Lausitzer Kommunen im Internet?

Der Test offenbart, dass die Internetseiten viele Informationen bieten. Aber es ist noch Luft nach oben.
Der Test offenbart, dass die Internetseiten viele Informationen bieten. Aber es ist noch Luft nach oben. FOTO: LR / Angelika Brinkop
Cottbus. Damit Städte und Gemeinden nicht in der Tiefe des Internets untergehen, sind sie mit eigenen Webseiten vertreten. Aber wie sinnvoll ist das für die Bürger? Die RUNDSCHAU hat sich mit einem Medienwissenschaftler einige Internetauftritte genauer angeschaut. Von Daniel Friedrich

„Was Google nicht findet, das existiert nicht“, heißt es von Internetexperten hämisch. Um im Kampf um die digitale Aufmerksamkeit mitzuhalten, sind nahezu alle Kommunen zwischen Elbe, Spree und Neiße im Internet vertreten. Mit unterschiedlichem Erfolg, wie ein Test der LAUSITZER RUNDSCHAU mit dem Medienwissenschaftler Daniel Bühler von der BTU Cottbus-Senftenberg zeigt.

Daniel Bühler, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für angewandte Medienwissenschaften an der BTU Cottbus-Senftenberg. Er forscht und lehrt zu wissenschaftlichen Fragen, die die Themen Design und Kommunikation betreffen.
Daniel Bühler, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für angewandte Medienwissenschaften an der BTU Cottbus-Senftenberg. Er forscht und lehrt zu wissenschaftlichen Fragen, die die Themen Design und Kommunikation betreffen. FOTO: Daniel Bühler

Die Versuchsanordnung: Gemeinsam mit unserem Experten haben wir uns die Internetauftritte von vier Lausitzer Kommunen angeschaut: Gemeinde Heideblick (Dahme-Spreewald), Weißwasser (Landkreis Görlitz), Gemeinde Röderland (Elbe-Elster) und Guben (Spree-Neiße). Unserem Experten waren die Internetseiten zuvor nicht bekannt. Wir haben uns überlegt, nach welchen Dingen Nutzer auf den Seiten suchen könnten und haben daraus vier Fragen formuliert.

Wie hoch ist die Hundesteuer?
Wer sich einen Hund anschaffen will, muss für seinen Vierbeiner eine Hundesteuer an die Gemeindekasse abdrücken. Die Höhe der Steuer wäre also eine nützliche Information.

Die Hundesteuer wird über eine Satzung festgelegt. Positiv: Alle vier Internetseiten halten – teils ziemlich versteckt – einen entsprechenden Menüpunkt „Satzungen“ bereit. Darunter findet sich ein PDF-Dokument, in dem zwischen zahlreichen Paragrafen auch die Höhe der Hundesteuer steht. Wer das allerdings nicht weiß, für den bietet es sich an, den Begriff in die Suchmaske der Seite einzugeben. In Heideblick und Röderland öffnet sich daraufhin eine wenig aussagekräftige Ergebnisliste, über die Nutzer nach mehreren Klicks zur passenden Satzung gelangen. In Weißwasser und Guben läuft die Suche allerdings ins Leere.

Auf den Radweg vor meinem Haus ist ein Baum gekippt. Wie kann ich es dem Bauhof melden?
Die Gemeinde Heideblick bietet über das Beschwerdeportal Märker die Möglichkeit, das Problem direkt zu melden. Außerdem gelangt man über die Suchfunktion und den Begriff „Bauhof“ zu den Ansprechpartnern. Dort finden sich eine lange Auflistung der Zuständigkeitsbereiche sowie sämtliche Kontaktdaten. „Nicht gerade hübsch, aber immerhin zielführend“, meint Daniel Bühler. In Weißwasser und Guben versagt die Suchfunktion erneut.

Wem allerdings nicht bekannt ist, dass sich der Bauhof/Wirtschaftshof um solche Angelegenheiten kümmert, für den wird es kompliziert. Nur mühsam, mit vielerlei Fehlversuchen und über teils ellenlange Listen gelangt man schließlich an die richtige Telefonnummer oder E-Mail-Adresse. „Die meisten Nutzer haben bis dahin schon längst aufgegeben“, kritisiert Medienexperte Daniel Bühler die Nutzer(un)freundlichkeit.

Welche aktuellen Veranstaltungen gibt es im Ort?

Eine wichtige Frage – nicht nur für die eigenen Bürger, sondern auch für Gäste. In Heideblick verweist ein schmaler Kasten auf der Startseite auf die nächsten Veranstaltungen. Zusätzlich finden sich prominent in der Mitte platziert weitere Veranstaltungstipps. „Selbst, wenn hier Nutzer schnell fündig werden, wirkt es durch die Dopplungen unstrukturiert“, meint Daniel Bühler. Auch Röderland besitzt eine Veranstaltungsbox, meldet aber: „Keine Einträge vorhanden!“

Die Stadt Guben leitet beim Klick auf „Veranstaltungen“ auf die Seite des Marketingvereins weiter. „Das ist unpraktisch, denn auf dieser Seite muss sich der Nutzer komplett neu orientieren“, sagt Daniel Bühler. Wer im Menüpunkt „Freizeit“ nach Veranstaltungen stöbert, gelangt an ein steril wirkendes PDF-Dokument mit Stand vom Februar 2018. „Unaktuell und keine weiterführenden Infos – das wirkt nicht einladend“, kommentiert Daniel Bühler. In Weißwasser findet sich unter dem Menüpunkt „Weißwasser besuchen“ ein aktueller Veranstaltungskalender.

Wann hat die Touristinformation geöffnet?

Da Heideblick, Röderland und Weißwasser kein eigenes Touristenbüro besitzen, verlinken die Orte unter anderem zum Naturpark, zu Gasthäusern und Unterkünften sowie weiteren Sehenswürdigkeiten. Die Menünamen sind überwiegend intuitiv, in Röderland allerdings unter „Links“ versteckt. Besonderes Fundstück: Weißwasser bietet eine stundenplanartige Übersicht öffentlicher Toiletten und deren Öffnungszeiten an, falls die Blase mal drückt.

Unter dem Menüpunkt „Tourismus+Freizeit“ gewährt Guben einen groben Überblick über die touristischen Angebote. Nach einem weiteren Klick finden sich Adresse und Telefonnummer der Touristinformation, jedoch nicht deren Öffnungszeiten.

Was sonst noch auffällt:

Der Aufbau der Internetseiten ähnelt sich. Das liegt daran, dass die Kommunen ihre Seiten aus vorgefertigten „Bausteinen“ zusammensetzen. Die Gemeinde Röderland sowie die Stadt Guben betreiben nebenher noch eine Facebook-Seite, Guben eine App. Weißwasser bietet einige Informationen auf Polnisch an. Besondere digitale Services gibt es, bis auf das Beschwerdeportal Märker (Heideblick) oder den Geodienst zur Einsicht in Bebauungspläne (Röderland), nicht.

Das sagen die Kommunen:

„Unser Internetauftritt ist uns wichtig“, heißt es von den Internetverantwortlichen. Sie sehen vor allem die eigenen Bürger als Zielgruppe. Weißwasser hat dezidiert auch Gäste und potenzielle Neubürger im Blick. Oftmals kümmern sich mehrere Verwaltungsmitarbeiter (technisch und inhaltlich getrennt) um die Seiten. Gerade in den kleineren Gemeinden läuft die Betreuung „nebenbei“.

Fazit:

Die Internetseiten der Kommunen bieten teils reichhaltige Informationen, die aber nur mäßig aufgearbeitet auffindbar sind. „Es ist schwierig zu unterscheiden, was wirklich relevant ist“, moniert BTU-Medienexperte Daniel Bühler. Die (Start-)Seiten wirken oft überladen. Durch die Weiterleitung auf externe Internetseiten und PDF-Dokumente werden Nutzer verunsichert. „Wer sich nicht auskennt, der muss viel leisten, um sich zurechtzufinden“, meint Bühler. Die Menüführung ist traditionell, teils doppeln sich Inhalte. Wo etwa ist der Unterschied zwischen „Willkommen“ und „Startseite“? „Wenn dann auch noch die Suchfunktion einen Streich spielt, vergeht dem Nutzer die Lust“, resümiert Medienwissenschaftler Daniel Bühler. Er empfiehlt den Kommunen, für ihre Onlinepräsenz Geld in die Hand zu nehmen und Fachleuten die Gestaltung zu überlassen.