Die Opposition hat für den aktuellen Rentenstreit in den Regierungsparteien nur Hohn und Spott übrig - und ein vergiftetes Angebot: SPD-Chef Sigmar Gabriel warb am Freitag für einen "nationalen Rentenkonsens", aber "ohne die Blockierer von CSU und FDP".

Der Vorstoß der Genossen ist natürlich pure Wahlkampfrhetorik. Denn eine Einigung mit der CDU an den beiden übrigen Koalitionspartnern vorbei hätte unweigerlich das vorzeitige Ende der schwarz-gelben Regierung zur Folge. Und das wollen bei allem Zank weder Union noch Liberale riskieren.

CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt gab sich dann auch fast staatstragend: Das Angebot der SPD werde dem Problem nicht gerecht. "Wir haben eine Aufgabe zu lösen, die müssen wir ernst nehmen und sollten sie nicht für parteitaktische Spielereien ausnutzen."

Am Donnerstag war ein Beschluss der CSU bekannt geworden, wonach die Bayern-Partei das Konzept von Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) für die Lebensleistungsrente trotz gegenteiliger Vereinbarung vor zwei Monaten im Koalitionsausschuss jetzt plötzlich ablehnt.

Offenbar überrascht von dem verheerenden politischen Echo suchte Hasselfeldt die Gemüter zu beruhigen: Das Ziel sei "völlig unbestritten", wonach Menschen, die ein Leben lang gearbeitet und privat vorgesorgt hätten, im Alter besser dastehen müssten als diejenigen, die das nicht getan hätten. Nur müsse dafür ein "vernünftiger Weg" gefunden werden, sagte Hasselfeldt.

Genau daran hakt es jedoch gewaltig. Ein Sprecher von der Leyens stellte noch einmal klar, dass die Lösung des Problems "im Rentenversicherungssystem" erfolgen müsse, wie es bei der Koalitionsklausur verabredet worden sei. Damit will die Ministerin vermeiden, dass Niedriglöhner mit einer langen Erwerbsbiografie im Alter auf Grundsicherung angewiesen sind.

Nach ihrem Modell der Lebensleistungsrente soll, wer 40 Jahre lang Beiträge gezahlt und ergänzend vorgesorgt hat, seine Rente mit Steuermitteln auf ein Niveau oberhalb der Grundsicherung aufgestockt bekommen. Dagegen finden die CSU und übrigens auch die FDP, dass solche Fürsorge-Elemente nichts im gesetzlichen Rentensystem zu suchen haben.

Stattdessen machen sich die Christsozialen dafür stark, für langjährige Niedrigverdiener die Grundsicherung aufzustocken und die private Vorsorge nicht mehr bei der Grundsicherung anzurechnen.

Solche Vorstellungen hatte von der Leyen aber stets mit dem Hinweis abgelehnt, dass auf diese Weise die Zahl der Bezieher von Grundsicherung steige und damit auch die Kosten. Ein weiterer Stolperstein: Weil die Grundsicherung wegen der unterschiedlich hohen Lebenshaltungskosten regional variiert, müsste nach von der Leyens Logik die Lebensleistungsrente flächendeckend den höchsten regional gezahlten Betrag übersteigen. Das aber lehnt die FDP kategorisch ab. Würde sich die Lebensleistungsrente indes nur am bundesweiten Durchschnitt der Grundsicherung (gegenwärtig 707 Euro) orientieren, hätten Betroffene vor allem in Ballungsgebieten das Nachsehen.

"Notfalls" werde Angela Merkel die Bundesarbeitsministerin persönlich bei ihren weiteren Gesprächen unterstützen, teilte am Freitag ein Sprecher der Kanzlerin mit. Rätselhaft bleibt, wie das angesichts der verkorksten Situation funktionieren soll. Der rentenpolitische Sprecher der Linken, Matthias Birkwald, hat jedenfalls schon alle Hoffnungen auf einen Rentenkompromiss begraben: "In der schwarz-gelben Koalition geht es zu wie in einem Sandkasten: Jeder haut jedem das Türmchen kaputt. Nur sitzt hier keine Mutti am Rand, die die Kinder mahnt, doch einmal gemeinsam etwas zu bauen."