Beileidstelegramme wie „Ihr Armen, ausgerechnet Berlin“ gingen im Hause von Hardenberg ein, als Ehemann Andreas in den Vorstand der Berliner Bank berufen wurde. „Berlin war verpönt damals“ , erinnert sich die Gräfin. „Eine gesellschaftliche Wüste. Alle waren schwarz angezogen und wollten auf gar keinen Fall modisch sein.“
Diese finsteren Zeiten sind mittlerweile vorbei, und daran trägt die blaublütige Dame keinen unbedeutenden Anteil. Mit glamourösen Gala-Abenden, Diners, Vernissagen und exklusiven Tischgesellschaften ihrer Event-Agentur „Hardenberg Concepts“ hat sie - wie der ehemalige Berliner Kultursenator Christoph Stölzl einmal sagte - den Berlinern „das Essen mit Messer und Gabel beigebracht“ .

Anfangs nur Pellkartoffeln
Zum Interview in ihrer Agentur in der noblen Fasanenstraße im Stadtteil Charlottenburg trägt die Gräfin ein perfekt geschnittenes Kleid, das ihr bis zu den Knien reicht und ihre schlanke Taille betont. Darin wirkt sie wie ein junges Mädchen. Ihr Alter ist für sie dann auch kein Thema. „In England geht darauf auch keiner ein“ , betont sie. „Es ist eine Unsitte, nach dem Namen immer gleich das Alter zu nennen.“ Lieber spricht sie über die Anfänge ihrer Agentur.
„Begonnen hat alles in unserem Privathaus“ , erzählt sie. Vor dem Mauerfall beschränkte sich das gesellschaftliche Leben Berlins auf die Empfänge der alliierten Stadtkommandanten. Daher lud die Gräfin „interessante“ Persönlichkeiten der Stadt kurzerhand „ganz unelegant zu Pellkartoffeln mit Kräuterquark und Schinken“ in ihre eigenen vier Wände. Weil das so gut lief, kamen plötzlich Anfragen von Freunden: „Kannst Du mir auch mal etwas ausrichten?“ Sie konnte. Unentgeltlich, versteht sich.
Aus einer „Schnapslaune“ heraus entschloss sie sich, Visitenkarten zu drucken. „Ich wollte es ein bisschen professioneller aussehen lassen.“ Das hat sich gelohnt. Als drei Monate später die Mauer fiel und Berlin im Mittelpunkt des Interesses stand, kamen Firmen „aus aller Herren Länder“ , die jemanden suchten, der ihre Veranstaltungen stilvoll ausrichtete. Außer der Gräfin gab es davon nicht viele, denn „die Berliner empfanden es als spießig, wenn die Tischdecke länger als drei Zentimeter über dem Tischrand hing“ .
In die Schlagzeilen geriet die Agentur Hardenberg Concept zum ersten Mal Anfang der 90er-Jahre, als sie für den britischen Prinz Charles und 24 deutsche Spit zenmanager ein exklusives Diner organisierte. 1995 folgte ein VIP-Zelt am Rande von Christos und Jeanne-Claudes Verhüllung des Reichstages, 1997 die Aids-Gala in der Deutschen Oper, 1998 und 1999 die Verleihung des Deutschen Filmpreises und 2002 die Initiierung der „Cinema for Peace“ -Gala.
Mittlerweile sind die Einladungen der Gräfin gefragt. „Uns wird sogar Geld für eine Einladung angeboten“ , sagt sie staunend. „Aber das machen wir natürlich nicht. In einer Stadt wie Berlin schon gar nicht.“ Da muss man hervorstechen aus der Masse. „Allein ob jemand interessant ist, Humor hat und die Veranstaltung bereichern kann, zählt.“ Inzwischen umfasst die Hardenbergsche Kartei fast 20 000 Namen. „Ich hätte nie gedacht, dass das Ganze sich so schnell entwickelt“ , sagt die Gräfin, lächelt und nippt an ihrem grünen Tee.

Berufswunsch Diplomatin
Die gebürtige Baronesse vom baltischen Adelsgeschlecht von Hahn wollte eigentlich Diplomatin werden. Weil man dafür ein abgeschlossenes Hochschulstudium braucht, studierte sie auf Lehramt - und blieb dabei. Fast zehn Jahre arbeitete sie als Grund- und Realschullehrerin in Hamburg und Lüneburg. Bis das dritte von vier Kindern geboren wurde. Heute zählt die Gräfin zu den wichtigsten gesellschaftlichen Frauen der Hauptstadt. Als Angela Merkel 2005 zur Bundeskanzlerin gewählt wurde, saß sie auf der Besuchertribüne und knabberte zusammen mit Friede Springer und Sabine Christiansen Kekse. Häufig sieht man sie auch zusammen mit ihrer Tochter, der Fernsehmoderatorin Tita von Hardenberg.
Ihr Adelstitel hat angeblich in ihrem Leben nie eine Rolle gespielt. Obwohl: „Für die Agentur war ein Titel wohl nicht verkehrt.“ Im Gegensatz zu München oder Hamburg „ist Berlin aber nicht so eine schicke Cocktailgesellschaft. In Berlin spielt Geld oder Adel keine Rolle.“ Auch wenn die Menschen hier jetzt nicht mehr in Jeans und T-Shirt, sondern in Kleid und Smoking bei den Empfängen erscheinen - und gelernt haben, mit Messer und Gabel zu essen.