Den Freisitz haben die Museumsbesucher letztlich der Jahrhundertflut 2002 zu verdanken. Nachdem damals die für das Depot vorgesehenen Räume des Museums komplett geflutet wurden, sei ein hochwassersicheres Gebäude für die umfangreiche Sammlung des Hauses im Hof errichtet worden, erklärt Museumssprecher Christoph Wingender. Das Dach des Funktionsbaus wird nun seit wenigen Wochen als gemütlicher Rastplatz genutzt.
Auch wenn das Museum seit der Eröffnung des zweiten Teils der Sonderausstellung im April 2005 und des Kindermuseums Ende des Jahres nun für das Publikum wieder komplett zur Verfügung steht - abgeschlossen sind die Baumaßnahmen noch nicht. "Das ist hier wie eine Dombaustelle", sagt Wingender. Die Arbeit am Kopfbau werde derzeit fertiggestellt und die Verwaltung könne Ende Juli einziehen. In den nächsten Wochen würden zudem im Zwischengeschoss zwischen Empfangshalle und großem Saal zusätzliche Garderoben sowie ein Bewirtungsbereich für Reisegruppen errichtet. Fast 35 Millionen Euro, die zum größten Teil von Stadt und Land aufgebracht wurden, seien seit 1999 verbaut worden, erläutert Wingender.
Bisher wurden in siebenjähriger Bautätigkeit die Ausstellungssäle mit ihren charakteristischen Oberlichtdecken, die Werkstatträume sowie die Gebäudetechnik grundlegend erneuert. Die Empfangshalle wurde mit einer stockwerkshohen Glasfront zum Innenhof hin geöffnet. Ein Hörsaal im zweiten Obergeschoss bietet Platz für Veranstaltungen mit bis zu 100 Personen. Mit der Fertigstellung kehre das Museum endlich wieder als prägender Bau der Neuen Sachlichkeit in das Dresdner Stadtbild zurück, ist Wingender überzeugt.
Bis es so weit ist, steht allerdings in den nächsten Jahren noch der Ausbau des kleinen und des großen Saales, des Gartens für das Kindermuseum und des Vorplatzes an. Gerade die Säle, die sich derzeit noch im Rohbauzustand befinden, sind auf Dauer für Tagungen dringend notwendig, wie Wingender sagt. Derzeit fehle allerdings noch das nötige Geld.
Mit dem Publikumsinteresse ist das Museum zufrieden. Im Jahr seines 75. Jubiläums 2005 kamen 266 000 Gäste. Ob diese hohe Zahl vor allem der Weihe der Frauenkirche und der Eröffnung des zweiten Teils der Dauerausstellung zu verdanken ist oder ob der Zustrom auf Dauer anhält, muss sich nach Angaben Wingenders allerdings noch zeigen.
Das 1912 gegründete Museum versteht sich als Universalmuseum zum Thema "Mensch" und verbindet natur-, geistes- und sozialwissenschaftliche Aspekte. Das Highlight dieses Museumsjahres ist wohl eine Sonderausstellung, die sich mit der nationalsozialistischen Rassenlehre und der eigenen Rolle im Dritten Reich beschäftigt. Die Schau "Deadly Medicine: Creating the Master Race" des Washingtoner U.S.-Holocaust-Memorial-Museums wird ab dem 11. Oktober zum ersten Mal außerhalb der Vereinigten Staaten zu sehen sein. Die Schirmherrschaft hat Bundespräsident Horst Köhler übernommen.
Das Museum im Internet:
www.dhmd.de