Seit mehr als fünf Jahren hat sich die Hochschule Lausitz in der Offenen Klasse bei der deutschlandweiten Betonkanu-Regatta einen Namen gemacht. Dem Siegermodell "Gurkenflieger" vor fünf Jahren ist 2009 der 800 Kilogramm schwere schwimmende Riesen-Fußball aus Beton gefolgt. Er hatte einen Durchmesser von zweieinhalb Metern und ein Volumen von acht Kubikmetern - umschlossen von einem schwimmenden Beton-Fußballfeld von 26 Quadratmetern Fläche.

"Eine überaus anspruchsvolle Konstruktion", erklärt Professor Gert Gebauer, der studentische Forschungen auf diesem Gebiet seit beinahe zwei Jahrzehnten begleitet. Der Ball setzte sich aus zwölf schwarzen Fünfeck-Elementen und 20 weißen Sechseck-Elementen zusammen, die alle gewölbt sind. Geometrisch und technisch sei dies eine große Herausforderung gewesen. Mehrere Schalungen mit gewölbter Innenschale mussten hergestellt werden. Die einzige Firma in der Region, die solche Teile schneiden könne, Stylework in Klein Döbbern, habe das Team unterstützt, so der Professor.

Schiedsrichter und Dirigent

Als letztlich zwölf Studenten Fußball spielend auf diesem Schwimmkörper mit dem Namen "geBALLte energie" an der Jury vorbeipaddelten, saß "Schiedsrichter" Stefan Giebler auf dem Riesenball und dirigierte das Geschehen. Der Diplom-Bauingenieur, Absolvent der Hochschule Lausitz, hat daraus inzwischen ein Geschäftsmodell entwickelt.

In der GS Baugesellschaft mbH sind Giebler und sein Partner Tim Hannewald zurzeit dabei, das über Jahre an der Fachhochschule angesammelte Wissen auf dem Gebiet des Hochleistungsbetons in die Praxis zu überführen. Hannewald hat dafür - zunächst für ein Jahr - sein Master-Studium unterbrochen. Die beiden Bauingenieure wissen, das mit Beton als Hochleistungsbaustoff fast alles möglich ist. Nicht nur bei den Betonboot-Regatten ist das nachgewiesen worden. Giebler und Hannewald gehen jetzt aber daran, Fachwerk aus Beton serienmäßig herzustellen. Bisher waren derartige Konstruktionen den Werkstoffen Holz oder Stahl vorbehalten.

"Wir haben längst nachgewiesen, dass Hochleistungsbeton deren Funktion im Wesentlichen auch übernehmen kann", betont Prof. Gebauer. Dass es nun die Ausgründung in die BS Baugesellschaft gibt, ist für Gebauer ein folgerichtiger Schritt. Er weiß aber auch, dass damit wirtschaftliches Risiko übernommen werden muss. Das gehen Giebler und Hannewald jetzt ein. Ein sechsstelliger Betrag muss aufgetrieben und künftig investiert werden. Die Jungunternehmer erhalten zurzeit ein Existenzgründungs-Stipendium des Bundeswirtschaftsministeriums. Das läuft im Frühjahr 2013 aus. "Dann müssen wir auf eigenen Beinen stehen", erläutert der 35-jährige in Lieberose aufgewachsene Giebler.

Die Initialzündung für Fachwerk aus Hochleistungsbeton hat es erst im Laufe des vergangenen Jahres gegeben. Studenten haben an einem "Urknoten" genannten Verbindungselement geforscht, das die Stäbe jeder Fachwerkkonstruktion untereinander kraftschlüssig verbindet. Hannewald und Giebler, der als selbstständiger Bauingenieur schon die Errichtung von Holzfachwerkbauten etwa bei Supermärkten betreut hat, waren stets dabei. "Als der Urknoten alle Tests bestanden hat, war das für uns der entscheidende Impuls, endlich den Weg in die Praxis zu gehen", sagt Tim Hannewald. Der nächste Schritt wird nun der Prototyp eines Brückenfeldes sein, das von zwei Stützen getragen 20 Meter überspannen soll.

Kostenreduzierung auf ein Drittel

Dafür arbeitet die GS Baugesellschaft mit Betonexperten unter anderem von Mattig & Lindner als mittelständischem Partner zusammen. Das Forster Betonwerk ist seit mehr als 20 Jahren mit der Hochschule Lausitz verbunden, war in Verbundforschungsvorhaben einbezogen. Aufgrund der dort eingeschätzten vielfältigen Einsatzmöglichkeiten des modularen Fachwerks im Ingenieur- und Hochbau ist man in Forst einer ständigen Zusammenarbeit gegenüber aufgeschlossen.

Hochleistungsbeton in der eingesetzten Variante wird auch vom Geschäftsführer Michael Lindner als nachhaltiger (gegenüber Vergleichsmaterialien), kostengünstiger und variabler Baustoff betrachtet. Gegenüber dem Stahl beispielsweise liegen die Materialkosten bei vergleichbarer Tragfähigkeit bei etwa einem Drittel. Zugleich wird auf den Einsatz des Hochleistungsbetons in der schwimmenden Architektur im Lausitzer Seenland geschaut. Dort ließen sich in der Zukunft durchaus Effekte erwarten, ist auch Lindner sicher.

Diesen Anwendungsbereich hat Stefan Giebler bei der Erarbeitung des Business-Plans für die neue Firma mit hervorgehoben. Dabei konnte er auf die Forschungsergebnisse der Hochschule Lausitz zurückgreifen und auf die Zukunft des nachhaltigen, ökologisch und ökonomisch vorteilhaften Baustoffs hinweisen. "In den sauren Gewässern des Seenlandes ist mit Stahl nicht viel zu machen", erläutert Giebler. Ihr neuartiger Hochleistungsbeton, der extrem dünn und mit Glasfaser oder textiler Gaze statt mit Stahl bewährt ist, sei widerstandsfähig und zudem bezahlbar.

Giebler führt einen Vergleich an: Für die schwimmende Tauchschule auf dem Gräbendorfer See mussten mehrere Stahlbetonelemente mit jeweils 50 Tonnen Masse als Schwimmfundamente zu Wasser gelassen werden. "Unser Haus mit den gleichen Außenmaßen würde mit einem halb so schweren Element aus Leichtbeton auskommen." Für die nächsten fünfzehn Jahre sehen Giebler und Hannewald ein Investitionsvolumen von 15 Millionen Euro in die schwimmende Infrastruktur - allein im Lausitzer Seenland.

Kontakte zwischen Preisträgern

Die Jury des Lausitzer Existenzgründerpreises (Lex) der Wirtschaftsinitiative Lausitz hat Gieblers Business-Plan übrigens vollauf überzeugt. Sie kürte das Duo als Lex-Gewinner 2012. Bei der Preisverleihung gab es sogleich Kontakte zur drittplatzierten Heike Struthoff, die im Seenland eine Hotelanlage plant. Deren Anliegen: Ein Steg für ein besonderes gastronomisches Erlebnis am Geierswalder See. Giebler und Hannewald sind überzeugt, dass ein Steg aus den von ihnen gefertigten Betonelementen die Lösung wäre.

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Vor mehr als 2000 Jahren eindeckte der griechische Gelehrte Archimedes der Überlieferung nach eher zufällig das "archimedische Prinzip". In der Badewanne bemerkte er, dass das Badewasser über den Rand schwappte. Archimedes erkannte, dass die Menge Wasser, die er beim Einstieg in die volle Wanne verdrängte und die über den Wannenrand hinauslief, genau seinem Körpervolumen entsprach. Aus dieser Erkenntnis heraus formulierte das archimedische Prinzip:"Die Auftriebskraft die ein Körper in einer Flüssigkeit erfährt, ist genauso groß wie die Gewichtskraft des vom Körper verdrängten Mediums." Übertragen auf die Schifffahrt bedeutet das nichts anderes, als dass ein Schiff durch das Verdrängen des Wassers Auftrieb erhält. Da nun die mittlere Dichte eines Schiffes geringer als die Dichte von Wasser ist, schwimmt es an der Oberfläche. Und das gilt auch für Boote aus Beton.