Die Labour-Partei des britischen Premierministers Gordon Brown befindet sich seit Monaten in Wählerumfragen im freien Fall, doch jeder Versuch Browns, das Ruder herumzureißen, wird von innerparteilichen Querschüssen zunichtegemacht. Am Samstag will Brown bei einem Parteitag beweisen, dass er der richtige Mann am Ruder ist, um Labour aus dem Tief und Großbritannien aus der Wirtschaftskrise zu steuern. Doch Browns ohnehin nur noch schwache Autorität bekam am Wochenende einen weiteren herben Dämpfer, nachdem sich ein Dutzend Labour-Abgeordnete von ihm lossagten und eine Abstimmung über die Parteiführung forderten.
Derzeit braucht Großbritannien eigentlich keine Opposition, für die Demontage Browns sorgen seine Parteifreunde selbst. Und es ist nicht die Zahl der kritischen Abgeordneten, die Brown Kopfzerbrechen bereiten dürfte. Sorge dürfte Brown vielmehr bereiten, dass die Eigendynamik der kleinen Rebellion schwer einzuschätzen ist. Wie viele schweigende Abgeordnete trauen sich in den nächsten Tagen noch aus der Deckung und springen auf den Zug auf, der auf Konfrontationskurs fährt?
Noch fehlt den Brown-Gegnern ein prominentes Kabinettsmitglied, das sich ihren Plänen anschließt. Auffällig ist aber, dass sich nicht alle Regierungsmitglieder öffentlich vor Brown stellen, um die Angriffe abzuwehren, sondern lieber schweigen. Aber schon jetzt sind es nicht mehr die Hinterbänkler, die auf eine Führungsdebatte dringen.
Wahrscheinlich gibt es tatsächlich keine organisierte Verschwörung, eher eine informelle Allianz. Die Rebellen behaupten, insgesamt 45 Abgeordnete auf ihrer Seite zu haben. Allerdings müssten schon 71 Abgeordnete zusammenkommen, um ein Votum gegen Brown zu erzwingen. Doch selbst wenn es zum Schwur kommen sollte, haben die Rebellen ein Problem. Es gibt keinen gemeinsamen Kandidaten, den sie als Herausforderer präsentieren können.
Das Amt des Brown-Nachfolgers wäre wohl nicht sonderlich attraktiv, zumal Neuwahlen unumgänglich wären. Brown hatte seinen Vorgänger Tony Blair während der laufenden Legislaturperiode beerbt. Ein zweiter nicht-gewählter Premier wäre kaum vorstellbar. Aber wer will sich einem Urnengang stellen, wenn die eigene Partei seit Monaten deutlich zweistellig hinter den oppositionellen Konservativen um Parteichef David Cameron liegt. Somit könnte es darauf hinauslaufen, dass die Rebellen Brown zwar demontieren, ihn aber nicht loswerden.