I m Kamin lodern die Flammen, vor den großen Panoramafenstern der Ausflugsgaststätte auf dem Potsdamer Pfingstberg ist es dagegen trübe. An Sommertagen geht der Blick von hier weit über die Potsdamer Parklandschaft. Doch als Ministerpräsident Matthias Platzeck vor den zahlreich erschienenen Mitgliedern der Landespressekonferenz im Wintergarten des Restaurants seine ganz persönliche Jahresbilanz zog, versperrte nicht nur der Dezembernebel den klaren Blick auf Brandenburg. "Wir möchten, dass das Land zukunftsfähig wird", fasst der Ministerpräsident die Arbeit der vergangenen zwölf Monate zusammen. In der Lausitz soll eine exzellente Hochschule entstehen, in Schönefeld ein moderner Flughafen. Der Arbeitsmarkt habe sich "exzellent" entwickelt, die Wirtschaft sei auf dem besten Stand seit 1990 .

Mat thias Platzeck macht das, was er am besten kann: Er gibt sich landesväterlich. Erfolgreich, staatsmännisch, weltgewandt - so sieht sich Brandenburgs Regierungschef am liebsten. Doch wäre die Sicht klar am Potsdamer Pfingstberg, sähe man von dort auch manches Flugzeug auf dem Weg nach Schönefeld. Als die Rede auf den Großflughafen BER kommt, ist es mit der Routine schnell vorbei. Wiederholte Nachfragen bringen Platzeck aus der Ruhe, der Ministerpräsident wirkt angefasst. Ob der Eröffnungstermin im Oktober 2013 stehe, werde man mit letzter Sicherheit erst im Februar oder März wissen, wenn die Tests der Brandschutzanlage abgeschlossen sind. Die Signale der beteiligten Firmen seien so, dass die Aufgaben pünktlich erfüllbar seien. "Ich kann manche Fragen nicht besser beantworten, als es mir die Menschen von Siemens oder Bosch sagen", sagt Platzeck. "Es ist auch nicht meine Aufgabe." Er gehe davon aus, dass der BER wirtschaftlich betrieben werden kann, wischt Platzeck Bedenken der Opposition beiseite .

Un d dann wird er wieder landesväterlich: Beim Thema Nachtflugverbot werde man mit den Bürgerinitiativen reden, aber keine falschen Hoffnungen machen. "Das Leben ist mehr als der Flughafen." Erfolgreich sieht Platzeck auch die Arbeit der rot-roten Koalition. Überraschend ist das nicht - auch wenn Vertreter der Linken zuweilen beklagen, mit ihren Anliegen in der Koalition zu wenig vorzukommen. "Wenn eine Partei 20 Jahre in der Opposition ist, dann prägt das eben auch", gibt sich der Ministerpräsident galant. Die SPD sei in Brandenburg seit 1990 an der Regierung beteiligt. Doch immerhin: Alles, was im vergangenen Jahr in Brandenburg passiert ist, möchte auch Matthias Platzeck nicht noch mal erleben. "Das Jahr muss sich nicht wiederholen", sagt der Landesvater. Was angesichts der Situation am Großflughafen ein bemerkenswerter Lichtstrahl im Nebelgrau von Potsdam ist.