"Als mich die Mitarbeiter der Agentur anriefen, dachte ich erst an einen Scherz", erzählt Augsten. Als er aber die Unterlagen der Konferenzveranstalter zugeschickt bekam - inklusive der Kostenübernahme für Übernachtung und Verpflegung - begann er, Spaß an der Sache zu haben. "Vielleicht ist es ganz gut, wenn die Politiker mal wieder mitkriegen, was wir Bürger wirklich denken", sagt der gelernte Schlosser. "Sie verlieren doch viel zu leicht den Draht zum richtigen Leben." Dieter Augsten läuft selten Gefahr, diesen Draht zu kappen. Sechs Kinder hat er, zwei davon aus zweiter Ehe mit einer Ukrainerin. "Da kriegt man vieles mit, was um einen herum passiert", sagt der Familienvater schmunzelnd. Und auch bei seiner Arbeit in einer Agrargenossenschaft hält er die Augen offen. Er ist Melker, Schlosser und Fütterer zugleich, die Folgen der EU-Agrarpolitik bekommt er hautnah zu spüren. "Nach dem Milchstreik gingen zwar die Preise im Supermarkt hoch - die Bauern haben aber lange nichts davon abbekommen." Dann hätten sie kurzfristig mal 43 Cent pro Liter Milch bekommen. "Jetzt sind wir bei 22 Cent angekommen. Weit unter dem, was wir vor dem Streik bekommen haben", erklärt er. Über sinnvolle Subventionen will er also in Berlin reden, das auf jeden Fall. Ordentlich angezogen - "nur nicht mit Anzug, das wäre übertrieben" -, mit überzeugenden Argumenten gewappnet, wird er zwei Tage zusammen mit seinen Mitstreitern im Auswärtigen Amt debattieren. Per Videoschaltung sind Versammlungen aus acht weiteren EU-Ländern an der Diskussion beteiligt. Und die fünfzehn Vorschläge, die am Ende die meiste Unterstützung der Teilnehmer bekommen, die werden dann tatsächlich in Brüssel beraten. Seinen Lieblingsvorschlag hat Dieter Augsten schon jetzt parat: "Einen einheitlichen Mindestlohn für ganz Europa. Dann wären die Dumpinglöhne vom Tisch und die Völkerwanderungen zur Erntezeit hätten ein Ende."