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Wie die Zukunft nach der „unvollendeten“ IBA in der Region aussieht

Das Besucherbergwerk F60 in Lichterfeld.
Das Besucherbergwerk F60 in Lichterfeld. FOTO: Veit Rösler
Großräschen. Mit mehr als 220 Veranstaltungen und Touren im Lausitzer Seenland geht die IBA Fürst-Pückler-Land in diesem Jahr zu Ende. Was sie in der Region nach dem Braunkohlebergbau bewegt und verändert hat, stößt bei Experten weltweit auf Bewunderung. Doch „die IBA ist noch unvollendet“, sagt der Senftenberger Stadtplaner Wolfgang Joswig. Was also muss in den nächsten Jahren passieren? Von Christian Taubert

Für IBA-Geschäftsführer Prof. Rolf Kuhn steht außer Frage, dass mit den 30 Projekten Pflöcke eingeschlagen wurden, hinter deren hohen qualitativen Ansprüchen das Lausitzer Seenland nicht mehr zurückfallen kann. Was hinzukommt: Aus Kuhns IBA-Mannschaft haben Experten in der Region neue Arbeitgeber gefunden, bei denen sie IBA-Projekte weiterbegleiten werden. „Wenngleich wir manchen Fortgang vor dem IBA-Ende zu beklagen haben, muss uns zugleich die Umsetzung angefangener Projekte keine Sorgen machen. Sie liegen vielerorts in guten Händen“, ist sich Kuhn sicher.

IBA ist mehr als Seenland

Damit es gelingt, die angeschobenen Projekte im Lausitzer Seenland zu Ende zu führen, dafür wird sich der Zweckverband Seenland Brandenburger Lausitz künftig ins Zeug legen. „Ich habe da keinen Zweifel“, betont der ehemalige Landrat von Oberspreewald-Lausitz und jetzige Zweckverbandsvorsteher, Holger Bartsch. Als einer der IBA-Väter legt er allerdings den Finger in die Wunde und sagt: „Aber die IBA ist nicht nur das Seenland.“ Sie habe den ganzen Süden Brandenburgs bis nach Sachsen mit ihren kreativen Ideen und Vorhaben beeinflusst. Diesen Part kann nach Bartschs Ansicht künftig nur die neu gegründete Energieregion Lausitz spielen. Sie sei das Instrument für die Regionalentwicklung und das Regionalmarketing. „Dieses Gremium wird in Zukunft gefordert sein fortzusetzen, was die IBA an unvollendeten Projekten hinterlassen hat“, erklärt Bartsch. Das treffe auch auf die Zusammenarbeit mit Sachsen zu. Das Lausitzer Seenland ende nicht an der Ländergrenze. „Wenn die Energieregion Regionalentwicklung für die Lausitz macht, dann reicht das bis nach Sachsen.“

Die Idee von einer gemeinsamen Landesgartenschau im Lausitzer Seenland, die zum IBA-Abschluss nicht verwirklicht werden konnte, hat für Bartsch noch immer ihren Reiz. Er unterstützt in diesem Zusammenhang die Einschätzung von Wolfgang Joswig, dass der IBA zum Abschluss ihr prägnantestes Alleinstellungsmerkmal fehlt: die gefüllte Seenlandschaft mit schiffbaren Kanälen und Tunnel. „Deshalb haben wir jetzt noch eine unvollendete IBA“, sagt Joswig, der mit seinen Studenten-Workshops Anfang der 1990er-Jahre die Idee der Lausitzer Seenkette von Otto Rindt wieder aufnahm. „Und wir haben die Chance, in gut fünf Jahren aller Welt zu zeigen, wozu Bergbausanierung fähig ist.“

Fontäne ist nicht aus der Welt

Dem hartnäckigen Architekten schwebt da weiterhin eine spektakuläre Landschaftsschau vor, wie immer sie heißen mag. Dann könnten Schiffe vom Großräschener Hafen ablegen und durch den schiffbaren Tunnel unter der Bundesstraße169 bei Senftenberg in den Sedlitzer See fahren, um schließlich von See zu See zu hüpfen. Großräschens Bürgermeister Thomas Zenker (SPD) hat deshalb auch das Projekt einer Wasser-Fontäne im künftigen Ilse-See noch nicht aufgegeben, die mit Solarstrom betrieben nur funktionieren soll, wenn die Sonne scheint. Zenker: „Unmögliches wahrzumachen, das hat uns die IBA gelehrt.“