"Wir haben im Koalitionsvertrag eine ganze Reihe von Bundesratsinitiativen zu stehen, die wir wegen der Mehrheitsverhältnisse dort bislang nicht durchbringen konnten." Dazu zähle etwa die Besserstellung von Kindern aus Hartz-IV-Familien: "Die Kinder werden, was die Berechnung ihres persönlichen Bedarfs betrifft, wie kleine Erwachsene behandelt." Dies sei ein Unding, so Ludwig. Zum Abschneiden seiner eigenen Partei, die in Niedersachsen bekanntlich aus dem Landtag flog, äußerte sich der Chef der Brandenburger Linken enttäuscht. "Es ist schade, dass auch unsere Wahlkampfunterstützung nicht zu einem Trendwechsel in Niedersachsen geführt hat", sagt Ludwig.

Viele Brandenburger Linke hätten die Genossen in Niedersachsen aktiv unterstützt, zumal es zahlreiche persönliche Freundschaften zwischen den Politikern in Niedersachsen und Brandenburg gebe. "Das ist ein Rückschlag, der uns gerade im Bundestagswahljahr 2013 noch einmal sensibilisieren muss."

Deutlichere Worte findet der Koalitionspartner SPD: "Die Westausdehnung der Linken ist gescheitert", sagt der SPD-Generalsekretär Klaus Ness. Er rechne damit, dass es in der Bundespartei der Linken nun Auseinandersetzungen um den künftigen Kurs der Partei geben wird. "Hier bei uns sind die Linken eine Volkspartei mit Milleucharakter, im Westen waren sie Protestpartei - und einen Anlass zum Protest gibt es offenbar nicht mehr." Doch mit Auswirkungen des Wahlergebnisses auf die rot-rote Koaltion rechnet Ness nicht.

Ganz anders Brandenburgs Opposition. "Die Linken sind zu einer ostdeutschen Regionalpartei geworden, und hier im Osten werden wir sie entzaubern", sagt der FDP-Fraktionsvorsitzende im Potsdamer Landtag, Andreas Büttner. Er bedauere, dass es für die Niedersachsen-FDP trotz rund zehn Prozent der Stimmen nicht zu einer Fortsetzung der Regierungsbeteiligung gerechnet habe. "In Brandenburg werden wir aber keine Leihstimmenkampagne der CDU erleben - wo sollten die Leihstimmen denn auch herkommen?", so Büttner. Von der Brandenburger CDU jedenfalls nicht. "Ich rate der Union, sich zur Bundestagswahl nicht auf eine Zweitstimmenkampagne einzulassen", sagt der Brandenburger CDU-Landesvorsitzende Michael Schierack der RUNDSCHAU. "Ob es die FDP im Bund schafft, muss für uns zweitrangig sein." Die Union müsse sich auf das konzentrieren, was sie selbst zu bieten hat - "allen voran die Kanzlerin, die die beliebteste Politikerin Deutschlands ist."

Ein "Supersignal für die Bundestagswahl" sieht auch die Landesvorsitzende der Grünen, Annalena Baerbock. Doch sie interpretierte es anders als Schierack oder Büttner: Die Wahl in Niedersachsen zeige, dass schwarz-gelb ein Auslaufmodell sei. "Wir müssen aber bis September noch hart für einen Wechsel werben." Und die Piraten? "Es ist schade, dass wir nur 2,1 Prozent erreicht haben", sagt der Brandenburger Piratenkapitän Michael Hensel. Aber in manchem unterschieden sich eben Niedersachsen und Brandenburg auch: "Wir in Brandenburg sind stärker in der Fläche und in den Kommunen vertreten, als in Niedersachsen", sagt Hensel. "Aber aus dem Ergebnis in Niedersachsen lernen wir - und lassen uns von Rückschlägen nicht entmutigen."