Kleine Schulen auf dem Dorf will die schwarz-rote Staatsregierung so vor der Schließung bewahren. Eine Grundschule mit mindestens 60 Schülern kann auch vorübergehend eine Klasse mit weniger als 15 Schülern bilden, wenn nicht mehr für einen Jahrgang zusammenkommen.

Darüber will Kultusministerin Brunhild Kurth (CDU) den Dorfschulen den jahrgangsübergreifenden Unterricht schmackhaft machen. Auch das ein Mittel, um Häuser zu erhalten, auch wenn die Schüler weniger werden.

Kleine Grundschulen außerhalb von Mittel- und Oberzentren werden laut Gesetzentwurf erhalten, wenn sie jahrgangsübergreifend unterrichten. So richtig ist das umstrittene Konzept noch nicht in Sachsen angekommen. Gerade acht öffentliche Grundschulen unterrichten im laufenden Schuljahr bereits mehrere Jahrgänge in einer Klasse zusammen.

Vier weitere sollen laut Kultusministerium im nächsten Schuljahr dazukommen. Die Chancen dieses Modells liegen für die Ministerin auf der Hand. Kinder unterschiedlichen Alters könnten gut voneinander lernen. Die ehemalige Schulleiterin weiß aber auch, dass das hohe Anforderungen an die Lehrer stellt: "Für die Lehrer ist jahrgangsübergreifender Unterricht sehr anspruchsvoll", sagt sie. Aber: "Es geht."

In Brandenburg geht es schon länger. Die sogenannten Flex-Klassen wurden vor zwölf Jahren an brandenburgischen Grundschulen eingeführt. Mittlerweile gibt es über 400 solcher Klassen an öffentlichen Schulen.

Sachsen freut sich zwar über steigende Schülerzahlen - doch der Zuwachs betrifft nur die Ballungsräume um die großen Städte. Abseits der Mittelzentren und Oberzentren rechnen die Statistiker für die nächsten Jahre mit einem Schülerschwund, der bis zu zehn Prozent betragen kann. Wie die verbleibenden auf die Schulen verteilt werden, ist ein zentrales Thema im neuen Schulgesetz.

Das sieht Ausnahmen von der Mindestschülerzahl auch für Oberschulen. Die sollen auf dem Land auch einzügig mit mindestens 25 Schülern laufen. Im Rest des Landes gilt dagegen weiterhin Zweizügigkeit mit mindestens 40 Schülern pro Klassenstufe.

Mit dem Entwurf der Gesetzesnovelle zieht Ministerin Kurth noch bis Anfang März durchs Land. Drei der neun geplanten Bürgerdialog-Abende sind bereits absolviert, die Hütte war jedes Mal gut gefüllt.

"Projektarbeit statt Frontalunterricht" nennt Ministerin Kurth die so noch nicht erprobte Bürgerbeteiligung in einem Gesetzgebungsverfahren. Bis jetzt hätten die Bürgerforen gezeigt, dass "das Thema Lehrerausstattung immer mitschwingt", sagt Ministeriumssprecher Dirk Reelfs. Konkrete Aussagen zur Lernmittelfinanzierung macht das Gesetz jedoch nicht - das soll später eine Verordnung festlegen.

Der erste Schwung Änderungswünsche soll in den Winterferien ausgewertet werden. Mit dem fertigen Gesetz und der fertigen Lernmittelverordnung sollen Sachsens Schulen plangemäß ins nächste Schuljahr starten.