Zunächst ist Prof. Michael Schierack überrascht. Als er zum Auftakt seiner Vorlesung für Kinder fragt, wer denn regelmäßig Sport treibe, schnellen die Hände hoch. "Alle Achtung, das sind gut drei Viertel", sagt der Orthopäde, Unfallchirurg und Sportmediziner ins Mikrofon. Genau die richtige Zuhörerschaft zum Auftakt der Kinder-Uni an der BTU. Denn Schierack hat für die Mädchen und Jungen der ersten bis sechsten Klassen das Thema "Was macht Sportler schnell wieder gesund?" aufgearbeitet.

"Für mich war das genauso interessant wie für meine Tochter", lobt der Papa von Marie aus Kolkwitz. Nach der Dreiviertelstunde im Audimax 2 auf dem Cottbuser Zentralcampus hätte die Erstklässlerin noch immer gut zugehört. Es könne also nicht langweilig gewesen sein.

Der Referent hatte einfühlsam das Interesse der Kinder geweckt: nach ihren Sportarten (Radsport, Fußball, Handball, Turnen, Leichtathletik, Karate) gefragt; aus der Arztpraxis erzählt und schätzen lassen, wer am Montag nach einem Sportwochenende am häufigsten in seiner Gemeinschaftspraxis Hilfe braucht. "Ja, Fußballer", gibt er den Zurufern recht. Aber das liege nicht etwa an der Härte in dieser Sportart, sondern daran, dass im Deutschen Fußballbund zwei Millionen Aktive vereint sind und regelmäßig spielen. Auf der Skala der verletzungsanfälligen Sportarten rangiere dagegen Rugby vor Basketball, Fußball liege auf Platz zwölf.

Die beiden Wacker-Kicker Clemens und Julius aus der 3. Klasse der Evangelischen Grundschule in Cottbus-Ströbitz haben sich gemerkt, was nach einem "Pferdekuss" oder einer Bänderdehnung zu tun ist. Schierack hat ihnen dafür die PECH-Formel als praktischen Heilungstipp mit auf den Weg gegeben. Das heißt: eine Pause einlegen, und nicht nach der Devise "Ein Indianer kennt keinen Schmerz" handeln; Eis zur Kühlung auflegen, damit sich kleine geschädigte Blutgefäße zusammenziehen; Compression - Druckverband, Bandage oder elastischen Verband anlegen; und Hochlagern - keine weitere Belastung und notfalls den Arzt konsultieren.

Bei Profisportlern sorge für all das und vieles mehr ein Mannschaftsarzt. Auch würden Aktive nach einer schweren Verletzung dreimal am Tag Physiotherapie bekommen, um schnell wieder eingesetzt werden zu können. Und, sagt Schierack, natürlich trage auch der gute Trainingszustand von Sportlern zu einer zügigeren Genesung bei.

Dem Fünftklässler Robin, der Radsportler beim RSC Cottbus ist, hat es an der Kinder-Uni Spaß gemacht. "Alles interessant", sagt er. Michael Schierack kann an den vielen Punkten unter dem Smilie ablesen, dass es den Kindern gefallen hat. "Ich habe das Thema vor vier Jahren bereits in Senftenberg aufgegriffen", sagt er. Dorthin kehrt er am Samstag (11 Uhr) zurück, ehe es Monat für Monat mit spannenden Themen weitergeht. Mehr zur Kinder-Uni:

b-tu.de/kinderuni

Zum Thema:
An mittlerweile rund 70 Universitäten und Hochschulen in Deutschland gibt es Kinder-Unis. Das Modell wurde im Jahr 2002 an der Tübinger Universität als Gemeinschaftsprojekt zwischen Universität und der Lokalzeitung angeboten. Der Durchbruch gelang bereits 2004, als die Idee auch in Basel und Zürich umgesetzt wurde. In der Lausitz folgten Senftenberg (2005) und Cottbus (2006). Die Universität Tübingen ist für ihre "vorbildlichen Bemühungen im Bereich der Wissenschaftskommunikation" ebenso gewürdigt worden, wie die beiden Erfinder der Vorlesungsreihe für Kinder, die Journalisten Ulla Steuernagel und Ulrich Janßen. 2009 erhielten die Kinder-Uni-Gründer das Bundesverdienstkreuz.