Er ist noch ein Kleingärtner vom alten Schlag. Aus seinem 350 Quadratmeter-Paradies im Grünen machte er nicht etwa ein modernes Wochenendgrundstück mit englischem Rasen und Luxus-Bungalow. Hier ist fast alles fast so geblieben, wie mein Vater 1950 den Garten anlegte, meint Richard Schweidler. 1954 baute Josef Schweidler die Laube mit Spitzdach. Und da ich gelernter Möbeltischler war, half ich ihm natürlich dabei, erinnert sich der Sohn. Zunächst gärtnerten sie Jahrzehnte gemeinsam. Nach dem Tod des Vaters erbte Richard Schweidler das idyllische Fleckchen Erde in Leipzig-Wahren am Fuße eines Eisenbahnviadukts. Nie ist der Laubenpieper dort aufgefallen. Bis zu jenem Tag, als sich ein 50-köpfiges Drehteam ankündigte. Denn auf der
Suche nach einer Kulisse für eine Garten-Grill-Szene im zweiteiligen Fernsehfilm "Die Frau vom Checkpoint Charlie" stieß man auf die Parzelle Nummer 50 mit der alten Laube. Bevor die roten Lampen der Kameras angingen, gab der Kleingärtner grünes Licht für den Belagerungszustand durch das Drehteam. Am Tag zuvor wurde die weiße Laube auf Wunsch des Regisseurs noch orange gestrichen, erzählt Richard Schweidler. Am nächsten Morgen stand er, pflichtbewusst wie er ist, eine Stunde früher am Gartentor, um der Filmcrew aufzuschließen. Plötzlich strahlte mein Garten im Scheinwerferlicht, denkt er zurück und verrät, dass er sonst nicht einmal einen Elektroanschluss hat. Als dann auch noch Veronica Ferres mitten im Garten stand, schlug das Herz des sonst ausgeglichenen Gärtners schneller. Jede Minute beobachtete der das Geschehen aus nächster Nähe. Obwohl er vorher dichtgehalten hatte und niemanden etwas über den Dreh erzählte, kamen sofort neugierige Nachbarn, die versuchten, Blicke zu erhaschen. Unvergesslich für Opa Richard: Er durfte sogar als Komparse mitspielen.
Punkt 21 Uhr zog die Ufa-Filmcrew ab. Gute Leute waren das, lobt er. Sie haben meinen Garten abends so verlassen, wie sie ihn morgens betraten. Nicht einmal eine Zigarettenkippe lag auf den Beeten, berichtet er freudestrahlend. In den darauffolgenden Tagen gab es in der Kleingartensparte nur ein Gesprächsthema: Die Ferres war in Richards Garten! Und zwischen Klatschmohn und Frauenmantel wurde gerätselt, wie er das anstellte.
Ganz einfach. Man muss nicht jedem Trend hinterherlaufen, ist sein einziges Geheimnis. Für einen aufgemotzten Garten hätte sich das Filmteam niemals interessiert, ist er sich sicher. Nun fiebert der Leipziger der Ausstrahlung (ARD, 2007) des Films entgegen, in dem es um eine Erfurterin geht, die die DDR verlassen will.