Bei den knallenden Korken erinnert er zunächst an Männerrituale aus der Formel 1. Ein langsames Öffnen der Flasche sei schon deshalb besser, weil der Nachbar so keine Dusche abbekomme. Praktisch ist die Zeitlupen-Variante ohnehin. "Durch den plötzlichen Druckverlust in der Flasche kommt es zum Überschäumen und Sie verschenken einen Teil des Inhalts", erklärt Aumüller. Den Silberlöffel in geöffneten Flaschen hält der 32-Jährige für Aberglauben. Vielmehr sollte ein ordentlicher Verschluss drauf. Bei einer mindestens halb gefüllten Flasche halte sich die Kohlensäure so noch gut einen Tag.

Ausschließlich Flaschengärung
Wackerbarth produziert Sekt ausschließlich in Flaschengärung. Während das entstehende Kohlendioxid bei der ersten Gärung zum Wein noch abgeleitet wird, ist es nun ein wichtiger Bestandteil. In dieser Phase bleibt der Sekt mit einem schlichten Kronkorken verschlossen. Je länger die mit Hefe versetzte Flüssigkeit in der Flasche bleibt, desto feiner geraten die Bläschen und damit der Sekt. "Die Explosion findet dann nur noch auf der Zunge statt", sagt Aumüller. Neun Monate dauert die Genese. Der Flascheninhalt besitzt nun tatsächlich Sprengkraft. Diese Eigenschaft wird beim Degogieren genutzt.
Während sich die Hefe nach regelmäßigem Schütteln der Flasche - in Radebeul ausschließlich Handarbeit - nach und nach im Flaschenhals konzentriert, muss sie nun nach außen befördert werden. Auch optisch soll nichts den Sekt trüben. Beim Eintauchen in ein Kältebad gefriert der Hefepfropfen, nach dem Öffnen des Kronverschlusses schießt er dank der Druckverhältnisse geradezu heraus und die Sektflasche kann ordentlich mit einem Korken verschlossen werden. "In der Barockzeit kannte man das Verfahren nicht. August der Starke trank seinen Sekt naturtrüb", sagt Marketingchefin Ulrike Schröter.

Tipps zum kühlen Genuss
"Sekt kann kälter als Wein getrunken werden. Die Optimaltemperatur liegt zwischen fünf und sieben Grad. Zu große Kälte kann den Genuss jedoch zunichte machen, da sich die flüchtigen Aromen nicht lösen können", sagt Aumüller. Wer zu Hause überraschend Besuch erhält und dafür Sekt turbomäßig abkühlen muss, bekommt einen anderen Tipp: "Füllen Sie ein Behältnis mit Eiswürfeln, gießen sie darüber wenig Wasser und bestreuen sie es mit Salz. Danach stellen sie die Flasche für zehn Minuten hinein. Das Salz beschleunigt das Auftauen. Dabei entsteht Verdunstungskälte, welche den Sekt auf Trinktemperatur kühlt."
Selbst bei der Wahl der richtigen Gläser ist Aumüller - ein Bayer im Dienste Sachsens - behilflich: "Meine Sektgläser sind hochstielig und haben die Form einer Tulpe: unten etwas bauchig und nach oben verjüngt. In solchen Gläsern kann der Sekt sein volles Bukett und die feine Perlage am besten entfalten." Es gebe auch Gläser, die am Boden eine aufgeraute Stelle besitzen. "Diese Unebenheit nennt man Moussier-Punkt, an ihm steigen die Perlen des Sektes wie an einer Kette nach oben."
"Die Besichtigungen auf Schloss Wackerbarth weihen in die Geheimnisse der Sektherstellung und des Genusses ein", wirbt Marketingchefin Schröter für einen Besuch. Eine Dreiviertelstunde lang würden die Gäste durch Deutschlands zweitälteste Sektkellerei geführt und könnten dabei humorvoll erfahren, wie die Bläschen in den Sekt kommen. (dpa/mb)