Die Bahn will nach den wochenlangen Problemen am Stellwerk Mainz stärker in die Beseitigung von Personalengpässen investieren. "An Geld wird es nicht scheitern", sagte Konzernchef Rüdiger Grube nach einer Sitzung des Bundestags-Verkehrsausschusses am Montag in Berlin. "Es ist absolut in unserem Interesse, dass wir genau so viele Mitarbeiter haben, wie der Bedarf es erfordert." Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) sagte nach der Ausschusssitzung: "Ich gehe davon aus, dass alles getan wird, um ähnliche Vorkommnisse an anderen Bahnhöfen zu vermeiden." Die Probleme reichten viele Jahre zurück, in denen die Bahn "kostenmäßig ausgehungert" worden sei. Der Trend zu Personalabbau sei inzwischen umgekehrt worden.

Grube sagte, bei Fahrdienstleitern, die in Stellwerken arbeiten, würden noch im November erste neu ausgebildete Mitarbeiter erwartet. Der Bahnchef machte klar, dass es darum gehe, Schwachstellen beim Personaleinsatz zu identifizieren. "Wir sollten jetzt nicht in Aktionismus verfallen." Die gesamte Personalplanung des Konzern solle bis 15. Oktober nochmals kritisch hinterfragt werden. Bis Jahresende sollen mehr als 600 zusätzliche Fahrdienstleiter eingestellt werden. Derzeit gibt es mehr als 12 000 Fahrdienstleiter.

Der Vorsitzende der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), Alexander Kirchner, forderte die Politik auf, dafür zu sorgen, dass Wettbewerb über Qualität und nicht über den Preis laufe. Dies gehe auf Kosten der Beschäftigten.

Der Chef der Lokführergewerkschaft GDL, Claus Weselsky, verwies darauf, dass bei Lokführern Mitte dieses Jahres schon drei Millionen Überstunden erreicht seien. "Das ist ein deutliches Warnsignal." Zuletzt seien es drei Millionen Überstunden im Gesamtjahr gewesen. Eine Bahnsprecherin sagte, eine Reduzierung der Mehrarbeit sei den Betriebsräten zugesagt worden. Ein Großteil der Überstunden habe sich bereits in den vergangenen Jahren aufsummiert.

Die SPD verlangte indes von dem bundeseigenen Konzern, auf Preiserhöhungen für die Kunden vorerst zu verzichten. SPD-Verkehrsexperte Sören Bartol forderte: "Es darf solange keine Preiserhöhungen bei der Deutschen Bahn geben, bis die Qualität, die die Fahrgäste zu Recht verlangen, wiederhergestellt ist." Die von der Bundesregierung beschlossene Dividendenzahlung der Bahn von rund 500 Millionen Euro im Jahr an den Bund entziehe dem Konzern Geld für notwendige Investitionen.

Der Verkehrsausschuss-Vorsitzender Anton Hofreiter (Grüne) forderte als politische Konsequenz, das Netz aus dem Bahnkonzern zu lösen. FDP- Verkehrsexperte Oliver Luksic sagte, Schuld an der Misere in Mainz trügen nicht die Mitarbeiter. Nach Fehlern vergangener Jahre könne nun nicht so schnell umgesteuert werden. Sabine Leidig (Linke) verlangte, die Bahnreform zurückzunehmen und den Konzern auf das Gemeinwohl auszurichten.

Auch wenn die Züge in Mainz wieder nach normalem Fahrplan rollen: Das Eisenbahn-Bundesamt nimmt die Personallage der Bahn weiter unter die Lupe. "Das Verfahren ist nicht abgeschlossen", sagte Sprecher Moritz Huckebrink am Montag auf Anfrage in Bonn. "Wir lassen uns auch weiterhin von der Bahn informieren, was sie unternimmt." Das Bundesamt erwarte von der Deutschen Bahn, dass sie alles möglich mache, um Zugausfälle wie am Mainzer Hauptbahnhof zu vermeiden. Für theoretische Sanktionen wie ein Zwangsgeld habe es bisher allerdings keinen Anlass gegeben, sagte der Sprecher.

Die Bundesnetzagentur drohte der Bahn wegen der Probleme in Mainz mit 250 000 Euro Zwangsgeld. Auch in Bebra in Osthessen hatte es Schwierigkeiten mit der Personalbesetzung eines Stellwerks gegeben.