Die würden bald schon mit allen Mitteln angelockt und abgeworben, sagt der Demografieforscher Rainer Klingholz und prophezeit einen regelrechten "Bevölkerungskannibalismus".
Wer sich als Kommunalpolitiker darauf nicht jetzt vorbereite, der habe verloren, meinten übereinstimmend die Gesprächsteilnehmer beim jüngsten Forum der Wochenzeitschrift "Die Zeit", das sich mit der schrumpfenden und alternden Gesellschaft in der Bundesrepublik beschäftigte.
Martin Patzelt, der CDU-Oberbürgermeister von Frankfurt (Oder), hat heute schon viele der Probleme, die im Westen in den nächsten Jahren zu erwarten sind. Aufgrund der Abwanderung hat sich die Altersstruktur der Einwohnerschaft massiv verändert. Dass die Stadt weiterhin attraktiv bleibt für junge Familien ist seine Hauptsorge.
Patzelt sagt, es gebe sehr wohl Möglichkeiten, das Leben und den Zuzug in Städte wie die seine zu erleichtern. Dazu gehöre vor allem eine umfassende Beteiligung der Menschen an kommunalpolitischen Entscheidungen. Die Behörden alleine würden scheitern. Nur wenn ältere Bürger beispielsweise auf freiwilliger Basis mitmachten bei der Kinderbetreuung, habe die Kommune eine Chance. Die 15 000 Pendler, die täglich nach Frankfurt zum Arbeiten kommen, seien eine wichtige Zielgruppe. Es müsse gelingen, auch den einen oder anderen zum Nachdenken über einen Umzug zu bringen. Klingholz ist ebenfalls, was die größeren Städte im Osten betrifft, eher optimistisch. Die würden - eine kluge Politik vorausgesetzt - davon profitieren, dass das Leben auf dem Lande immer weniger attraktiv sei und der Fortzug junger Menschen weitergehe.
In der Expertenrunde wurde offenkundig, dass der Osten Deutschlands heute das Testfeld für die Antwort auf die Probleme der Zukunft ist. Es erscheint angesichts der hohen Arbeitslosigkeit zunächst widersinnig, dass sich Brandenburger Städte darum kümmern müssen, wie sie attraktiv werden für zuziehende Arbeitskräfte. Es werde aber, so Prof. Hans Bertram von der Humboldt-Universität Berlin, im Osten zuerst und bald zu dem prognostizierten Mangel an Fachkräften kommen. Denn dort seien der Geburtenrückgang und die Abwanderung am dramatischsten. Deswegen müssten schnell Konzepte entwickelt werden, die Familien einen Vorteil versprechen. Patzelt sagt, das hätten die Verantwortlichen in Frankfurt inzwischen auch verstanden. So genüge es beispielsweise nicht, ausreichend Plätze für die Kinderbetreuung anzubieten. Eltern müssten auch die Möglichkeit zur Wahl zwischen unterschiedlichen pädagogischen Konzepten haben. Nur wer sich auf solche Wünsche einlasse und flexibel genug reagiere, der habe mittelfristig die Chance, potenziellen Investoren auch versprechen zu können, dass die Menschen auch kommen, die sie brauchen. Aus dem Heer der heute noch Arbeitslosen seien die neuen Jobs nur selten zu besetzen.