Blazer, der heute 70 Jahre alt ist und schwerkrank in einer New Yorker Klinik liegt, liebte das Leben, er liebte die Frauen und gutes Essen, er liebte das Rampenlicht. Ein Barockmensch, den manche mit Verdis Opernfigur des Falstaff vergleichen. Auf einem Blog, der seine Reisen rund um die Welt dokumentiert, ist er neben Nelson Mandela im Privatjet zu sehen, neben Franz Beckenbauer, neben Hillary Clinton. Im Trump Tower, einem Wolkenkratzer an der noblen Fifth Avenue in Manhattan, leistete er sich für 18 000 Dollar Monatsmiete ein Appartement im 49. Stock. Ein zweites - unbewohnt - soll seinen Katzen als Domizil gedient haben. Wobei sich Blazer nicht nur die New Yorker Bleibe von Concacaf bezahlen ließ, dem Fußballbund für Nord- und Mittelamerika und die Karibik, sondern auch eine Ferienwohnung auf den Bahamas, eine zweite in Miami Beach, einen Hummer, den wuchtigsten aller Geländewagen, und, um nur ein weiteres Detail zu nennen, die Autoversicherung seiner Freundin. Sein Sohn Jason, ein Physiotherapeut, diente dem Verband als medizinischer Direktor, 2011, in seinem letzten Jahr auf dem Posten, mit 110 961 Dollar entlohnt.

Das alles ging gut, bis der Lebemann im Herbst 2011, auf einem Motorroller auf der Fifth Avenue unterwegs, von zwei Beamten gestoppt wurde, einem Bundespolizisten des FBI und einem Fahnder der Steuerbehörde IRS, bei der er fünf Jahre lang keinerlei Einkommen angegeben hatte. Er habe die Wahl, entweder Handschellen oder Kooperation, berichtet die "New York Daily News" über das überraschende Rendezvous. So wurde der Großverdiener zum Kronzeugen, zur Schlüsselfigur der Ermittlungen gegen die Fifa.

Begonnen hatte es auf einem Sportplatz. Im New Yorker Vorortmilieu des Westchester County trainierte er die Jugendmannschaft seines Sohnes, ein eher belächelter "Soccer Dad" zu einer Zeit, da der Fußball in den USA noch in den Kinderschuhen steckte. Blazer, Sohn eines Schreibwarenhändlers, hat nie selber gespielt, dafür saß er gern in Gremien, und er verstand sich darauf, Kontakte zu knüpfen.

Bei der Weltmeisterschaft in Mexiko lernte er 1986 Jack Warner kennen, einen Lehrer aus dem Inselstaat Trinidad und Tobago. Vier Jahre darauf kandidierte Warner fürs Amt des Concacaf-Präsidenten. Blazer, der die Wahlkampagne des Freundes geleitet hatte, wurde mit dem Posten des Generalsekretärs belohnt und verlegte den Sitz der Organisation kurzerhand von Guatemala-Stadt nach New York. Mit Warner schloss er einen Vertrag, der seiner Agentur Sportvertising zehn Prozent aller Einnahmen aus Sponsoring und Fernsehrechten sicherte.

1990 waren das eher symbolische Summen, was sich in dem Maße änderte, wie das Duo an der Spitze die schläfrige Concacaf zu einem lukrativen Unternehmen ausbaute. 1994 ließ "Mister Ten Percent" die Abmachung in einem wichtigen Punkt ändern: Das Geld floss nunmehr auf ein Bankkonto auf den Cayman Islands, wo man weder Einkommens- noch Kapitalertragssteuer kennt. Rund 22 Millionen Dollar soll er eingestrichen haben, ehe Warner über Korruptionsvorwürfe stolperte und sein Nachfolger Blazer den Laufpass gab. Er habe einen exzellenten Job gemacht, erklärte der Falstaff des Fußballs zum Abschied. Er habe die Konföderation zu dem gemacht, was sie sei: "Ich bin derjenige, der für ihr gutes Einnahmeniveau verantwortlich ist".