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Wie der Brexit Europa spaltet

Taxi mit Union Jack: So feiert ein Londoner am 24. Juni 2016 den Brexit, das mehrheitliche Ja der Briten zum Austritt Großbritanniens aus der EU.
Taxi mit Union Jack: So feiert ein Londoner am 24. Juni 2016 den Brexit, das mehrheitliche Ja der Briten zum Austritt Großbritanniens aus der EU. FOTO: dpa
Brüssel. Die Briten haben für den Brexit gestimmt. Zum ersten Mal in der Geschichte der Europäischen Union verabschiedet sich ein Mitglied aus dem Club – und dann noch ein so wichtiges. Ist das eine neue „Stunde null“? Wie steht Europa künftig da in der Welt? dpa/roe

Genau 43 Jahre, sechs Monate und 23 Tage war Großbritannien bis zum Freitag Mitglied der Europäischen Union. Und, wenn man ehrlich ist: Es war zwischen den Leuten auf der Insel und jenen auf dem Kontinent immer schon ein Wechselbad der Gefühle. Zwischen großer Freude und enormem Verdruss war alles drin. Nach dem Briten-Beschluss für den Brexit ist auf dem Festland die Gefühlslage klar: Katerstimmung überall. Auf englisch: "Hangover". Mit der Aussicht auf: Fortsetzung folgt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht von einem "Einschnitt für Europa". EU-Parlamentspräsident Martin Schulz sagt: "Wir sind sehr traurig über die Entscheidung der Wähler." Mit einer Mehrheit von 52 zu 48 Prozent haben die Briten in ihrer Volksabstimmung nicht nur den Austritt aus der Europäischen Union beschlossen, den ersten eines Landes in der EU-Geschichte überhaupt. Der Abschied der Atommacht, der zweitgrößten Volkswirtschaft, der Nummer drei bei der Bevölkerungszahl versetzt der EU als Ganzes einen ziemlichen Schlag. Ohne Briten wird sie international erheblich an Bedeutung verlieren.

Premierminister David Cameron, der für einen Verbleib geworben hatte, kündigte seinen Rücktritt bis spätestens Oktober an. Er versicherte zugleich, dass Regierung und Parlament den Volkswillen respektieren und mit der EU den Austritt aushandeln werden. Während die britische Führung bei den Verhandlungen über den Ausstieg aus der EU offensichtlich auf Zeit spielen will, drängen die Spitzenvertreter der Europäischen Union zur Eile.

Am Rande des EU-Gipfels am Dienstag und Mittwoch in Brüssel soll es bereits ein "informelles Treffen" der 27 geben - erstmals ohne Großbritannien. Für Montag lädt Kanzlerin Angela Merkel zu Gesprächen nach Berlin ein.