"Der Bund und andere Länder verschulden sich in Größenordnungen - aber Sachsen will in Zukunft Geberland sein. Das ist eine hanebüchene Diskussion", klagt CDU-Schulpolitiker Thomas Colditz. Ihn ärgert, dass die erwarteten zehn Prozent Ausfälle im 16-Milliarden-Etat linear eingespart werden sollten, ohne über Konsequenzen im Sozial-, Jugend- und Schulbereich zu reden. "Wir befinden uns im Blindflug. Die Gestaltung der Landespolitik wird infrage gestellt", warnt Colditz. Seines Wissens habe sogar Alt-Ministerpräsident Georg Milbradt geäußert, dass zehn Prozent Einsparungen kaum zu leisten seien.Gerade die Entwicklung in der Schulpolitik macht auch dem Leipziger Abgeordneten Rolf Seidel große Sorgen. "Auch wenn wir noch knapp 1000 Lehrerstellen zu viel haben, haben wir sie in drei Jahren zu wenig." Er habe Angst, dass die Lehrer erst in andere Länder weglaufen und Sachsen danach Sonderprogramme auflegt, um sie wieder einzukaufen. Das werde deutlich teurer. "Die Lehrer hier zu halten ist eine Investition in die Zukunft", sagt Seidel. Seiner Ansicht nach könnte ein Teil der Rücklagen für die Abwicklung der Landesbank genutzt werden, um das Defizit auszugleichen. Gesamtlösung gefordert Auch auf kommunaler Ebene machen sich CDU-Fürsten ihre Gedanken. Der Landrat des Kreises Leipzig, Gerhard Gey, hält es für denkbar, zumindest die jährlichen Tilgungsraten auszusetzen. "Wir haben eine außergewöhnliche Situation", sagt Gey. "Die kommunale Seite weiß nicht, wie sie ihre Löcher stopfen soll." Es dürfe nicht passieren, dass der Freistaat am strikten Sparkurs festhält, aber die Kommunen in neue Kredite treibt. "Wir brauchen eine Gesamtlösung."Nein von Junger UnionDoch gegen die Widerständler formiert sich eine Anti-Schulden-Phalanx. Die Junge Union verkündete bereits ihr striktes Nein gegen den Vorstoß der Abgeordneten. "Neue Schulden gehen nur auf Kosten der kommenden Generationen", warnt Landeschef Sebastian Grumt. Auch der junge Chef der sozial geprägten Arbeitnehmerschaft, Alexander Krauß, hält Kurs: "Gegen Schulden gibt es zwar keine Demos", sagt der 34-jährige Abgeordnete. "Aber das süße Gift hilft nur sehr kurz." Auch der finanzpolitische Sprecher der Fraktion, Lars Rohwer, erteilt seinen aufbegehrenden Kollegen eine Abfuhr: "Es droht kein Weltuntergang. Wir müssen nur mit genauso viel Geld auskommen wie 2005." Maßhalten, so Rohwer, "ist eine Tugend, für die es sich lohnt, einzutreten." Doch bis im Juni Kabinett und Fraktion Entscheidungen treffen, wollen Colditz, Seidel und andere die Debatte vorantreiben.