Die Betreiber müssten durch die neuen "Knebelverträge" Einbußen von durchschnittlich 15 bis 25 Prozent hinnehmen, sagte der kommissarische Vertreter des Post- agentur-Nehmerverbandes Berlin-Brandenburg, Mathias Kretzschmar, am Wochenende in Potsdam. Vielen Postagenturen drohe dadurch über kurz oder lang der Ruin. Durch die kurzen Kündigungsfristen gehe auch die Planungssicherheit verloren. Daher hätten sich einige Betreiber bereits entschieden, die neuen Verträge nicht zu unterschreiben.
Die Deutsche Post AG wies die Vorwürfe als "reine Spekulation" zurück. Es sei nicht erwiesen, dass die Partnerfilialen Einbußen hinnehmen müssten, sagte eine Sprecherin. Schließlich könnten sie durch Zusatzgeschäfte für die Post AG Mehreinnahmen erwirtschaften. Im Durchschnitt würden die Agenturnehmer einen Pauschalbetrag von 23 000 Euro pro Jahr bekommen. Sie hätten so eine "sichere Bank". Die Betreiber würden nicht mehr für die Einzelleistungen, sondern auf Grundlage dessen bezahlt, was sie im Vorjahr eingenommen haben.
Kretzschmar zufolge wollen insbesondere im ländlichen Raum Brandenburgs viele Agenturnehmer angesichts der hohen Arbeitslosigkeit nicht auf die Zusammenarbeit mit der Post verzichten. Das Angebot der Post an die Betreiber, zusätzlich Versicherungen oder Telekom-Verträge zu verkaufen, bezeichnete Kretzschmar als "Bauernfängerei". Es gebe kaum noch Menschen, die nicht ausreichend versichert oder ohne Telefon seien.
Spätestens in zwei Jahren, so Kretzschmar, komme auf die Region eine Pleitewelle zu. (ddp/uk)