Kritik an der geplanten Regelung gab es auch von den SPD-Linken. Man wolle durchsetzen, dass die Ablehnung der Schuldenbremse in das Wahlprogramm der Partei aufgenommen werde, kündigte ihr Sprecher Björn Böhning an.

Die Widerstände könnten die Reform noch auf den letzten Metern gefährden. Im Bundestag gilt die für eine Verfassungsänderung notwendige Zweidrittelmehrheit als sicher, nachdem auch die FDP am Freitag Zustimmung signalisierte. Fraglich ist das Ja jedoch im Bundesrat. Mit Schleswig-Holstein würde ein von einer Großen Koalition regiertes Land ausfallen. Dort, wo Grüne und Linke mitregieren, Bremen, Hamburg und Berlin, gilt eine Enthaltung als möglich. Linksfraktionschef Gregor Gysi sagte, für die überschuldeten Länder Bremen, Berlin, das Saarland und Schleswig-Holstein sei die verfassungsrechtliche Verpflichtung auf einen ausgeglichenen Haushalt ab 2020 „eine Katastrophe“. Grünen-Fraktionschef Fritz Kuhn erklärte, die Kommunen würden die Verlierer sein.

Die Große Koalition braucht damit für die notwendige Zweidrittelmehrheit im Bundesrat die Zustimmung auch jener Länder, in denen Union und FDP mitein ander regieren. Allerdings hat Schleswig-Holstein noch einen Weg offen gelassen. Ein Sprecher des Kieler Finanzministeriums sagte auf Anfrage, dem Landtag gehe es darum, dass nur die Länder selbst über eine Änderung ihrer Verfassungen entscheiden. Grundsätzlich stimme man mit dem Anliegen überein, doch werde durch das geplante Vorgehen die Haushaltshoheit der Landtage verletzt. Es sei eine Lösung denkbar, wonach nur die Schuldenbremse für den Bundeshaushalt – maximal 0,35 Prozent neue Schulden ab 2016 – im Grundgesetz verankert und für die Länder eine andere Formulierung gefunden werde.

Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) zeigte für die Einwände wenig Verständnis. Die Regelung für die Länder sei von diesen selbst vorgeschlagen worden. „Dafür möchte ich nicht geprügelt werden.“ Auch erinnerte er daran, dass vier Länder, darunter Schleswig-Holstein, neun Jahre lang Hilfen von 800 Millionen Euro jährlich bekommen. Die Schuldenbremse sei notwendig, weil die alte Regelung nicht gewirkt habe. Seit 1980 sei die Verschuldung des Bundes von 120 Milliarden auf 960 Milliarden Euro gestiegen.