Mit einer Behinderung leben - für viele Menschen in allen Teilen der Welt bedeutet dies immer noch, erheblichen Diskriminierungen ausgesetzt zu sein. 90 Prozent der behinderten Kinder in ärmeren Ländern erhalten keine angemessene Schulausbildung. Auch die medizinische Versorgung ist für geistig oder körperlich Behinderte oft mangelhaft. Viele sind unweigerlich zur Armut verdammt.
Mit einer umfassenden UN-Menschenrechtskonvention für Behinderte sollen deshalb die Rechte der weltweit rund 600 Millionen Behinderten gestärkt werden. Die UN-Generalversammlung will die Konvention voraussichtlich heute verabschieden.
Die Konvention ist das erste internationale rechtsverbindliche Dokument, das die Menschenrechte der Behinderten festschreibt und deren Lebensqualität entscheidend verbessern soll. Bisherige Dokumente hatten nur Empfehlungscharakter. Behindertenverbände nennen die Konvention überfällig. UN-Experten sprechen von einem "historischen Schritt".
In die 50 Artikel wurden zahlreiche Vorschläge von Behindertenverbänden aus aller Welt einbezogen, vor allem der Dachorganisation International Disability Caucus. "Wir konnten eine breite Problem-Palette von Behinderten in der Gesellschaft ausfindig machen und uns darauf konzentrieren", sagt Don MacKay. Der Neuseeländer ist Vorsitzender einer Kommission der Generalversammlung, die vier Jahre lang um den Text gerungen hatte.
Die UN-Konvention füllt Lücken, wo andere internationale Vereinbarungen nicht weit genug gehen. Neben sozialen und politischen Rechten nennt sie die einfache Zugänglichkeit beispielsweise zu öffentlichen Verkehrsmitteln, Teilnahme an politischen Prozessen und soziale Integration. Die Konvention garantiert auch die Rechte von behinderten Frauen. Kinder dürfen danach aufgrund ihrer Behinderung nicht von den Eltern getrennt werden.
Als besonders wichtig bezeichnen UN-Experten den Artikel 8, in dem sich die unterzeichnenden Mitgliedsländer dazu verpflichten, Vorurteile und Klischees gegenüber Behinderten zu bekämpfen. Gleichzeitig sei er am schwersten zu erfüllen, räumt Thomas Schindelmayr von der Hauptabteilung Wirtschaftliche und Soziale Angelegenheiten der Vereinten Nationen ein. Insgesamt ist er zufrieden mit dem Ergebnis.
"Wir Behinderte wollen keine Almosen. Wir wollen nur die gleichen Möglichkeiten wie alle anderen auch", sagt Schindelmayr, der seit seiner Kindheit im Rollstuhl sitzt. Deshalb sei die Konvention "ein wichtiger Schritt vorwärts". Künftige Generationen würden dann nicht denselben Diskriminierungen ausgesetzt sein, wie er sie in seinem Leben erfahren habe. Wenn die Konvention verabschiedet wird, ist es noch ein langer Weg zu echter Gleichberechtigung.
Bisher haben nur 45 der 192 Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen überhaupt eine Gesetzgebung, die die Rechte von Behinderten schützt. In vielen Ländern muss deshalb erst noch der rechtliche Rahmen geschaffen werden. 20 Länder müssen die Konvention ratifizieren, bevor sie in Kraft tritt.
Die Argentinierin Maria Reina von der Dachorganisation International Disabled Caucus äußert sich jedoch zuversichtlich: "Wir werden uns tatkräftig dafür einsetzen, dass die Konvention richtig umgesetzt wird", kündigt sie an. Die Behindertenverbände in den einzelnen Länder würden darauf mit Argusaugen achten, fügte sie hinzu.