Anfang dieser Woche wurden die Leser sowohl Dresdner Tageszeitungen als auch der "Süddeutschen Zeitung" von einer großflächigen Anzeige überrascht, die mit dem schlichten Wort "Erklärung" überschrieben war. Darin distanzieren sich etliche Prinzen und Prinzessinnen von Sachsen von einer Artikelserie, die in einer Boulevardzeitung unter der Überschrift "Der Skandalprinz von Sachsen" erschienen war. Gegenstand dieser Artikelserie war der 1982 verstorbene Prinz Timo, ein Enkel des letzten sächsischen Königs Friedrich August III. Das Leben von Prinz Timo hatte zumindest zeitweise einen wenig glücklichen Verlauf genommen, so gar nicht königlich, Drogen- und Alkoholprobleme, mehrere gescheiterte Ehen, ein uneheliches Kind, zeitweiliger Aufenthalt in einer psychiatrischen Anstalt.
Nun sind die Königskinder erzürnt. Timo habe den Bombenangriff auf Dresden nur unheilbar krank überlebt. "Würdelos und widerlich" sei es, wenn jetzt das Leben Timos in der Zeitung vorgeführt werde.
Der Lebenswandel des längst verstorbenen Königsenkels wäre vermutlich tatsächlich kaum von Interesse, gäbe es da nicht einen aktuellen Bezug. Maria Emanuel, auch ein Enkel des letzten Sachsenkönigs und gegenwärtiger Chef des Hauses Wettin, der den inoffiziellen Titel Markgraf von Meißen und Herzog zu Sachsen im Namen führt, ist kinderlos geblieben. Er sucht einen Nachfolger für den Thron, auf dem er nicht mehr zu sitzen kam.
Eigentlich kommt dafür nur ein männliches Familienmitglied in direkter Königslinie in Frage. Den aber gibt es nicht, zumindest nicht in dem Familienzweig von Maria Emanuel. Deshalb versuchte er das Problem zu lösen, indem er 1999 Alexander, den Sohn seiner Schwester Maria Anna adoptierte. Alexander, der längst in Mexiko beheimatet war und dort ein kleines Unternehmen führte, siedelte daraufhin mit seiner Frau Gisela und den vier Kindern nach Sachsen um.
Nun aber regt sich Widerstand gegen diese Nachfolgeregelung. Prinz Rüdiger fühlt sich übergangen. Er ist männlich und ein direkter Nachfolger Friedrich August III., wenn auch aus einem anderen Familienzweig, und er ist der Sohn Timos. Er sieht in Maria Emanuel den eigentlichen Urheber der Artikelserie gegen seinen Vater. "Ich soll in Misskredit gebracht werden", sagt Rüdiger, der offiziell keinen Anspruch auf die Nachfolge an der Spitze des ehemaligen sächsischen Königshauses erhoben hat. Aber er und seine Söhne sind ohne Zweifel ernst zu nehmende Anwärter, sollte der Markgraf irgendwann abtreten. Eine Adoption sei nach dem Hausrecht der Wettiner gar nicht möglich, zudem sei die adlige Herkunft Alexanders zweifelhaft, argumentiert Rüdiger, der als Unternehmensberater sein Brot verdient.
Im November hat sich unter tatkräftiger Mitwirkung Rüdigers der Verein der Agnaten des Hauses Wettin gegründet. Die Agnaten - das sind die männlichen Blutsverwandten. Dem Agnatenverein sind, mit Ausnahme Maria Emanuels, alle männlichen Wettiner beigetreten, einschließlich Prinz Albert, dem Bruder des Markgrafen. Die Chancen für Maria Emanuel, Alexander nun noch als seinen Nachfolger durchzusetzen, stehen mithin nicht gut, auch wenn er zwischenzeitlich einen Gegenverein gegründet hat. "Sollte es irgendwann nötig werden, wird der Agnatenverein ganz demokratisch den Nachfolger wählen", sagt Rüdiger. "Wir werden dem Markgrafen schon zeigen, wo es langgeht."