Kälte im Frühjahr, Hochwasser im Juni, Hitze und Trockenheit im Juli: Wetterextreme machen den Bauern in Sachsen zu schaffen und lassen nur eine durchschnittliche Ernte erwarten. "Bei Wintergerste erwarten wir gegenüber normalen Jahren 20 Prozent weniger Ertrag", sagte Wolfgang Vogel, Präsident des sächsischen Landesbauernverbandes, am Mittwoch. Derzeit seien die Bauern mit der Gerstenernte beschäftigt, mancherorts sei diese bereits abgeschlossen. Die ersten Landwirte beginnen bereits mit dem Raps, in der nächsten Woche auch mit Weizen. "Ich gehe davon aus, dass Ende nächster Woche die Ernte auf Hochtouren läuft", sagte Vogel. Vor allem bei Mais rechnen die Bauern mit einem herben Einbruch. Grund ist die anhaltende Trockenheit. Die Verluste könnten bis zu 50 Prozent der Erträge eines normalen Jahres ausmachen. "An einen solchen Fall kann ich mich nicht erinnern. Wir hatten auch schon trockene Jahre, aber da sind wir wenigstens noch halbwegs gut aus dem Frühjahr herausgekommen", so Vogel. Erst sei der Mais wegen der Nässe und Kälte nur schlecht gewachsen. "Jetzt fehlt einfach das Wasser." Bei anderen Feldfrüchten erwartet der Verband eine durchschnittliche Ernte. Engpässe bei Futtermitteln hatten die Bauern schon unmittelbar nach dem Hochwasser im Juni befürchtet.

Nach Angaben des Bauernverbandes sind in Sachsen etwa 70 000 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche durch Überschwemmung geschädigt worden. Beim Ackerland beziffern die Landwirte den Schaden auf 54 Millionen Euro, bei Grünland 19 Millionen Euro.

Während zum Jahrhunderthochwasser 2002 die Ernte schon vorbei war, wurden in diesem Jahr viele Feldkulturen im Juni in ihrer letzten Wachstumsphase erwischt.