Bis Ende Oktober können sich Interessierte bei Führungen zeigen lassen, wie der Nationale Verteidigungsrat der DDR unter Erich Honecker im Kriegsfall in dem gigantischen Bollwerk ausharren und sich vor atomaren, chemischen oder biologischen Anschlägen schützen wollte. Danach werde der Eingang wie eine Zeitkapsel mit dickem Beton verschlossen, um den Bunker vor weiterem Vandalismus zu schützen, sagt Tenschert. Ständige Führungen oder ein Museum seien nicht finanzierbar, winkt die Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung als Eigentümer ab.
Dass der Bunker mit original erhaltener Technik jetzt besichtigt werden kann, ist letztendlich Abenteurern und Schrottdieben zu verdanken – sie waren in den bereits 1993 verschlossenen Bau immer wieder illegal eingedrungen. Deshalb sichert nun der Verein Berliner Bunker Netzwerk das Areal und bietet die Führungen an.
Ein schmaler Eingang führt in die „Ausweichführungsstelle“ mit langen, dunklen Gängen und schweren Stahltüren. Treppen mit Holzgeländer sind noch mit dunkelbraunem DDR-Linoleum belegt. Auf einer blauen Linie am Boden sollten mit Kampfstoffen verseuchte Mitarbeiter zur Entaktivierung in eine schmale Dusche gehen.
In der Zentrale stehen graue Schaltschränke mit einem Wirrwarr grüner, schwarzer, grauer und roter Bedienknöpfe. Maximal 14 Tage hätten hier 400 Leute – die Führungsspitze samt Mitarbeitern – überleben können. In dem schmalen Raum, in dem Honecker übernachten sollte, lehnt nur noch ein leerer Bilderrahmen an einer Wand mit schimmeliger Streifentapete. Auch das angrenzende Chef-Arbeitszimmer war in einen aufgehängten Stahlcontainer inte griert, der Erschütterungen von außen abfedern sollte.
Nur wenige Kilometer von Wandlitz entfernt, wo die DDR-Führung abgeschottet lebte, wurde der Bunker am 13. Dezember 1983 in Dienst gestellt. Der bis zu 24 Meter in der Erde liegende Bau (siehe zum Thema) war als großer Erdhügel getarnt, umgeben von einem Stasi-Städtchen, zu dem die Einwohner des brandenburgischen Dörfchens Prenden keinen Zugang hatten. Das 200 Hektar umfassende Objekt sei im Innenring mit einem Hochspannungs-Zaun gesichert worden, erinnert sich der frühere Oberfeldwebel bei der Stasi, Falko Schewe.
Er sei für die Wartung der Telefonanlage zuständig gewesen, die nur im Schutzanzug betreten werden durfte. Zwar sei die DDR-Führung nie komplett dagewesen, aber der Bunker sei rund um die Uhr für den Ernstfall einsatzbereit gewesen. Honecker soll aber nur kurz zur Eröffnung vorbeigeschaut haben, wird zumindest kolportiert.