„Wir müssen versuchen, mit Sabotageakten die Entwicklung Teherans zur Nuklearbombe durch gezielte Schläge von Agenten zu verhindern“, war von Vertretern von Geheimdiensten sowohl in Washington als auch in Berlin zu erfahren. Das sei „allerdings sehr schwer“.

In ihrem jüngsten Bericht hatte die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) detaillierte Hinweise auf ein militärisches Atomprogramm im Iran vorgelegt. US-Verteidigungsminister Leon Panetta hatte vor Kurzem darauf hingewiesen, dass die unterirdischen Atomanlagen Irans auch noch so schweren Luftangriffen standhalten könnten. Die Israelis hatten erklärt, notfalls auch im Alleingang gegen Iran vorzugehen. „Wenn wir es tun, lassen wir es unsere Verbündeten wissen“, war aus dem israelischen Auslandsgeheimdienst Mossad zu hören. Aber mittlerweile setze sich auch im Mossad die Ansicht durch, dass „nur etwas mit Sabotageakten zu erreichen ist“, hieß es.

Für nicht aus dem Iran stammende Agenten ist es nach Meinung westlicher Geheimdienstler „so gut wie unmöglich, sich in iranische Atomanlagen einzuschleusen“. Es müssten Mitglieder der iranischen Oppositionsbewegung und Mitarbeiter von Atomanlagen „geschickt und, wenn nötig, mit entsprechend hohen Geldsummen für Anschläge in Nukleareinrichtungen gewonnen werden“, sagte ein CIA-Mann. Wahrscheinlich könnten auch Oppositionelle und Gegner des Ayatollah-Regimes gezielt zur Sabotage ausgebildet werden, meinte der CIA-Mitarbeiter.

Sogar aus arabischen Nachbarländern des Iran, die eine Vorherrschaft Teherans durch die Atombombe fürchten, gebe es „Signale, Saboteure in die Anlagen einzuschleusen“. Besonders Saudi-Arabien, das den Iran fürchte, habe auf dem nachrichtendienstlichen Gebiet „entscheidend aufgerüstet“.

Wie zu erfahren war, soll der Mossad mit „Helfershelfern“ an der Explosion auf einer iranischen Militärbasis 40 Kilometer vor Teheran „mitgewirkt“ haben. Dabei soll am 12. November auch der Leiter des iranischen Raketenprogramms, General Hassan Moghaddam, getötet worden sein. Die Basis gilt als Testzentrum für Langstreckenraketen, die mit Festbrennstoff angetrieben werden.

Die Raketen mit Festbrennstoff, die Nuklearsprengköpfe tragen können, sind schneller einsatzfähig als die mit herkömmlichem Flüssigbrennstoff betriebenen Raketen. Die USA und besonders Israel sind wegen der Fortschritte des Irans in der Festbrennstofftechnologie sehr beunruhigt. Das iranische Raketenprogramm sei durch den gelungenen Anschlag „stark geschwächt worden“, hieß es aus Kreisen des Mossad. Mit der Sabotageaktion sei ein Coup gegen die Entwicklung Irans zur Atommacht gelungen.

Als ein „großes Missgeschick“ wurde es von CIA-Kreisen bezeichnet, dass Anfang Dezember eine Tarnkappen-Drohne vom Typ RQ-170 Sentinel mit brisantester Spionagetechnik über iranischem Gebiet verloren gegangen ist. Das sei eine Trophäe für die Mullahs gewesen. Der Verlust sei eine „Demütigung der Vereinigten Staaten“. Die Drohne sei wegen eines Computerfehlers außer Kontrolle geraten, berichtete ein CIA-Experte. Sie sei jedoch nicht von den Iranern, wie von Teheran behauptet, abgeschossen worden. Dazu seien sie gar nicht in der Lage, betonte der CIA-Mann .

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Zum ThemaDer Iran will eine Anfang Dezember abgefangene US-Drohne kopieren und künftig serienmäßig herstellen. „Wir stehen kurz davor, die Codes zu entschlüsseln“, sagte Parwis Soruri, Chef des parlamentarischen Unterausschusses für nationale Sicherheit, laut dem iranischen Staatsfernsehen am Montag. Soruri ging davon aus, dass der Iran durch die Entschlüsselung der Codes wertvolle Informationen über US-Spionagetechniken erhalten werde. Seinen Angaben zufolge benötigt Teheran für die Herstellung einer eigenen Drohne nicht die Unterstützung Chinas oder Russlands. Sein Land werde sich die neue Technik selbst zu eigen machen, sagte er. Soruri rechnete damit, dass die iranische Version der Drohne dem Original überlegen sein werde. US-Experten bezweifeln indes, dass der Iran über das notwendige Wissen verfügt, um die Geheimnisse der Drohne zu entschlüsseln.