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Werner Hoyer . . . bleibt Chef der Europäischen Investitionsbank

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Schon in den vergangenen Jahren wurde es zuweilen in der EU kritisch beäugt: An der Spitze von zwei milliardenschweren EU-Finanzinstitutionen standen zwei Deutsche. Klaus Regling war Chef des EU-Krisenfonds ESM, der dem maroden Griechenland mehr als 170 Milliarden Euro geliehen hat, Werner Hoyer war Chef der Europäischen Investitionsbank (EIB), der größten Förderbank der Welt.

Nun steht fest, dass sich an der Dominanz der Deutschen in den nächsten Jahren nichts ändern wird. Nach RUNDSCHAU-Informationen wird der Vertrag des 65-jährigen Hoyer um sechs Jahre verlängert. Der Vertrag von Regling ist vor wenigen Monaten verlängert worden.

Dem deutschen Publikum ist der Kölner Hoyer vor allem aus den 24 Jahren bekannt, in denen er für die FDP im Bundestag saß und schnell zu ihrem Experten für die Außenpolitik wurde. Der promovierte Volkswirt war zweimal Staatsminister im Auswärtigen Amt, einmal in der Kohl-Ära und dann noch einmal in der Kanzlerschaft von Angela Merkel. Neben seiner Arbeit im Bundestag musste er im NRW-Landesverband seiner Partei, wo mit einem Super-Ego ausgestattete Politiker wie Guido Westerwelle und Jürgen W. Möllemann ihre Strippen zogen, so manche Krise begleiten. Mit Westerwelle, der ihn in den 90er-Jahren als FDP-Generalsekretär abgelöst hatte, überwarf sich Hoyer dann über einen Nato-Einsatz in Libyen. Westerwelle war da Außenminister, Hoyer Staatsminister im Auswärtigen Amt.

Hoyer wechselte dann Anfang 2012 an die Spitze der EIB auf dem Luxemburger Kirchberg. Für den Volkswirt Hoyer ist der Sprung von der Politik in die Finanzwelt fachlich kein Problem gewesen. Persönlich dürfte er ihn als Befreiung empfunden haben. Endlich konnte er die von Intrigen gekennzeichnete und sich im Niedergang befindliche FDP-Parteipolitik hinter sich lassen und zu neuen Ufern aufbrechen. In der EU-Politik fühlte er sich da schon lange zu Hause. Kanzler Helmut Kohl hatte ihn seinerzeit zum Chefunterhändler für die Maastricht-II-Reformen gemacht. Von dem Netzwerk, das er damals geknüpft hat, profitiert Hoyer noch heute.

Bei seinem Wechsel nach Luxemburg fand er einen schlummernden Riesen vor. Die EIB, eine Förderbank im Besitz sämtlicher EU-Mitgliedstaaten, operierte weitgehend unbeachtet von der Öffentlichkeit. Hoyer änderte dies. Er holte die Bank ins Rampenlicht. Er wirbt damit, dass die Bank die Wirtschaft in der EU anschiebt, indem sie Kredite für Projekte gibt, denen sich Geschäftsbanken wegen des Risikos verweigern.

In seiner zweiten Amtszeit wird die größte Herausforderung für Hoyer sein, die Folgen des Brexit für die EIB zu managen.

Markus Grabitz