Zumal der Innenausstatter bereits im Westen ein zahlungskräftiges Klientel hat, dessen Yachten oder Firmensitze auszustatten sind. Auf diese Entwicklung hat das Unternehmen reagiert und ein neues Produktions- und Verwaltungsgebäude errichtet. Am 24. August wird es eröffnet.
"Von der Gestaltung der Innenräume über Technik wie Wasser und Strom bis zur Dekoration mit Lampen und Möbeln unterbreiten wir den Kunden komplette Angebote", sagt Geschäftsführer Fritz Straub. Hauptaugenmerk werde auf die ingenieurtechnische Betreuung des Innenausbaus und die Ausführung gelegt. Die Krise in der Bauwirtschaft lässt die Sachsen nicht kalt, doch sie konnten sich am Markt behaupten. Gepunktet werde mit handwerklicher Perfektion, verbunden mit ingenieurtechnischer Präzision, sagt Straub.
Nach der Wende sah es zunächst nicht rosig aus für das 1898 vom späteren Werkbundinitiator Karl Schmidt gegründete Unternehmen. Mit der Möbelherstellung war kein Geld mehr zu verdienen. Zu DDR-Zeiten dagegen waren die Schrankwände und Schlafzimmermöbel begehrt. Auch in den Westen wurde exportiert. Inzwischen ist die Schrankwand "MDW" (Montagemöbel Deutsche Werkstätten) von Anfang der 1960er-Jahre sogar ein Klassiker, für den Liebhaber-Preise gezahlt werden.
"Mit der Privatisierung 1992 haben wir uns auf die Fähigkeiten im Innenausbau besonnen", schildert Straub. Für den Pharmaexperten war die Möbelbau- und Innenausbaubranche damals absolutes Neuland. Eigentlich wollte er eine Firma seiner Branche im Osten von der Treuhand übernehmen.

Yachtenausbau ganz oben
Erste Erfahrungen mit dem Innenausbau von Yachten wurden gemacht. Inzwischen bauen die Hellerauer ein bis zwei Schiffe im Jahr mit einer Länge von 60 und 140 Meter aus. "Wir arbeiten im obersten Segment. Bringen absolute Unikate", sagt Straub. Die Eigner wollten ihren individuellen Stil verwirklicht sehen. "Und sie verlangen Schweigen über ihre Identität." Referenzlisten von Prominenten oder Gutbetuchten, für die gearbeitet wurde, gibt es deshalb nicht.
Perfektion und Diskretion waren auch die Eintrittskarte für die zahlungskräftige Gesellschaft in Russland. "Wir sind mit offenen Armen empfangen worden und werden regelrecht herumgereicht", berichtet Straub. Vor Ort sei bereits eine eigene Firma gegründet worden, um Aufträge schneller bearbeiten zu kommen.

15 Millionen Umsatz 2005
Der Jahresumsatz der rund 100 Mitarbeiter und 15 Lehrlinge lag 2005 Straubs Angaben zufolge bei 15 Millionen Euro. "Die Situation ist gut", sagt er optimistisch. Im Vorjahr sei ein Sprung von 20 Prozent gemacht worden. "Es gibt genug Leute, die den Preis zahlen können, den unsere Arbeit wert ist. Leider nicht in Deutschland." Hier werden meist Firmensitze oder Bauten wie das Dresdner Congresscenter oder der Landtag ausgestattet.
Das neue Produktionsgebäude in Hellerau entstand mit einer Investitionssumme von zehn Millionen Euro. Früher waren die Werkstätten ein reiner Handwerksbetrieb. In der Halle ist nun ausreichend Platz für Geräte zur Bearbeitung von Holz auf höchstem technologischem Niveau. Daneben werden ganz klassisch per Hand Möbel aus Holz mit wunderschönen Furnieren zusammengebaut. "Wir haben eine gute Kombination gefunden zwischen traditioneller Schreinerarbeit und dem Hightech-Wissen des Ingenieurs."