Es herrscht Totenstille und zwischen den frisch verlegten Pflastersteinen wächst das Unkraut schon kniehoch: Auf der Baustelle der "Blütentherme" in Werder/Havel (Potsdam-Mittelmark) rührt sich keine Hand. Das Gelände ist abgesperrt. Mit dem Traum von einem Bade- und Wellnesstempel ist die kleine Havelstadt unsanft auf dem Boden der Realität gelandet - und um einige Millionen Euro ärmer. Ein funkelnagelneues Straßenschild "Zur Blütentherme" wirkt in Werder fast wie ein Witz: Von außen sieht das Bad fast fertig aus, im Inneren kann davon jedoch keine Rede sein.

Bis Jahresende sollen die Unterschriften unter einem Vertrag stehen, mit dem sich die Stadt nun für ein Ende mit Schrecken entscheidet. "Wir trennen uns dann von dem Investor und nehmen das Projekt in die eigenen Hände", sagt Bürgermeisterin Manuela Saß (CDU). Wie es genau weitergeht, steht noch nicht fest. "Auf jeden Fall wird ein neuer Partner gesucht", sagt die Bürgermeisterin. Ob der die Therme nicht nur bauen, sondern auch betreiben soll, sei noch unklar. Das letzte Wort werden die Stadtverordneten haben.

Was ist passiert? 2010 entschieden sich die Stadtverordneten für den Bau einer Therme. Sie sollte ein Anziehungspunkt für Touristen werden, aber auch dem Schul- und Vereinssport zur Verfügung stehen. Nach europaweiter Ausschreibung ging der Auftrag an die Kristall Bäder AG aus Bayern. Das Unternehmen betreibt bundesweit Bäder, in Brandenburg unter anderem in Ludwigsfelde und in Bad Wilsnack.

Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen gibt es in Brandenburg bereits etwa ein gutes Dutzend Thermen, beispielsweise auch in Neuruppin, Templin und Bad Saarow. Dennoch wollte Werder auch eine solche Therme haben und dafür 18 Millionen Euro aus dem Stadtsäckel investieren. Auf der hohen Kante lagen bereits neun Millionen Euro, der Rest sollte über Kredite finanziert werden.

Es lief dann aber einiges schief, unter anderem wurde über steigende Kosten gestritten. "Unter fadenscheinigen Gründen forderte der Investor immer mehr Geld", berichtet der SPD-Stadtverordnete Robert Dambon. "Dazu waren die Stadtverordneten nicht bereit." Der Investor beantwortete die ausbleibenden Zahlungen mit einem Baustopp Ende vergangenen Jahres. Schließlich verklagte man sich gegenseitig.

Die Kristall Bäder AG wollte sich jetzt auf Anfrage nicht mehr zu den Streitigkeiten äußern. Beide Seiten hätten Stillschweigen vereinbart, hieß es am Firmensitz im fränkischen Stein. Denn bei einem Gütetermin vor dem Potsdamer Landgericht hatte der Richter eine friedliche Einigung empfohlen. Am Ende entschieden sich beide Seiten für die Auflösung des Vertrages.

Nach Rechnung Dambons gab es bislang sieben geplante Eröffnungstermine für die Therme. Der Kommunalpolitiker gibt sich nun optimistisch: "Möglicherweise ist das Bad 2018 offen." Bürgermeisterin Saß sieht den Termin sportlich. Zunächst setzt sie darauf, dass ab nächstem Sommer auf der Baustelle weitergearbeitet wird.

"Zuerst wird aber Inventur gemacht: Was ist fertig, wo muss umgeplant werden?", sagt sie. Die Stadtchefin weiß auch schon, dass die Kommune noch einmal zehn Millionen Euro drauflegen muss.

Einstweilen geht es für Werders Schulkinder zum Schwimm-unterricht noch mit dem Bus zur etwa zehn Kilometer entfernten Bundeswehrkaserne in Geltow. Womöglich werden sie in etwa einem Jahr ihre Bahnen auch in der neuentstehenden Schwimmhalle am Potsdamer Brauhausberg ziehen können. Nach der Grundsteinlegung im Dezember vergangenen Jahres soll die Halle Ende 2016 fertig sein - wenn nichts schiefgeht. Die Baukosten waren auf 36 Millionen Euro veranschlagt.