Am vergangenen Wochenende wurden in Cunnewitz (Landkreis Bautzen), im Territorium des Rosenthaler Rudels, sieben Schafe getötet und ein Schaf verletzt. Kein Einzelfall. Schon Anfang Oktober hatte der betroffene Züchter bei zwei Wolfsübergriffen insgesamt 32 Schafe verloren, wie das Wolfsbüro Lupus in Rietschen bestätigt. In Ralbitz, wo das Rudel ebenfalls unterwegs ist, wurden in den vergangenen Tagen weitere Schafe gerissen.

Im Bereich des Rosenthaler Wolfsrudels wurden im Jahr 2016 damit laut Wolfsbüro bislang elf Übergriffe gemeldet. Pikant: In acht dieser Fälle überwanden die Wölfe Festkoppeln, die bisher immer als sicherer Schutz durch die Experten angepriesen wurden. Als Mindestschutz hatte das Wolfsbüro noch Ende September "stromführende Zäune von mindestens 90 Zentimetern Höhe" oder "feste Koppeln mit mindestens 120 Zentimetern Höhe" genannt. Die Koppeln in Cunnewitz waren 1,40 Meter und teilweise gar 1,50 Meter hoch.

"Elektrozäune, die mit Flatterband überspannt waren, wurden bisher nicht überwunden", erklärt das Wolfsbüro nun. "Um weiteren Nutztierschäden im Raum Rosenthal vorzubeugen, werden Schaf- und Ziegenhalter im Bereich des Rosenthaler Wolfsrudels, wie auch im letzten Jahr, dazu aufgerufen, ein Flatterband cirka 20 bis 30 Zentimeter über ihren Elektrozaun zu spannen", heißt es in einer Erklärung des Wolfsbüros weiter. Dieses könne kostenfrei bei der Biosphärenreservatsverwaltung ausgeliehen werden. Das sächsische Umweltministerium sieht derzeit keine Handlungsmöglichkeiten und verweist darauf, dass noch nicht alle Schutzmöglichkeiten - wie etwa Flatterbänder - ausgeschöpft seien.

Bereits im vergangenen Jahr war das Rosenthaler Rudel mit zahlreichen Übergriffen auf Schafe aufgefallen. "Die Schäden konzentrieren sich auf dieses Rudel", bestätigte Jana Endel vom Kontaktbüro "Wolfsregion Lausitz" damals. Insgesamt hat die Zahl der geschädigten Nutztiere mit 100 in Sachsen im vergangenen Jahr einen Höchststand erreicht. In diesem Jahr waren es in Sachsen bis Ende September bereits 135. Gemessen an der Zahl der Wolfsrudel sind die Zahlen allerdings rückläufig.

Landwirte sind deshalb alarmiert. Der Bauernbund Brandenburg hat für Donnerstag zu einem Pressesgespräch eingeladen. "Die Zahl der Schafs- und Kälberrisse durch Wölfe in Brandenburg ist 2016 dramatisch gestiegen. Herdenschutz und Entschädigung funktionieren nicht", sagt Geschäftsführer Reinhard Jung. Der Landesbauernverband lädt in der kommenden Woche zum Stallgespräch über die Wölfe. "Es ist Herbst und die Wölfe sind unterwegs. Weil die Wolfseltern ihren im Frühjahr geborenen Jungen derzeit das Jagen beibringen, haben die Halter wegen der steigenden Anzahl von Übergriffen zunehmend Angst um ihre Tiere", so Pressesprecher Sebastian Scholze.

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