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"Werden einsetzen, was immer notwendig ist"

Mit Großmanövern wie hier im vergangenen Jahr wollen sich die USA und ihre Nato-Partner in Osteuropa auf mögliche Gefahren vorbereiten. Im Juli startet die nächste Übung – mit 25 000 Soldaten.
Mit Großmanövern wie hier im vergangenen Jahr wollen sich die USA und ihre Nato-Partner in Osteuropa auf mögliche Gefahren vorbereiten. Im Juli startet die nächste Übung – mit 25 000 Soldaten. FOTO: dpa
Cottbus. Seit Januar zeigen die USA mit ihren Truppen erhöhte Präsenz in Osteuropa. Das soll den Partnern in der Nato Sicherheit vermitteln. Aber was machen die Soldaten eigentlich konkret? Bodo Baumert

"Atlantic Resolve" (Atlantische Entschlossenheit) heißt die Operation, mit der die USA seit 2015 versuchen, ihren Nato-Partner in Osteuropa ein Gefühl von Sicherheit zu vermitteln. Seit dem Nato-Gipfel von Warschau im vergangenen Jahr haben die Bemühungen deutlich zugenommen. "Die vorgerückte Präsenz der US-Truppen in Osteuropa erhöht die Fähigkeit der Nato, auf jede Art von Krise ist Europa zu reagieren", erklärt Brent M. Williams, Presseoffizier der Operation "Atlantic Resolve".

Kernstück der Operation ist eine Panzerbrigade mit rund 4000 Soldaten und ihren schweren Waffen, die seit Jahresbeginn in Polen und anderen Nato-Staaten in Osteuropa stationiert ist. Im Januar dieses Jahres, als die Panzer durch die Lausitz nach Polen verlegt wurden, war der Aufschrei bei Kritikern groß. "Es hilft uns auf Dauer nicht weiter, wenn Panzer auf beiden Seiten der Grenzen auf- und abfahren", beklagte etwa Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD).

Seitdem ist es ruhiger um die Panzer geworden, zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung. Für die Soldaten hingegen bedeutet der Einsatz reichlich Arbeit. "Die eingesetzten Truppen bewegen sich kontinuierlich in Europa, um an Übungen mit unseren Partnern teilzunehmen", so Presseoffizier Brent M. Williams.

Dabei bewegen sich die Einheiten mit ihrem schweren Kriegsgerät durch das weitere Operationsgebiet vom Baltikum im Norden bis zur Schwarzmeerküste im Süden. Auch die beiden deutschen Truppenübungsplätze im oberpfälzischen Grafenwöhr und Hohenfels gehören zum Übungsgebiet. Dort findet gerade ein gemeinsamen Manöver mit zehn Partnerländern der USA statt. Rund 1500 US-Soldaten nehmen daran teil. Ein anderer Teil der Panzerbrigade trainiert derzeit zusammen mit estnischen Truppen den gemeinsamen Einsatz.

Im Juli folgt mit "Saber Guardian 17" das größte geplante Manöver mit 25 000 Teilnehmern aus 23 Nato-Staaten. Ungarn, Rumänien und Bulgarien dienen als Schauplatz für die Großübung. Die Zielrichtung solcher Übungen geht nach Osten. Russlands Nachbarländer, vor allem das Baltikum aber auch andere Nato-Länder wie Bulgarien oder Rumänien, fürchten Expansionsgelüste ihres großen Nachbarn. Vor allem die Krise in der Ukraine, die Krim-Annektion und russische Interventionen in Georgien haben die Sorgen wachsen lassen. Beim Warschauer Nato-Gipfel im vergangenen Sommer machten die neuen Bündnismitglieder deshalb Druck. Amerika und die westeuropäischen Nato-Staaten versprachen Hilfe, auch wenn diese - wie das deutsche Kontingent in Litauen - eher symbolisch ausfällt.

Die USA nehmen das Anliegen deutlich ernster. Erstmals wurde in diesem Jahr wieder eine komplette Panzer-Brigade nach Europa verlegt. Hinzu kommen Logistiker und Ingenieure, insgesamt noch einmal rund 1000 Mann, die Trainingseinrichtungen und Infrastruktur in Osteuropa aufrüsten.

In Polen, wo die ihre Einheiten im Januar zunächst aufmarschierten, befinden sich nach Auskunft von Presseoffizier Brent M. Williams derzeit noch rund 500 Soldaten, unter anderem in Zagan. "Diese Zahl nimmt ständig ab oder zu, wenn uns Truppen von einer Übung zur nächsten wechseln", so Williams.

Geführt werden die Einheiten der Amerikaner seit Kurzem aus einem neuen Hauptquartier im polnischen Poznan. Das wurde Anfang Mai errichtet und löst die bisherige Führung aus dem deutschen Baumholder ab. "Diese Verlegung stärkt unsere Allianz und erlaubt es uns, auf jede Bedrohung oder Krise reagieren zu können", so Army-Sprecher Williams.

Wer dachte, die US-Panzer für Osteuropa wären nur ein letztes Zucken des scheidenden US-Präsidenten Obama, das dessen Nachfolger und vermeintliche Russland-Freund Trump rasch beenden würde, sieht sich nun eines Besseren belehrt. US-Verteidigungsminister James Mattis hat den baltischen Staaten erst vor wenigen Tagen bei einem Besuch in Litauen die Solidarität der Nato und den militärischen Beistand der USA zugesichert. "Wir werden einsetzen, was auch immer an Mitteln hier notwendig ist", kündigte Mattis an. Der Pentagon-Chef betonte, dass sämtliche Maßnahmen der Nato in Osteuropa defensiver Natur seien. Fragen nach einer möglichen Stationierung von Patriot-Raketen wich er aus.

Die Trump-Administration hat zudem in ihrem Haushaltsentwurf, der in den vergangenen Tagen in den Washingtoner Kongress eingebracht wurde, eine deutliche Erhöhung der Militärausgaben für Europa eingeplant. "Die Nato der Zukunft muss sich sehr stark auf Terrorismus und auf Zuwanderung konzentrieren, sowie auf die Bedrohung durch Russland an den Ost- und Südgrenzen der Nato", machte Donald Trump beim Nato-Gipfel in Brüssel vor wenigen Tagen deutlich.

Anfang Mai verkündete das Pentagon zudem, welche Einheiten als "zweite Welle" nach Osteuropa verlegt werden. Das größte Kontingent stellt die dritte gepanzerte Brigade der vierten Infanterie-Division, die sogenannte Dagger Brigade (Dolch-Brigade), die im Herbst nach die derzeitige Brigade in Osteuropa ablösen soll "Die Dagger Brigade freut sich auf ihren Einsatz in Europa", erklärt Kommandant Colonel David Gardner.

Die neuen Einheiten sind kampferprobt, waren unter anderem im Irak und in Afrika. Mit der ersten vollständigen Rotation der US-Truppen in Osteuropa sei die Basis für eine verstärkte Präsenz gelegt, so Army-Sprecher Williams.

Zum Thema:
Der kleine Balkanstaat Montenegro ist am Montag offiziell als 29. Mitglied in die Nato aufgenommen worden. Ministerpräsident Dusko Markovic hinterlegte dazu die Beitrittsurkunde bei der US-Regierung, die nach dem Nordatlantikvertrag für die Aufbewahrung zuständig ist. Die Nato hatte Montenegros Aufnahme im Mai 2016 formal beschlossen, was in Russland auf heftigen Protest stieß. Moskau hat lange Zeit versucht, den Nato-Beitritt Montenegros zu verhindern. Montenegros Armee umfasst gerade einmal rund 2000 Soldaten. Allerdings sind die Adriahäfen des Landes militärisch von Bedeutung.