Die Zeiten, in denen Unternehmen aus einer schier endlosen Bewerberflut ihre nächsten Lehrlinge aussuchen konnten, sind vorbei. Auch in diesem Jahr rechnen die Agenturen für Arbeit in Cottbus und Bautzen damit, dass jeweils Hunderte Jobs unbesetzt bleiben werden. "Besonders kleine und mittlere Unternehmen haben zunehmend Schwierigkeiten, Bewerber und Auszubildende zu finden", berichtet auch Janine Mahler von der Industrie- und Handelskammer Cottbus. Gut drei Wochen vor dem Start ins neue Ausbildungsjahr verzeichnet sie für Südbrandenburg noch 568 offene Lehrstellen. Alleine in Spree-Neiße sind noch 109 Plätze frei, im Landkreis Oberspreewald-Lausitz noch 125 und in Dahme-Spreewald sogar 191. "Insbesondere bei den Berufen im Hotel- und Gaststättengewerbe und bei den Berufskraftfahrern sieht die Lage schlecht aus", sagt die Expertin.

Nachwuchssorgen im Handwerk

Auch das Handwerk klagt über Nachwuchssorgen. 270 Lehrstellen warten im Kammerbezirk Cottbus aktuell noch auf einen passenden Bewerber. "Am beliebtesten ist bei den Jugendlichen noch immer der Kfz-Mechatroniker", sagt Frank-Holger Jäger von der Handwerkskammer Cottbus. "Jungs schrauben eben gerne an Autos herum." Probleme sieht er hingegen besonders im Baugewerbe. Ob Dachdecker, Zimmermann oder Fliesenleger - hier wird händeringend Nachwuchs gesucht. "40 freie Stellen habe ich noch über alle Bereiche der Baubranche hinweg", so der Ausbildungsexperte. "Dabei werden diese Ausbildungen sogar hoch vergütet."

Extra-Anreiz für Azubis

Ein Grund für die Krise auf dem Ausbildungsmarkt sind die demografischen Entwicklungen: Weniger Jugendliche bedeuten auch weniger Nachwuchskräfte. "Außerdem wollen gut 50 Prozent der Abiturienten lieber studieren oder orientieren sich in Richtung Großstadt", erklärt Janine Mahler von der Industrie- und Handelskammer Cottbus.

Um diesem Azubi-Mangel entgegenzutreten, locken Betriebe in der Lausitz Lehrlinge mit Extras. Ob kostenloser IT-Kurs, Training im hauseigenen Fitnessstudio und Auslandsaufenthalte - die Ideen sind vielfältig. Auch die Handwerkskammer Cottbus bestätigt: Immer mehr Betriebe führen solche Anreize ein. So bietet etwa die Spreewald Therme in Burg (Spree-Neiße) Azubis Tankgutscheine an. Damit solle ein Anreiz gesetzt werden, dass junge Leute ihre Ausbildung in der ländlichen Region machen.

Bei der Firma Schelchen in Königs Wusterhausen (Dahme-Spreewald), die Schuheinlagen und Schuhpflege herstellt, können Azubis wiederum auf freiwilliger Basis Workshops zum Ausbildungsstart belegen. Dort lernen sie etwas zur Konflikt- und Teamfähigkeit, wie Personalleiterin Sabine Timm sagt. Die Nachfrage sei groß.

Junge Ausländer schulen

Weiterhin könne der Trend auf dem Ausbildungsmarkt aus Sicht der Arbeitsagenturen durch gezielte Zuwanderung und das Potenzial durch Flüchtlinge abgemildert werden. Ansonsten könnten in zehn Jahren mehrere Hunderttausend Arbeitskräfte in den Betrieben fehlen, schätzen die Experten. Es müssten alle Potenziale ausgenutzt werden, um die Lücke abzumildern.

In der Cottbuser Agentur seien für Hunderte Flüchtlinge schon Sprachkurse organisiert worden, um ihnen bessere Chancen auf dem Ausbildungsmarkt zu eröffnen. Und auch im Freistaat wird vermehrt um ausländische Azubis geworben. Dafür schauen die Unternehmen zudem gezielt nach Pflegekräfte-Azubis in Vietnam oder werben um junge Spanier, die auf der Suche nach einer Perspektive sind.

Bewerber erfüllen nicht Kriterien

Obwohl immer mehr Lehrstellen frei bleiben, gibt es auch Bewerber, die keinen Platz finden. So klagt der Branchenverband Maschinenbau im Osten über Nachwuchssorgen. Vier von fünf Unternehmen begründen die Schwierigkeiten mit sinkenden Bewerberzahlen, aber weiterhin klagen 80 Prozent der Betriebe laut einer Umfrage über die mangelhafte Qualität der Schulabgänger.

Viele der jungen Bewerber bringen demnach nicht die nötige Ausbildungsreife mit. Ihnen fehle Grundwissen und sie seien nicht ausreichend auf die betriebliche Praxis vorbereitet. Deshalb fordern die Unternehmen von den Schulen, gezielt Grundkenntnisse in Naturwissenschaften und Sprachen sowie Grundtugenden wie Leistungsbereitschaft zu vermitteln.

Ausbildungsplatz last minute

Obwohl der Ausbildungsstart bereits am 3. September ist, können sich Jugendliche noch immer bewerben. "Grundsätzlich sind Bewerbungen noch bis Ende September/Anfang Oktober möglich", sagt Frank-Holger Jäger von der Handwerkskammer Cottbus. "Bis dahin sollte dann aber auch wirklich der Letzte ausgeschlafen haben." Die Berufsberater der Arbeitsagenturen helfen dabei auch noch kurzfristig.

"Jeden Dienstag findet in Cottbus das Projekt ‚Passgenaue Besetzung' statt", sagt der Ausbildungsexperte. Zwischen 14 und 18 Uhr können Jugendliche dann bei Frank-Holger Jäger mit ihrer Bewerbungsmappe vorbeischauen.

"Um die Jugendlichen in der Region zu halten, müssen wir auch mit Angeboten aufwarten", sagt Frank-Holger Jäger.

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Zum Thema:
16. August und 23. August: "Passgenaue Besetzung", Agentur für Arbeit Cottbus.29. August bis 2. September: Woche der Ausbildung "last minute" mit Vermittlung in Bad Liebenwerda, Herzberg, Finsterwalde und Königs Wusterhausen.1. September: "Ausbildung starten!" Passgenaue Ausbildungsvermittlung, Agentur für Arbeit Senftenberg.5. September OSZ I und 8. September OSZ II in Cottbus: "Endspurt Vermittlungsaktion".Weitere Infos und interessante Fakten rund um die Ausbildung unter www.planbar-magazin.d e