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Wer vertritt die Lausitz im neuen Bundestag?

Blick in den Plenarsaal, aufgenommen am 26.09.2017 im Bundestag in Berlin.
Blick in den Plenarsaal, aufgenommen am 26.09.2017 im Bundestag in Berlin. FOTO: Michael Kappeler (dpa)
Cottbus/Berlin.. Die Zahl der Lausitzer im Bundestag ist von neun auf zehn gestiegen. Doch welchen Einfluss haben die Abgeordneten auf eine neue Regierung? Wer ist unsere Lobby bei der Kanzlerin? bob

Kommt es zur schwarz-gelb-grünen Jamaika-Koalition als künftige Bundesregierung, dann wir die Lausitz gute Fürsprecher in Berlin brauchen. Denn an Themen wie Kohle-Ausstieg, Klimawandel und Strukturhilfen wird sich eine künftige Regierung kaum noch vorbeidrücken können. Wie viel dabei für die Lausitz abfällt, wird sich bei den Verhandlungen in Berlin entscheiden. Dafür braucht es Fürsprecher. Zehn Abgeordnete haben die Chance, ein solcher zu sein.

Michael Stübgen (57): Er hat den Wahlkreis 65 für die CDU gewonnen, wieder einmal. Seit 1990 sitzt er im Bundestag, war bisher europapolitischer Sprecher und als solcher vor allem in der Europapolitik involviert. Hat er auch bei Energie- und Wirtschaftspolitik das Ohr der Kanzlerin? "Mit dem Gewinn von neun von zehn Direktmandaten in Brandenburg sind wir als CDU gut aufgestellt, um uns auch in der kommenden Legislaturperiode nachhaltig in den für Brandenburg wichtigen Politikbereichen wie Energie, Infrastruktur, Landwirtschaft und ländliche Entwicklung, Gesundheit sowie die Zukunft der Europäischen Union zu engagieren", sagt er.

Jana Schimke (38): Die CDU-Kandidatin zieht zum zweiten Mal in Folge als Direktkandidatin des Spreewalds in den Bundestag ein. Bisher hat sie im Ausschuss für Arbeit und Soziales sowie im Bildungsbereich gearbeitet. "Ein starker Rechtsstaat und die Sicherheit" zählt sie als ihre wichtigsten Ziele im Bundestag auf.

Klaus-Peter Schulze (63): Der Döberner hat den Kohle-Wahlkreis 64 für die CDU gehalten, wenn auch nur knapp vor der AfD. Bisher saß er für die CDU im Umwelt- und im Tourismus-Ausschuss des Bundestages. Kormoran, Wolf und Strukturwandel nennt er als wichtige Themen für die neue Legislaturperiode. Beim Thema Kohle-Ausstieg bedauert Schulze, dass die SPD in die Opposition gehen will und sein Görllitzer Parteikollege Kretschmar nicht wiedergewählt wurde. "Damit wird es für uns Lausitzer Abgeordnete mit Michael Stübgen und Jana Schimke künftig schwieriger, den Lausitzer Standpunkt in Berlin zu artikulieren", so Schulze.

Martin Neumann (61): Der FDP-Politiker ist nach vier Jahren Auszeit zurück im Bundestag. Als Bildungs- und Wissenschaftspolitiker will er nun vor allem die "bildungspolitische Kleinstaaterei beenden".

Torsten Herbst (44): Der FDP-Kandidat aus dem Wahlkreis Bautzen ist ein Neuling im Bundestag. Bisher kann er eine Amtszeit im sächsischen Landtag vorweisen, ist zudem Generalsekretär seiner Partei in Sachsen. Eine "Investitionsoffensive für bessere Bildung, flächendeckendes schnelles Internet" nennt er als sein vordringliches Ziel.

Fünf weitere Lausitzer haben es in den Bundestag geschafft, werden aber - wie es bisher aussieht - auf der Oppositionsbank Platz nehmen müssen:

Ulrich Freese (66): Der Spremberger zählt als Gewerkschafter der IGBCE und SPD-Politiker zu den bekannten Kohle-Lobbyisten der Lausitz. Bisher saß er für die Große Koalition unter anderem im Wirtschafts- und Haushaltsausschuss. Nach dem schlechten Abschneiden der SPD schwindet sein Einfluss auf die Regierung. "Die Lausitz braucht keine permanente Kohleausstiegsdiskussion, sie braucht kein Kirchturmdenken, sondern über Landesgrenzen hinweg eine starke Stimme für die Lausitz", erklärte Freese vor der Wahl.

Thomas Jurk (55): Der ehemalige Wirtschaftsminister und Stellvertreter des Ministerpräsidenten in Sachsen hat den Wiedereinzug in den Bundestag über die Landesliste geschafft. Seine Aufgabe sieht er wieder im Haushaltsausschuss, diesmal allerdings aller Wahrscheinlichkeit nach als Oppositionspolitiker. "Die Energiewirtschaft ist die traditionelle Basis der Lausitz. Dennoch gilt es, den Strukturwandel weiter aktiv zu begleiten", sagt Jurk.

Caren Lay (44): Sie sitzt seit 2009 für die sächsische Linke im Bundestag, ist Sprecherin ihrer Partei für Mieten-, Bau- und Wohnungspolitik. "Wir werden die sozialen Themen wieder stärker in den Vordergrund rücken und ein Zukunftskonzept für die Lausitz erarbeiten. Wir kämpfen weiter für eine solidarische Gesellschaft und gegen soziale Spaltung", kündigte sie nach ihrer Wiederwahl an.

Karsten Hilse (52): Der Polizist aus Hoyerswerda hat den Wahlkreis Bautzen I für die AfD gewonnen. Der Neuling im Bundestag will sich dafür einsetzen, dass an allen Grenzübergängen wieder lückenlose Kontrollen stattfinden. Wegen der inneren Sicherheit und der Grenzkriminalität sei das notwendig.

Tino Chrupalla (42): Der Malermeister ist neu in der Politik, hat aber für die AfD den Wahlkreis Görlitz gewonnen. "Ich setzte mich ein für eine massive Senkung der Steuer- und Abgabenlast für Unternehmen ein", kündigte er vor der Wahl an.