Sechs einfache Soldaten und Soldatinnen sind bereits desertiert. Sie werden nun wie die Fahnenflüchtigen des vorigen Golfkrieges von Friedensaktivisten versteckt.
Doch anders als die mehr als hundert Deserteure von 1991 könnten die Sechs transatlantischen Zündstoff liefern. Denn falls der kommende Krieg nicht vom UN-Sicherheitsrat gedeckt ist, handelt es sich nach Ansicht zahlreicher Juristen um einen völkerrechtswidrigen Angriff. US-Deserteure könnten dann in Deutschland politisches Asyl beantragen, meint der renommierte Frankfurter Asylanwalt Reinhard Marx. Bevor kriegsunwillige GIs verweigern, sollten sie sich indes genau überlegen, was sie tun, "und im Zweifelsfall sofort abhauen", sagt Dave Carson aus eigener Erfahrung.
Der ehemalige US-Soldat einer in Deutschland stationierten Panzerdivision hatte unmittelbar vor Beginn des vorigen Golfkrieges zwar den Kriegsdienst verweigert. "Doch das wurde von meinen Vorgesetzten einfach ignoriert. Ich wurde von einem Unteroffizier zusammengeschlagen und blutüberströmt in ein Flugzeug nach Saudi Arabien geschafft." Dort konnte Carson telefonisch seine deutsche Freundin verständigen, die wiederum Friedensorganisationen und die Medien über den Fall informierte. Letztlich musste der Sanitäter seine Einheit durch den ganzen Krieg hindurch begleiten. Heute engagiert sich Carson in der von hiesigen Organisationen gegründeten Beratungsstelle für US-Kriegsdienstverweigerer, dem so genannten Military Counseling Network (MCN). Zu den Trägern zählt die "Connection e.V." in Frankfurt am Main, die Verweigerer und Deserteure aus Jugoslawien, der Türkei, Russland, Israel und auch aus den USA unterstützt. Ihr Mitglied Rudi Friedrich bestätigt Carsons Erfahrungen: "US-Soldaten dürfen den Kriegsdienst zwar verweigern, doch im Kriegsfall wird dieses Recht faktisch außer Kraft gesetzt."
Friedrich und die Organisation raten Kriegsunwilligen deshalb auch, zunächst zu prüfen, ob nicht familiäre Notsituationen in der Heimat oder psychische oder gesundheitliche Gründe für eine vorzeitige Entlassung aus der Army sprechen. Und sie verweisen darauf, welch ernste Konsequenzen Fahnenflucht haben kann. Nach dem Krieg von 1991 seien einige der Deserteure von US-Gerichten zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Keinem der Fahnenflüchtigen sei es damals gelungen, seinen Aufenthalt in Deutschland zu legalisieren. Das könnte heute glimpflicher ausgehen, sagt der Asylexperte Marx. Er verweist auf den Richtlinienentwurf des Europarates über "Mindestnormen" für die Anerkennung von Flüchtlingen. In der Bundesrats-Drucksache 1017/01 heißt es dazu, dass im Kriegsfall die Bestrafung eines Verweigerers oder Deserteurs eine Verfolgung darstellen kann, wenn er den Kriegsdienst etwa aus & bdquo;politischer Überzeugung strikt ablehnt". Weiter heißt es, solche Gewissensgründe ließen sich leichter nachweisen, "wenn die militärischen Aktionen, an denen sich der Betreffende beteiligen soll, von der Völkergemeinschaft verurteilt worden sind".