In Brandenburg und Sachsen feiern alte Kfz-Kennzeichen weiter Renaissance. Gut drei Jahre, nachdem die Verkehrsminister der Länder diese Möglichkeit schufen, erinnern sich die Lausitzer tausendfach zurück. Nach RUNDSCHAU-Recherchen wird in den Landkreisen Südbrandenburgs und Ostsachsens ein ungebrochener Trend zu den Alt-Kennzeichen bestätigt.

Dass im Landkreis Bautzen im November 2012 immerhin 14 234-mal das HY für Hoyerswerda gewünscht war und sich dieser Kennzeichenbestand in den drei Folgejahren - trotz demografischer Entwicklung - auf 17 818 erhöhte, unterstützt den Trend. Elbe-Elster-Ordnungsdezernent Dirk Gebhard sieht hingegen die große Nachfrage abebben. "Aber die alten Nummernschilder sind auch bei uns weiterhin gewünscht." Das LIB für Bad Liebenwerda (1610-mal) und das FI für Finsterwalde (3894) waren die möglichen Alt-Varianten. Das ehemalige HZ für Herzberg war im Zuge der Kreisgebietsreform in Sachsen-Anhalt an den Harz-Kreis vergeben worden.

Votum für und nicht gegen

Für den in Finsterwalde lebenden Rainer Genilke ist die Entscheidung für ein Wunschkennzeichen FI "kein Votum gegen Elbe-Elster". Heimatliebe habe viele Facetten. Den Stolz auf die Sängerstadt Finsterwalde auf diese Art auszudrücken, zeuge von hoher Verbundenheit. Der CDU-Landtagsabgeordnete selbst fährt mit dem EE für den Landkreis. "Manchmal", erklärt sich Genilke den Run auf die Alt-Kennzeichen, "wollen die Leute auch einfach das haben, was es nicht mehr gibt."

In der Lausitz sind mit den Kreisgebietsreformen in Brandenburg und Sachsen Mitte der 1990er-Jahre die Nummernschilder LIB, FI, HZ, LN, LC, CA, WSW, NY, HY, SFB, GUB, FOR und SPB zum Auslaufmodell erklärt worden. Standard wurden bei Um- und Neuanmeldungen die neuen Landkreis-Kürzel.

Heute sind bis auf HZ alle Altkennzeichen wieder vergeben. Und weil Sachsen unterdessen die Reform der Reform hinter sich hat, ist dort das NOL-Kennzeichen für den Niederschlesischen Oberlausitzkreis (heute Kreis Görlitz) zu einem Renner geworden. 23 851 Fahrzeuge sind damit zugelassen.

Ohnehin ist diese Region in Ostsachsen ein Eldorado für Kennzeichen-Fans, dem die Boxberger eine besondere Note gaben. Als zweite Buchstaben-Kombination hinter den hier gängigen WSW (Weißwasser), NY (Niesky), KM (Kamenz), GR (Görlitz), HY (Hoyerswerda) und NOL haben sich immer mehr Boxberger für das BX entschieden. "Ich habe mit diesem Schilder-Mix kein Problem", sagt Bürgermeister Achim Junker (CDU). "Mit dem BX die Verbundenheit zu unserer Kommune nach außen zu zeigen - besser geht es doch nicht." Junker hat sich übrigens für NY-BX entschieden. "New York und Boxberg, das hat doch etwas."

Ich habe sofort gewechselt

Während in Sachsen alle Landkreise die Rückkehr zu Alt-Kennzeichen akzeptieren, sind in Brandenburg Prignitz, Oberhavel, Potsdam-Mittelmark, Teltow-Fläming und Oder-Spree nicht mit dabei. Der Landkreis Dahme-Spreewald hat sich erst im Juli des Vorjahres dazu durchgerungen, KW, LN und LC wieder zuzulassen. "Ich hatte bis dahin ein LDS-Nummernschild. Aber als Luckau wieder möglich wurde, habe ich sofort gewechselt." Auf einem Cottbuser Parkplatz auf ihr LC angesprochen, sagt Anja Bettschneider, "dass Luckau meine Stadt ist, das will ich auch nach außen zeigen".

Sylvia Bundesmann mit ihrem SPB für Spremberg im Spree-Neiße-Kreis fühlt ebenso: "Die Stadt hat sich so toll entwickelt. Ich arbeite in Sachsen und mache dort gern aufmerksam auf Spremberg - die Perle der Lausitz."

Den Stolz auf seine Heimatstadt im Kfz-Kennzeichen ausdrücken zu dürfen, darauf hat Dieter Luftmann hingegen drei Jahre warten müssen. Dem Rathenower war es wie allen Bürgern im Havelland verwehrt, alte Nummernschilder zu beantragen. Doch was bundesweit seit 2012 per Gesetz geregelt ist, das sollte auch der Kreistag im Havelland akzeptieren. Luftmann sammelte Unterschriften und ließ dem Landrat keine Ruhe. Mit Erfolg. Denn der Kreistag stimmte schließlich für die Alt-Kennzeichen. Seit Januar fährt Dieter Luftmann mit dem RN auf dem Nummernschild. "Ich bin Rathenower mit Leib und Seele", sagt er. In der Stadt haben sich ihm inzwischen 14 Prozent der Autobesitzer angeschlossen.

Zum Thema:
Fast 300 einst ausrangierte regionale Kfz-Kürzel sind inzwischen laut Bundesverkehrsministerium bundesweit genehmigt. Seit Ende 2012 können die Länder beim Bund die alten Buchstabenkombinationen wieder beantragen. Sie waren bei Gebietsreformen weggefallen. Viele Kommunen wollten mit einem Comeback vertrauter Kennzeichen die regionale Identität stärken (siehe Interview).In Deutschland steht beim sogenannten Unterscheidungszeichen der erste Buchstabe beziehungsweise die erste Buchstabengruppe (maximal drei) auf dem Nummernschild für den Verwaltungsbezirk, in dem das Fahrzeug zugelassen wurde. Insgesamt gibt es rund 800 solcher Regionalkürzel.