Einst waren es 150 Gäste, die täglich mit dem Wawel zwischen Hamburg und Breslau unterwegs waren. Heute sind es im Schnitt 40 bis 60. Der Wawel - die letzte internationale Fernverbindung auf Schienen im Süden Brandenburgs - ist ein Verlustgeschäft für die Bahn.

Die Kritiker - darunter der Fahrgastverband Pro Bahn - sagen, die Bahn selbst habe das zu verantworten, sowohl die auf der deutschen Seite als auch die auf der polnischen. Die Gleise zwischen Forst und Wegliniec sind unsaniert, der Zug muss sich mit 40 bis 60 Stundenkilometern durch den Westen Polens kämpfen.

Auch die Lokwechsel in Cottbus und Wegliniec brauchen Zeit. Von Cottbus bis Breslau braucht der Wawel rund dreieinhalb Stunden, von Berlin aus sind es geschlagene fünf. Der "Fliegende Schlesier" fuhr bereits 1935 die 329 Kilometer von Berlin nach Breslau in zweieinhalb Stunden.

Für die polnische Bahn hat das Verkehrsnetz im äußersten Westen kaum Bedeutung. Sanierungsarbeiten dort werden wegen anderer notwendigerer Arbeiten zurückgestellt. Erst 2025, so das polnische Infrastrukturministerium, sei mit einem Ausbau zu rechnen. Noch einmal könnte der Fernzug über Cottbus nach Breslau auf die Schienen gelassen werden - dann, wenn Breslau 2016 Kulturhauptstadt Europas ist. Zumindest gebe es Gespräche darüber mit der DB Fern und den polnischen Woiwodschaften, hieß es kürzlich aus dem Potsdamer Verkehrsministerium.

Der Protest aber gegen das Ende des Wawel bleibt. Am heutigen Samstag fährt eine ganze Delegation auf Einladung der IHK Cottbus mit dem letzten Wawel in Richtung Breslau. Eine Kranzniederlegung soll unterstreichen, wie schwerwiegend die Streichung des Zuges für die Lausitz nach IHK-Einschätzung sein wird, zumal Fernbusse von Berlin nach Breslau nicht in Cottbus halten. Begleitet wird der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der IHK Cottbus, Jens Krause, von Michael Cramer, Vorsitzender des Verkehrsausschusses im EU-Parlament, Ausschussmitglied Boguslaw Liberadziki, Maciej Zathey, Direktor des Departments für Regionale Entwicklung Breslau, Frank Jahnke, Mitglied im Berliner Abgeordnetenhaus (SPD), Jan Stöß, Landesvorsitzender der Berliner SPD, Jerzy Michalak, Vize-Marschall der Woiwodschaft Niederschlesien und Hella Dunger-Löper, Staatssekretärin und Europa-Beauftragte des Landes Berlin.