Den eigenen Namen zu schreiben, klappt noch gut. Doch schon eine kurze Notiz für den Nachbarn oder das Entziffern der Speisekarte im Restaurant stellen schwer lösbare Aufgaben dar. Für funktionale Analphabeten ist das Alltag. In Deutschland leben nach Schätzungen des Bundesverbandes für Alphabetisierung in Münster vier Millionen Menschen über 15 Jahre, die trotz Schulbesuchs nur so gut lesen können wie Erst- oder Zweitklässler. "Ohne ausreichende Kenntnisse haben sie kaum eine Chance auf dem Arbeitsmarkt", sagt der Geschäftsführer des Verbandes, Peter Hubertus.
Der Bundesverband macht alljährlich am 8. September, dem Weltalphabetisierungstag der Unesco, mit Aktionen auf diese Problematik aufmerksam. Auf einer zentralen Veranstaltung wird heute in Berlin die "Alfa-Stiftung für Alphabetisierung und Grundbildung" gegründet. Ziel der Stiftung ist es, bundesweit das Angebot von Lese- und Schreibkursen zu sichern und langfristig auszubauen.
Das Lernangebot für erwachsene Analphabeten, das hauptsächlich von Volkshochschulen (VHS) bereitgestellt wird, reiche in vielen, meist ländlichen Regionen nicht aus, kritisiert Hubertus. Er hoffe, durch Einbindung der Wirtschaft innerhalb eines Jahres das Startkapital der Stiftung von 100 000 Euro auf vier Millionen Euro aufstocken zu können. "Einen Euro für jeden Analphabeten in Deutschland!" so das Motto.

Nationale Strategie fehlt
"Wir hoffen auch, durch die Stiftung Bund und Länder in der Bildungsfrage zusammenzubringen", betont Hubertus. Es fehle eine nationale Strategie, da die Bildung in den Zuständigkeitsbereich der Länder falle. "Während Niedersachsen Ex tragelder zum Ausbau von Alphabetisierungskursen zur Verfügung stellt, sind im Freistaat Bayern die Kommunen auf sich allein gestellt", sagt Hubertus. In Bayern ist seinen Angaben nach zwar die Hälfte aller Volkshochschulen angesiedelt. Es handele sich aber überwiegend um Kleinst-Einrichtungen in ländlichen Gegenden, die oft unter hohem Kostendruck stehen, sagt der Geschäftsführer. Alphabetisierungskurse, die kleine Lerngruppen von höchstens acht Teilnehmern pro Lehrperson erfordern, seien für solche Einrichtungen zu teuer.
Das Bundesbildungsministerium konzentriert sich hingegen auf die Projektförderung. So stellt das Ministerium 30 Millionen Euro für Forschung und Grundbildung bis En de 2012 zur Verfügung. Unterstützt wird unter anderem der Ausbau des Internetprojekts "