Ein Motorradfahrer aus der Prignitz hatte einen Unfall und fällt ins Wachkoma. Aufwachen wird er vermutlich nicht mehr. Wer organisiert für ihn den Platz in einem Pflegeheim? Und ein Mann aus Lübben hatte mehrere Schlaganfälle und wird nur noch von Maschinen am Leben gehalten. Wie lange noch? Wann dürfen die Ärzte die Maschinen abstellen? Würde er sich das vielleicht wünschen?

Bei solchen Fragen können Vorsorgevollmachten, Betreuungsverfügungen und Patientenverfügungen helfen. Mit Vorsorgevollmachten können Menschen im Voraus regeln, wer ihre Vermögenswerte verwaltet, Mietverträge kündigt und sich um Heimplätze kümmert, wenn sie dazu selbst nicht mehr in der Lage sind. Mit Betreuungsverfügungen lässt sich regeln, wer im Fall des Falles zum gesetzlichen Betreuer bestimmt wird. Und in einer Patientenverfügung kann man festhalten, wann Ärzte auf künstliche Ernährung, Flüssigkeitszufuhr oder künstliche Beatmung verzichten sollen. Doch in Brandenburg sind diese Dokumente offenbar nur wenig in Gebrauch. Nur 5500 Brandenburger haben 2013 eine Vorsorgevollmacht im zentralen Vorsorgeregister der Bundesnotarkammer registrieren lassen. Das sagte Justizminister Helmuth Markov (Linke) am Donnerstag. Damit befände sich das Land im Bundesvergleich auf dem zweitletzten Platz.

Deswegen präsentierten das Justizministerium und die Brandenburger Notarkammer die Neuauflage einer Broschüre über Vorsorgevollmachten, Betreuungs- und Patientenverfügungen, die auch entsprechende Formulare enthält. "Von diesen Dokumenten hat jeder schon einmal gehört, aber keiner weiß, wie sie rechtswirksam ausgestaltet werden", sagte Markov. "Wir sehen hier einen erheblichen Nachholbedarf."

Dabei gibt es schon zahlreiche Formularentwürfe auf dem Markt: Die beiden großen Kirchen haben eine "Christliche Patientenvorsorge" verfasst, der atheistische Humanistische Verband bietet einen entsprechenden Vordruck an - und nun auch noch das Justizministerium. "Wir wollen versuchen, das Thema weiter in der Gesellschaft zu halten", sagt Markov.

Eine Registrierung im zentralen Vorsorgeregister ist für die Wirksamkeit einer Vorsorgevollmacht oder einer Patientenverfügung nach Angaben von Markov nicht vorgeschrieben. Sie biete sich aber an, denn die Gerichte würden dort routinemäßig anfragen, bevor sie etwa eine Person zum Vormund bestellen, die vom Betreuten gar nicht gewünscht ist. Insgesamt waren beim zentralen Vorsorgeregister laut Bundesnotarkammer am 31. März 2014 rund 2,3 Millionen Vorsorgevollmachten registriert. In den ersten drei Monaten des Jahres gab es bundesweit 103 877 Neueintragungen, von denen rund 78 000 zugleich mit einer Patientenverfügung verbunden waren. In 60 000 Fällen erkundigten sich Gerichte, ob eine Vorsorgevollmacht vorhanden war.