Internationale Experten kritisierten denn auch jüngst auf einer Tagung in Jena das aus ihrer Sicht unzureichende Lern- und Hilfsangebot nach der Schulzeit und eine fehlende, bundesweite Strategie. Brandenburg und Sachsen verfolgen zumindest jeweils einen einheitlichen Ansatz, was auch nicht in allen Ländern Praxis ist. Das Bildungsministerium in Potsdam verweist auf die Grundbildungsmodule, die vor allem über die Volkshochschulen den schätzungsweise 125 000 funktionalen Analphabeten im Land angeboten werden. Der Grundkurs heißt Lesen - Schreiben - miteinander reden. "Allerdings ist Alphabetisierung nur ein erster Schritt, um ein eigenständiges und selbstbestimmtes Leben führen zu können", erklärt Ministeriumssprecher Stephan Breiding das Vorgehen. Darum würden weitere Kurse angeboten wie Mathe auf Schritt und Tritt, Arbeit und Finanzen sowie Beruf, Familie und Soziales oder auch Basiswissen Englisch. Diese Kurse kosten pauschal zehn Euro. Kostenlos ist dagegen der Grundkurs. "Lesen und Schreiben sind die Eintrittskarte für alles Weitere", begründet Breiding. In Sachsen existiert seit Jahresbeginn eine Koordinierungsstelle Alphabetisierung. Im Kultusministerium in Dresden wird von 200 000 Analphabeten im Freistaat ausgegangen. "Diesen Menschen soll noch besser und zielgerichteter geholfen werden", erklärt Minister Roland Wöller (CDU) das Anliegen der Koordinierungsstelle. Sie soll unter anderem die Zahl der Kurse erhöhen. Laut einer Studie der Evangelischen Hochschule für soziale Arbeit Dresden zieht sich Analphabetismus quer durch alle Altersschichten und ist unabhängig von Geschlecht oder Familienstand. Die Zahl der Alphabetisierungskurse wurde als zu gering bewertet. Eine Kritik, die Experten so auch für Brandenburg erheben.