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| 02:41 Uhr

Wenn Katze, Hund, Pferd oder Elch in Schwierigkeiten sind

Vorsichtig versuchen Feuerwehrleute und andere Helfer in Plessa, das 26-jährige Pferd "Pearly" aus dem zähen Schlamm des Hammergrabens zu befreien.
Vorsichtig versuchen Feuerwehrleute und andere Helfer in Plessa, das 26-jährige Pferd "Pearly" aus dem zähen Schlamm des Hammergrabens zu befreien. FOTO: Mirko Sattler/sam1
Potsdam. Der Katze auf dem Baum, dem verletzten Hund nach dem Verkehrsunfall, dem Elch im Büro – allen versuchen Tiernotretter in Brandenburg und Sachsen zu helfen. Auch Feuerwehr und THW sind im Einsatz. Christian Bark und Ralf Hübner

Private Tiernotrettungsdienste können sich nicht über mangelnde Arbeit beklagen - und sie nimmt noch zu. Das ergab eine Umfrage. "Im Monat fahren wir durchschnittlich 200 Einsätze", sagt der Geschäftsführer der Mobilen Tiernotfallrettung Berlin-Brandenburg, Ronald Rackow. Einer der fünf für den Rettungsdienst tätigen Tierärzte sei allein in der vergangenen Woche innerhalb von vier Stunden zu fünf Einsätzen ausgerückt.

Kritik an Blaulichtverbot

"Wir werden immer bekannter, darum erhalten wir auch mehr Anrufe", erklärt Rackow. Das habe sich in den acht Jahren, seitdem es den rund um die Uhr tätigen Notdienst gibt, stetig nach oben entwickelt. Zehn Prozent der Einsätze im Jahr würden vom eigens angeschafften Rettungswagen begleitet. "Einen stark blutenden Hund können Sie schwer im Pkw transportieren", bemerkt der Geschäftsführer. In dem Zusammenhang moniert er, dass es dem Rettungswagen sowohl in Brandenburg als auch in Berlin untersagt sei, mit Blaulicht zu fahren. Dabei seien Tier-Noteinsätze oft auch für Menschen wichtig - etwa, wenn vom verletzten Tier Gefahr ausgehe. Allerdings beschränke sich sein Spektrum mehr auf die klassischen Haustiere. "Mit Exoten haben wir weniger Erfahrung."

Ob Exot oder Wildtier, die Tierrettung in Potsdam kümmert sich um fast jeden Notfall, wie der Vorsitzende des gemeinnützigen Vereins, Michael Breuer, betont. "Letztens haben wir eine Boa constrictor gefangen." Schwänen wiederum entfernten die Vereinsmitglieder schon Angelhaken aus dem Schnabel. Ein trauriges Erlebnis habe Breuer vor drei Jahren dazu inspiriert, den ehrenamtlichen Rettungsdienst zu gründen. "Damals war ein Hund aus dem fünften Stock geworfen worden", erinnert er sich. Niemand habe dem Tier geholfen - dann sei er tätig geworden. Heute habe der Verein 160 Mitglieder, von denen 40 aktiv im Dienst seien.

Im Gegensatz zur Mobilen Tiernotfallrettung, die allein für den Einsatz des Rettungswagens bis zu 70 Euro berechnet, rücke der Verein mit seinen zwei Fahrzeugen häufig auch unentgeltlich aus und das sogar bis ins Havelland oder in den Landkreis Ostprignitz-Ruppin. Bis zu 200 Kilometer fahre er täglich, berichtet Breuer; bis zu 150 Einsätze bewältige sein Team im Monat. Auch wenn der Verein gut mit den Feuerwehren zusammenarbeitet, hat Breuer, wie er sagt, zunehmend das Gefühl, dass die Wehren aufgrund erheblicher Einsatzkosten seltener bei Tiernotfällen tätig werden. Den Eindruck teilt Ronald Rackow.

Auch Feuerwehren im Einsatz

Immerhin würde der Einsatz zweier Feuerwehrleute und des Rettungsfahrzeuges 1,71 Euro pro Minute in Cottbus kosten, wie Uwe Schulze von der dortigen Feuerwehr sagt. Dass dies allerdings ein Grund für sinkende Zahl an Tierrettungseinsätzen - sie reduzierten sich zwischen 2011 und 2015 von 216 auf 131 - glaubt Schulze weniger. "Das schwankt von Jahr zu Jahr." Auch die Kosten für die Stadt, die bei der Rettung von Wildtieren anfallen würden, hielten sich in Grenzen.

Einen Einsatz der besonderen Art hatten erst vor Kurzem Kameraden der Feuerwehren von Plessa und Elsterwerda im Elbe-Elster-Kreis zu bewältigen. Nur mit Spezialtechnik konnten sie Wallach "Pearly" aus dem Schlamm des Plessaer Hammergrabens befreien, in den das Tier gestürzt war.

"Tierrettungen stellen Ausnahmen bei unseren Einsätzen dar", sagt derweil eine Sprecherin des Technischen Hilfswerks (THW). Meist würden die Feuerwehren zunächst angefragt und holten sich das THW dazu, wenn besondere Technik gefragt ist. Der letzte "echte" Rettungseinsatz liege drei Jahre zurück, als sich ein Dackel in unterirdischen Gängen verlaufen hatte und vom Ortsverband Lübben gefunden wurde. In diesem Jahr habe der Ortsverband Seelow einen Laster, der lebende Bienen geladen hatte, geborgen.

Auch in Sachsen kommt das THW nur gelegentlich als Tierretter zum Einsatz. So als eine Windhose Mitte Juli in Groß Krauscha (Landkreis Görlitz) teilweise das Dach einer Milchviehanlage zerstörte. Für die rund 300 Kühe wurde eine provisorische Koppel errichtet und eine mobile Melkanlage aufgestellt. "Das war allerdings der einzige nennenswerte Tier-Einsatz der letzten Jahre", sagt die Sprecherin des THW-Landesverbandes Sachsen/Thüringen, Andrea Wirth.

Elch im Bürohaus

Ansonsten aber haben Polizei, Feuerwehr und Vereine auch im Freistaat zu tun, um Tieren in Not zu helfen. Laut Innenministerium wurden die Feuerwehren des Landes im vergangenen Jahr 908-mal wegen solcher Fälle gerufen; 2014 waren es 19 Einsätze weniger.

Etwa 1100-mal wurde allein die Dresdner Feuerwehr 2015 wegen Tieren alarmiert. Meist sei es um den Transport in ein Tierheim oder die Beseitigung von Kadavern gegangen, hieß es. Es gab aber auch den Elch, der sich in einem Bürohaus verirrt hatte, eine Kuh, die in einen Pool gefallen war, die Rettung eines Kauzes aus einem Schornstein oder die eines Pferdes, das in eine Jauchegrube gestürzt war.

Beamte des Polizeireviers Görlitz entdeckten im April auf Streife an der Altstadtbrücke einen Biber, der sich im Geländer verfangen hatte. Eine Mitarbeiterin der Wildtierauffangstation half ihm aus der Klemme, und der Nager schwamm durch die Neiße davon.