" Auch in anderen sächsischen Städten spüren Tierheime, dass viele Hunde- und Katzenbesitzer ihre Tiere in Zeiten von Hartz IV nicht mehr halten können. Ist ein Tier krank, drohen neben Hundesteuer und Futter auch noch Behandlungskosten.
Der Landestierschutzverband hat seine Mitgliedsvereine um einen genaue Schilderung der Lage gebeten. "Wir brauchen eine schriftliche Zuarbeit", sagt der Vorsitzende Peter Vater. Er kennt das Problem aus dem Tierheim Görlitz. "Es werden mehr ältere Tiere abgegeben. Viele sind krank. Die Besitzer scheuen langwierige Behandlungen durch den Tierarzt und teure Antibiotika." Allerdings würden die wenigsten Tiere ordentlich abgegeben. "Die meisten werden ausgesetzt, überall im Stadtgebiet", so Vater.
"Auch wir kennen etliche soziale Härtefälle", teilt Angela Günther, Sachbearbeiterin beim Tierheim Leipzig, mit. „,Ich bekomme Hartz IV. Ich schaffe das nicht mehr', heißt es dann immer. Das hat seit einigen Monaten massiv zugenommen.“ Die Leute wüssten manchmal wirklich nicht mehr weiter und hätten schon mehrere Tierheime um Hilfe gebeten, sagt Angela Günther. Von derzeit 90 Hunden im Leipziger Tierheim seien zehn wegen Hartz IV abgegeben worden.
Das treibt die Kosten in die Höhe. "Im dritten Quartal 2005 hatten wir in Chemnitz 9500 Euro Tierarztkosten", berichtet der Chemnitzer Tierheimleiter von Lienen. "Normalerweise liegen wir so bei 6000 Euro." Gestiegen sei auch die Zahl alter Hunde in der Obhut des Tierheims. "Früher waren 60 bis 70 Prozent unserer Hunde zwischen neun Monate und eineinhalb Jahre alt. Jetzt haben wir viele acht, neun und zehn Jahre alte Hunde. Die werden auch nicht mehr abgeholt."
Noch 1996 blieb ein Hund statistisch betrachtet 25 Tage im Tierheim Chemnitz, mittlerweile fast doppelt so lange. "Wir können nur versuchen, ein Tier immer und immer wieder zu vermitteln", sagt von Lienen. Das macht auch das Tierheim Leipzig. "Manchmal klappt es", sagt Angela Günther. "Es gibt ja auch noch Glücksmomente."