Konkrete Zahlen zum Haustürbetrug, der laut Reinhardt zum Trickbetrug gehört, gibt es nicht. In der Statistik fallen die kriminellen Haustürgeschäfte unter den Punkt "Sonstiges". Für 2006 sind darunter 9316 Fälle aufgelistet 2005 waren es noch 9106. Kürzlich hatte Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) mitgeteilt, dass sich die Fallzahlen bei Betrug insgesamt um zehn Prozent auf 25 434 im Jahr 2006 erhöhten.

Konstanter Anstieg
"Seit vier Jahren registrieren wir einen zwar nicht Besorgnis erregenden, aber konstanten Anstieg", erklärt Reinhardt. Die Straftaten verlagerten sich von Eigentumsdelikten hin zu Betrug. Denn bei Diebstahl sei das Risiko, entdeckt zu werden, höher. Und in einer älter werdenden Gesellschaft wachse die Zahl der Senioren als mögliche Betrugsopfer.
Die Täter unterbreiten ihren Opfern zunächst vermeintlich lukrative Angebote. Bei Eigenheimbesitzern geben sie sich als Handwerker aus und weisen darauf hin, dass dringend etwas am Dach oder an der Fassade gemacht werden müsse. Wenn sie den Auftrag sofort erteilt bekämen, könnten sie die Arbeiten zu einem günstigen Preis erledigen. Lässt sich der Betroffene darauf ein, werden die Arbeiten entweder zu einem überhöhten Preis gemacht oder gar nicht erst erledigt, obwohl Vorkasse geleistet wurde.
Wer wissentlich für eine nicht oder nur unvollständig erbrachte Leistung Geld nimmt oder sie sich mit einem deutlich überhöhten Geldbetrag vergüten lässt, macht sich laut Reinhardt des Betruges schuldig. Beim Haustürbetrug handele es sich um "regionale Serien, die aufflackern und wieder abflauen". Schließlich spreche es sich herum, dass Betrüger unterwegs seien. "Die Masse der Täter ist deutsch und männlich." In der Regel seien sie zwischen 35 und 55 Jahren alt. Doch auch manche Frau ist unter den Haustürbetrügern: Sie täuschen gern Schwangerschaft vor, um ein Glas Wasser zu erbitten. Dann suchten sie in der Wohnung in einem unbeobachteten Moment Geld. Ausländische Täter versuchten häufig, minderwertige Lederjacken oder Teppiche zu einem hohen Preis zu verkaufen oder im Auftrag eines vermeintlichen Enkels Geld beim Opf er abzuholen.

Kein Bargeld an Fremde
Allein der Schutzbereich Potsdam meldet beim "Enkeltrick" für das vergangene Jahr einen Schaden in Höhe von 33 000 Euro gefolgt vom "Teppichbetrug" mit 3500 Euro und der Vorgabe, eine Amtsperson zu sein, mit 2000 Euro. Sprecherin Angelika Christen weist darauf hin, dass Fremden generell kein Bargeld übergeben oder Einsicht in Konten gewährt werden sollte. Bei verdächtig erscheinenden "Amtspersonen" sollte nach Ausweisen gefragt werden. Auch, wenn es sich um vermeintliche Polizisten handele, wie der Sprecher des Schutzbereichs Brandenburg/Havel, Torsten Ringel, betont.

Zum Thema Keine falsche Scham
 Nach Angaben von LKA-Sprecher Reinhardts können rund 90 Prozent der angezeigten Fälle aufgeklärt werden. Vermutlich existiert aber eine Dunkelziffer. Manche Opfer wenden sich nicht an die Polizei, denn zuzugeben, dass sie jemanden auf den Leim gegangen sind, ist ihnen peinlich. Dennoch wird an Betroffene appelliert, sich nicht von einem "falschen Schamgefühl" leiten zu lassen.