Von Julian Münz

Von Planenschlitzern bestohlen zu werden, das gehört für den Spediteur Jürgen Eckert fast schon zum Arbeitsalltag. „Es passiert in regelmäßigen Abständen“, erzählt der Unternehmensgründer aus Fehrow. Etwa alle zwei Wochen werde ein Lastwagen in seiner Flotte von Diebesbanden geplündert. Zuletzt zapften sich unbekannte Täter auf einer Raststätte bei Eisenach sogar 500 Liter Diesel von einem seiner Lastwagen ab.

„Die Vorfälle passieren sowohl auf Autohöfen als auch auf kleinen Parkplätzen“, klagt Eckert an. Hier können sich die Diebe in der Dunkelheit zwischen den Lastwagen fast ungestört an die Arbeit machen. Die Fahrer schlafen dann meist. „Und selbst, wenn sie es bemerken, weise ich meine Mitarbeiter an, nicht auszusteigen“, erklärt Jürgen Eckert. Das eigene Leben sei schließlich wichtiger als die Ware. „Sie sollen stattdessen sichergehen, dass die Türen abgeschlossen sind und dann die Polizei rufen“, so der Chef des Transportunternehmens.

Sebastian Poredda von der gleichnamigen Cottbuser Speditionsfirma bestätigt den Eindruck, dass sich die Planenschlitzervergehen gehäuft haben: „Das hat es auch früher schon mal gegeben, aber mittlerweile ist das Planenschlitzen zur Normalität geworden“, sagt er. „Die Versicherung kommt zwar dafür auf, aber wenn der Warenwert relativ hoch ist, wird auch das teurer“, erklärt er.

Besser beleuchtete Parkplätze und größere Polizeipräsenz wünscht er sich, um dem Ladungsdiebstahl Einhalt zu gebieten. Auch Planen mit Stahldrähten, die man mit Messern nur schwer durchdringen könnte, seien eine Möglichkeit. „Das ist aber mit hohen Kosten verbunden und hat dann wieder andere Nachteile im Bereich Stabilität“, so Poredda.

In Brandenburg sind die Planenschlitzer für die Lastwagenfahrer mittlerweile zu einer richtigen Plage geworden: 911 Fälle zählte die Polizeikriminalstatistik des Landes im vergangenen Jahr. Damit hat sich die Anzahl seit 2013 um mehr als das Achtfache erhöht. Ähnlich sieht es im Nachbarland Sachsen-Anhalt aus, wo die von der Polizei erfassten Fälle in fünf Jahren von 298 auf 737 anstiegen. Das Landeskriminalamt Sachsen-Anhalt schätzt den im vergangenen Jahr durch Planenschlitzer entstandenen Schaden auf mehr als vier Millionen Euro. „Lange Zeit wurden die Taten gar nicht statistisch erfasst“, sagt deren Pressesprecher Andreas von Koß. Auch deshalb ist in Magdeburg seit Juli 2018 die Projektgruppe „Cargo“ aktiv, die die Zusammenarbeit zwischen Bundesländern und EU-Staaten im Bereich Planenschlitzen koordinieren möchte. Das Projekt ist auf zwei Jahre angelegt.

Die Polizei rufen, das ist in den meisten Fällen von Ladungsdiebstählen leider aber vergebliche Mühe. Denn nur selten können die Täter nach ihren Raubzügen dingfest gemacht werden. „Die gehen so geschickt vor, dass meist niemand etwas mitbekommt“, weiß der Spediteur. Die Briefe der Staatsanwaltschaft, in denen steht, dass das Verfahren eingestellt wurde, weil die Täter nicht ermittelt werden konnten, kennt der Fehrower Jürgen Eckert deshalb nur zu gut. „Kleine Delikte werden mittlerweile gar nicht mehr angezeigt“, erzählt der Spediteur. Zu groß sei der Aufwand bei so vielen Vorfällen, bei denen am Ende kaum ein Planenschlitzer erwischt wird.

Am meisten ärgert Jürgen Eckert deshalb einer der wenigen Fälle, in denen die Täter tatsächlich gefasst wurden. Denn auch hier wurde bisher noch kein Strafverfahren eröffnet. Im Juni 2017 hatten Planenschlitzer auf einem Werkstattparkplatz einen Lastwagen seiner Flotte im wahrsten Sinne des Wortes auseinandergenommen. So schraubten sie etwa die Frontpartie des Gefährts ab und entwendeten Wagenteile. Auch einen Teil der Ware nahmen die Planenschlitzer mit. „Die Diebe haben den Lkw komplett ausgeschlachtet“, erzählt Eckert.

Doch dieses Mal kommen die Täter nicht weit mit dem Diebesgut: Noch am selben Wochenende greift die Polizei bei Bad Muskau einen Kleintransporter auf, der mit fremder Ware unterwegs ist. Es sind die verschwundenen Waren- und Lastwagenteile von der Transportfirma Eckert. „Die Polizei hat ihre Arbeit gemacht, die Justiz aber noch nicht“, beschwert sich der Fehrower.

Bisher lässt sich diese Behauptung weder bestätigen noch widerlegen: Die Staatsanwaltschaft Cottbus, die laut Aussage des Landeskriminalamts den Fall betrifft, hat die Anfrage der RUNDSCHAU zum Stand des Verfahrens nicht beantwortet.

Allgemein ist der Spediteur über die aktuelle Situation nicht glücklich. „In der Nacht muss ich das verteidigen, was ich am Tag erarbeitet hatte“, so der Spediteur. Und das könne nicht der Sinn der Sache sein. Hohe Strafen für Planenschlitzer, die gefasst werden, befürwortet Eckert, um die Diebe mehr abzuschrecken.

„Gut wäre es, wenn Autobahnparkplätze besser beleuchtet würden“, schlägt er außerdem vor, wie man die Probleme besser in den Griff bekommen könne. Dabei hofft der Transportunternehmer auch auf mehr Präsenz der Polizei. Allgemein kritisiert der Unternehmer das Problem, dass viele Parkplätze auf den Autobahnen überlastet sind. „Hier gibt es kaum Möglichkeiten für die Fahrer, sicher und ruhig schlafen zu können“, so Eckert. Und das, obwohl die Nachtruhe für die Fahrer gesetzlich vorgeschrieben ist.

Hier appelliert er, den Transportbetrieben etwas entgegenzukommen. „Auf unsere Branche wird meist geschimpft“, sagt der Spediteur. Dass sie jedoch mit dem Transport von Waren einen Dienst an der Gesellschaft leisten und durch Planenschlitzer regelmäßig Verluste hinnähmen, würde jedoch oft übersehen.