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Wenn die Lausitzarena kocht

Der Lehrerprotest in der Lausitzarena ist ein Vorgeschmack auf einen heißen Tarif-Herbst.
Der Lehrerprotest in der Lausitzarena ist ein Vorgeschmack auf einen heißen Tarif-Herbst. FOTO: Ch. Taubert
Cottbus. Die Abwesenheit des Potsdamer Bildungsministeriums mit Buh-Rufen zu quittieren, das ist längst zu einem Ritual der jährlichen Personalversammlung des Schulamtes Cottbus geworden. Zwar waren gut 2500 Lehrer – so viele noch nie – in die Lausitzarena gekommen. Christian Taubert

Doch Minister Günter Baaske (SPD) hatte einen wichtigeren Termin, Vertreter waren ebenso wenig abkömmlich. Und das, wo die Lehrer-Seele nicht nur in Südbrandenburg kocht.

"Es geht uns nicht ums Jammern, das ganze System stinkt zum Himmel", sagte Personalrat Frank Kramer und hob dabei vor allem auf den Frust in den Lehrerkollegien der Grundschulen ab. Denn nachdem Brandenburg jüngst die Lehrer der Sekundarstufe I von der Besoldungsgruppe A 12 auf A 13 angehoben hatte, gingen die Pädagogen an Grundschulen leer aus. Dort wird für gleiche Arbeit A 10 bis A 12 besoldet und damit zwischen 600 bis 800 Euro Gehaltsunterschied pro Monat hingenommen.

Vor diesem Hintergrund stößt die Lageeinschätzung des Leiters des Cottbuser Schulamtes Gerald Boese auf wenig Verständnis. Er kann zwar auf mehr als 300 neue Lehrkräfte und eine stabile Situation mit 4600 aktiv im Dienst befindlichen Lehrkräften im Süden verweisen. Auch hätten 1,3 Millionen Euro des Landes dazu beigetragen, 1526 kurzfristige Vertretungen zu organisieren.

Boese nennt aber auch das Problem, dass viele befristet eingestellte Seiten- und Quereinsteiger keine Lehramtsausbildung hätten. Weiterbildungen würden aus verschiedenen Gründen nicht forciert. Cottbus und der Norden von Dahme-Spreewald hätten künftig einen erhöhten Lehrer-Einstellungsbedarf.

Eine Forster Oberschullehrerin hält es danach nicht auf ihrem Platz. Sie höre von stabiler Lage, "aber ich habe eine ganz andere Wahrnehmung", schildert sie Erfahrungen aus einer Reihe von Schulen im Spree-Neiße-Kreis. "Eine auskömmliche Personalausstattung hat es nirgendwo gegeben", sagt sie und der zustimmende Beifall brandet auf. Auf ihre Frage, an welcher Schule man denn mit dem Personal zufrieden sei, meldet sich eine einsame Stimme. "Die muss es auch geben", kontert sie.

Eine Grundschullehrerin aus Calau will endlich "Gleichstellung im Beruf". Auch dafür, "dass wir Pädagoge, Therapeut, Elternersatz, Psychologe und medizinisches Personal sind". Der Landeschef der Lehrergewerkschaft GEW Günther Fuchs kündigt dem Land einen heißen Herbst an. Ab 6. Oktober beginnen die Tarifverhandlungen. Die GEW will erreichen, dass alle Lehrkräfte im Gehalt angehoben werden, die noch nicht berücksichtigt wurden - egal in welcher Schulform. "Wer jeden Tag gute Arbeit leistet, muss auch gut bezahlt werden. Zusätzliche Aufgaben gehören honoriert", betont Fuchs. Von den mehr als 2500 Pädagogen in der Lausitzarena erhält er dafür ein einstimmiges Mandat.

Zum Thema:
- Lehrkräfte aller Schulformen sollen nach A 13/E 13 besoldet/ vergütet werden. In allen Schulformen und für Schulleitungen muss es ausfinanzierte Beförderungsmöglichkeiten geben.- Für Quer- und Seiteneinsteiger ohne vollständige Lehrerausbildung sollen unbefristete Arbeitsverträge mit sechsmonatiger Probezeit möglich sein.- Ausbau des Systems der Altersermäßigung.