Suizide stehen nur selten im Fokus von Berichterstattungen in den Medien - es sei denn, es besteht ein öffentliches Interesse. Das kann der Fall sein, wenn wie beim Unglück am Montag die Bahnlinie Lübbenau-Berlin stundenlang gesperrt werden musste. Doch wie sieht es generell mit diesem Tabu-Thema aus? Die statistischen Daten sind nüchtern.

Wie aus der Grafik ersichtlich ist, liegt Brandenburg mit 329 Fällen im Jahr 2015 im unteren Drittel. Im benachbarten Freistaat Sachsen sind es mit 643 Suiziden fast doppelt so viele. Allerdings muss man bei diesem Vergleich auch die Einwohnerzahlen beachten: In Bayern etwa leben rund 12,8 Millionen Menschen - in Brandenburg sind es 2,4 Millionen und in Sachsen rund vier Millionen. Suizid-Daten aus dem Jahr 2016 sind zum gegenwärtigen Zeitpunkt bei den Landesämtern für Statistik noch nicht verfügbar. Daher wird im Folgenden überwiegend auf das Jahr 2015 Bezug genommen.

Es mag manchem makaber erscheinen, aber die Statistik erfasst neben den Zahlen auch die Methoden, die Menschen anwenden, wenn sie sich das Leben nehmen. Bei deutschlandweit 10 080 Suiziden haben 4513 Menschen sich erhängt, stranguliert oder sind erstickt.

Waren zur Jahrtausendwende 11 065 Suizide in Deutschland erfasst, so hatten sie 2007 mit 9402 ihren bisherigen Tiefststand, um dann wieder allmählich anzusteigen. 2011 gab es 10 144 "vorsätzliche Selbstbeschädigungen", wie Suizide von den Fachleuten genannt werden, und 2014 waren es 10 209 Menschen, die keinen anderen Ausweg mehr sahen als den Suizid.

Auch wenn viele der Risikofaktoren bekannt sind, ist es im Einzelfall schwierig, einen Suizidversuch vorherzusagen, heißt es in einem Papier des Bundes zur Gesundheitsberichterstattung. Psychische Erkrankungen wie Depressionen oder Persönlichkeitsstörungen sowie Alkoholismus und sexueller Missbrauch befördern demnach den Gedanken an einen Suizid. Bis zu einem Alter von 29 Jahren sei der Suizid die zweithäufigste Todesursache nach Unfällen in dieser Altersgruppe. Im höheren Alter liegen Suizidrisiko und Suizidrate erheblich höher. Dies trifft besonders auf Männer zu, heißt es in dem Bericht. Statistisch betrachtet sinke die Anzahl von Suizidversuchen mit zunehmendem Alter, die Zahl der vollzogenen Suizide hingegen steigt und ist in der Altersgruppe über 75 Jahre am höchsten.

Hier weicht Brandenburg im Jahr 2015 etwas ab. Bei den 329 erfassten Fällen ist die Gruppe der 50- bis 54-Jährigen mit 45 Fällen (darunter 14 Frauen) am stärksten betroffen. Es folgen die Altersgruppen 70-74 und 75-79 mit jeweils 30 Fällen sowie 55-59 mit 29 Fällen. Die 45- bis 49-Jährigen liegen mit 28 Suiziden (darunter zehn Frauen) gleichauf mit den 60- bis 64-Jährigen (7).

Zwischen 80 und 84 Jahren waren es 27 Menschen (8), die sich das Leben nahmen. Weitere 28 Senioren (10), die den Freitod wählten, waren noch älter. In der Altersgruppe 24 Jahre und jünger hatten sich 2015 insgesamt zwölf junge Menschen das Leben genommen, davon die Hälfte Mädchen und Frauen.

Anders als in Brandenburg liegen für Sachsen auch regionale Zahlen für 2015 vor. Von den 643 Suiziden entfallen auf Dresden 81 (17 Frauen), Leipzig Stadt 64 (21) und Leipzig 40 (7), Zwickau 61 (16), Meißen 45 (7), Chemnitz 40 (14), Görlitz 38 (7) und Bautzen 36 (5). Die meisten Suizide (196) mussten bei 45- bis 65-Jährigen registriert werden, 196 Fälle bei 75-Jährigen (und älter) sowie 114 bei Menschen im Alter von 65 bis 75.

106 Selbsttötungen fielen in die Altersgruppe zwischen 25 und 45 Jahren. 18 Fälle wurden vom Statistischen Landesamt bei den 15- bis 25-Jährigen registriert.

Zum Thema:
Als sich die Telefonseelsorge vor mehr als 60 Jahren erstmals an Menschen in scheinbar auswegloser Lage wandte, tat sie das mit dem Satz: "Bevor Ihr Euch umbringt, ruft mich an." Derzeit sprechen berlin-brandenburgweit sieben Prozent der Anrufer am Seelsorgetelefon über Suizid-Absichten. Tendenz: leicht steigend. Am häufigsten, nämlich in 69 Prozent der Gespräche, wird das seelische Befinden thematisiert. In 34 Prozent der Anrufe (Mehrfachnennungen sind möglich) geht es um Probleme mit Familie und Partnerschaft, bei 28 Prozent um Existenz, Finanzen, Ausbildung und Arbeit. Wer in schwierigen Situationen einen anonymen Gesprächspartner braucht, kann rund um die Uhr unter einer der folgenden Telefonnummern anrufen: 0800 1110111 oder 0800 1110222. Der Anruf ist kostenlos.