Die blonde junge Frau packt einige Schmuckstücke aus. Die möchte sie beleihen. Barbara Gerstenberger prüft die Stücke gründlich mit der Lupe. Sie nennt eine Summe, Formulare werden ausgefüllt - und das Geschäft Geld gegen Pfand ist perfekt. Drei Monate hat die Kundin nun Zeit, ihren Schmuck wieder auszulösen.

Die gelernte Designerin Gerstenberger betreibt ihr Pfandhaus in Leipzig seit 1996. Gegründet hat sie es zusammen mit ihrem Mann. "Unsere erste Beleihung war ein Taxi", erinnert sie sich. Autos nimmt sie inzwischen nicht mehr als Pfand. Andere in der Branche haben sich indessen auf Fahrzeuge spezialisiert.

Gerstenberger gehört zu denen, die sich in den neuen Bundesländern erfolgreich am Markt etabliert haben. Während Pfandhäuser im Westen boomen, ist es im Osten laut Zentralverband des Deutschen Pfandkreditwesens(ZdP) schwierig, Fuß zu fassen. Gerade mal ein Dutzend Pfandhäuser gibt es dort, bundesweit sind es 200. Der Grund: Die Menschen im Osten brauchten ihr Geld für den Existenzaufbau. Für die Anschaffung teurer Luxusgegenstände reichte es oft nicht, wie der Verbandsvorsitzende Joachim Struck erklärt. Im Westen residieren dagegen Pfandhäuser in besten Innenstadtlagen und haben Angestellte - im Osten ist die Pfandleihe eher ein Ein-Personen-Geschäft.

Wie das von Barbara Gerstenberger. Ihre Kunden kommen nicht nur aus Leipzig, sondern aus der gesamten Region. Es sei offensichtlich ein Irrglaube, dass hauptsächlich in Armut lebende Menschen den Weg zum Pfandleiher gehen, sagt sie: "Sie kommen aus allen Schichten, vom Rechtsanwalt bis zum Rentner. Da ist etwa der Handwerker, der wegen hoher Außenstände seine Leute nicht bezahlen kann." Wie Kollegen in anderen Branchen hat Gerstenberger einen festen Stamm von Kunden. "Regelmäßig kommt eine Rentnerin zu mir, wenn sie sich ein kleines Extra leisten will. Dann bringt sie ihren Schmuck - und wenn sie wieder Geld zusammen hat, holt sie ihn ab", sagt die Geschäftsfrau, die sich vor allem auf hochwertiges Porzellan, Uhren, Schmuck und Edelmetalle spezialisiert hat.

Viele schütten auch ihr Herz aus, Gerstenberger erfährt viel: "Zu mir kommt regelmäßig eine Muslimin. Sie ist allein mit drei Kindern. Sie holt sich bei mir auch Rat", berichtet die Pfandleiherin. Sie schätzt allerdings, dass 40 Prozent ihrer Kunden in Not geraten, weil sie nicht mit Geld umgehen können.

Nach Angaben des Branchenverbandes sind Pfandleihen in Deutschland so gefragt wie nie. Nach Verbandsschätzungen werden 2013 mehr als eine Million Menschen in Geldnöten in die Pfandhäuser kommen, um wertvolle Gegenstände zu beleihen.

Für dieses Jahr rechnet der ZdP mit dem Abschluss von 2,1 Millionen Kreditverträgen mit einem Volumen von 500 Millionen Euro. Nur in weniger als 10 Prozent der Fälle können die Kunden ihre Pfänder nicht wieder auslösen. Diese Gegenstände werden dann versteigert. Momentan macht der Branche allerdings der schwankende Goldpreis zu schaffen. Denn am Goldpreis orientiert sich die Kreditvergabe für Gold und Schmuck.