Aber auch dramatische Zwischenfälle wie der Tod von Zivilisten durch entsandte Bundeswehrsoldaten gehören dazu. Diskutiert wird nun, ob die Ermittlungsarbeit in Deutschland auf nur noch eine Schwerpunktstaatsanwaltschaft zen tralisiert werden soll.Seit 2002 ist zwar die Potsdamer Staatsanwaltschaft für alle Eilentscheidungen zuständig. Sobald sich ein Anfangsverdacht bestätigt, gibt sie den Fall aber an Ermittler in jenem Bundesland ab, in dem der betroffene Soldat normalerweise stationiert ist. Ergo: Die Unterlagen wandern durch viele Hände, Doppelarbeit ist nicht ausgeschlossen.Eine Entscheidung über eine mögliche Zentralisierung wird nach Einschätzung des Bundesjustizministeriums wohl erst nach der Bundestagswahl fallen. Möglicherweise wird das Thema nach Auskunft des Brandenburger Justizministeriums aber bei der Justizministerkonferenz im Juni erörtert. Aus dem Verteidigungsministerium verlautet, eine Zentralisierung sei im Interesse der Bundeswehr. Schließlich sitzt in Geltow bei Potsdam das Einsatzführungskommando, enge Absprachen sind möglich.Besonders, wenn es um Körperverletzungen oder Tötungen geht, könnten lange strafrechtliche Ermittlungen die Truppe verunsichern, sagt ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Berlin. "Deshalb liegt uns besonders daran, durch eine Konzentration der Zuständigkeiten in diesen Fällen zu einer beschleunigten Bearbeitung und damit schnelleren Entscheidungsfindung zu kommen."Brandenburgs Justizministerin Beate Blechinger (CDU) will sich zwar einer Zentralisierung grundsätzlich nicht verschließen, äußert aber Bedenken. So müssten zunächst die rechtliche Umsetzung sowie Fragen angesichts der "erheblichen finanziellen Mehrbelastung für das Land" geklärt werden, sagt eine Sprecherin. Laut Potsdamer Staatsanwaltschaft gibt es pro Jahr etwa 20 Verfahren im Zusammenhang mit Bundeswehrsoldaten. Bisher werden zunächst die Potsdamer Ermittler aktiv. "Wir bitten die Behörden im Einsatzland um Amtshilfe vor Ort, falls Durchsuchungen oder die Obduktion von Leichen nötig sind", erklärt Oberstaatsanwalt Helmut Lange. Bestätigt sich ein Anfangsverdacht, leitet Potsdam den Fall an die örtlich zuständige Staatsanwaltschaft weiter. Das Einsatzführungskommando hält eine zentrale Stelle auch wegen der nötigen Kenntnisse über die Einsatzgebiete für sinnvoll. "Das ist aber eine politische Entscheidung", betont ein Sprecher.Der Fall, der zuletzt für Schlagzeilen sorgte, wird derzeit von der Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) bearbeitet. Sie ermittelt gegen einen Bundeswehrsoldaten, der im vergangenen Sommer in Afghanistan versehentlich eine Frau und zwei Kinder erschoss. Die Sicherheitskräfte hatten nach Angaben der Bundeswehr einen Anschlag befürchtet. Der verdächtige Soldat gehört zu einer Feldjäger-Einheit in Storkow (Oder-Spree).