| 02:40 Uhr

Wenn der Sohn in Vaters Fußstapfen tritt

Sven Steffien (l.) hat von Vater Wolfgang die Hallen- und Stahlbau GmbH in Freiwalde übernommen. Doch auf die Erfahrung seines "alten Herrn" baut der Junior weiterhin. Die Firma an der Autobahn 13 hat sich bundesweit durch solide Handwerksarbeit Anerkennung erworben.
Sven Steffien (l.) hat von Vater Wolfgang die Hallen- und Stahlbau GmbH in Freiwalde übernommen. Doch auf die Erfahrung seines "alten Herrn" baut der Junior weiterhin. Die Firma an der Autobahn 13 hat sich bundesweit durch solide Handwerksarbeit Anerkennung erworben. FOTO: HWK
Cottbus. Bei Handwerkern in der Lausitz stehen Kandidaten für die Unternehmensnachfolge nicht gerade Schlange. Dennoch: In den nächsten fünf Jahren reift für rund 2000 Betriebe ein Wechsel heran. Die Grube & Steffien Hallen- und Stahlbau GmbH Freiwalde (Dahme-Spreewald) hat diesen Kraftakt hinter sich. Christian Taubert

Was Selbstständigkeit bedeutet, das ist Sven Steffien beinahe in die Wiege gelegt worden. Die Nähmaschine von Mutter Brigitta ratterte zu DDR-Zeiten auch übers Wochenende - als Damenmaßschneiderin war sie gefragt. "Ich bin praktisch in der Selbstständigkeit groß geworden", sagt der Bauingenieur, der inzwischen das Unternehmen des Vaters führt.

2013 hat Wolfgang Grube nach zwei Jahrzehnten an der Spitze der damaligen Grube & Scholübbers Hallen- und Stahlbau GmbH die Handwerksfirma an Sohn Sven Steffien übergeben. Die Unternehmensnachfolge innerhalb der Familie regeln zu können, davon träumen Selbstständige nicht nur im Handwerk. Aber, was heute golden glänzt und für Sven Steffien "letztlich genau die richtige Entscheidung" war, hat über Jahre auf der Kippe gestanden.

Der Geschäftspartner des Vaters aus dem Emsland hatte seine Anteile am Unternehmen als unverkäuflich angesehen. "Wenn ich die Firma übernehme, dann wollte ich aber eigene Entscheidungen treffen können und nicht abhängig sein", erläutert der 43-jährige Junior, weshalb dies für ihn ein K.o.-Kriterium gewesen sei. Ein lukratives Angebot für die Leitung eines Kalksandsteinwerkes gab ihm die nötige Gelassen- und Sicherheit.

Dabei war in der Familie, die in Königs Wusterhausen zu Hause ist, eigentlich schon frühzeitig geklärt, wer von den Zwillingen Sven und Karsten das 1993 gegründete Stahlbaunternehmen am ehesten übernehmen sollte. 1997 begann Sven sein Studium als Bauingenieur. Und das, "obwohl mein Traumberuf Elektrotechniker gewesen wäre".

Was Vater im Unternehmen zu leisten hatte, wie die Auftragslage war und welche Probleme es gab - das hat Sven am Küchentisch mitbekommen. Um gerüstet zu sein und zu wissen, wovon die Stahlbauer sprechen, hat er an das Studium die Ausbildung als Schweiß-Fachingenieur angehängt. Seine Feuertaufe als Chef bestand er allerdings ab 2007 als Werkleiter in der Kalksandsteinbranche in Ruhlsdorf (Dahme-Spreewald).

Diesen Job im Rücken und den Vater an der Seite wurde zwei Jahre lang mit dem Geschäftspartner verhandelt. Dann ist der Junior mit dem Preis für die Anteile an die Schmerzgrenze gegangen. Rücklagen, die für seinen Start zur Verfügung gestanden hatten, waren aufgebraucht. Schulden kamen hinzu. Zugestimmt hatte Sven Steffien letztlich aber nur, weil "mein alter Herr" - wie er den Vater liebevoll nennt - versicherte: "In der Firma steckt viel Potenzial."

Was damit gemeint war, hat sich der Junior 2012/13 selbst bewiesen. Im Stahlhallenbau ist die Firma bundesweit anerkannt. Und unter den mehr als 300 Referenzobjekten befindet sich auch ein Hochregallager für den Flughafen Frankfurt-Hahn. Die Dachkonstruktion für die Haupttribüne im Stadion des 1. FC Union Berlin wurde jedoch zu einem außergewöhnlichen Prestigeprojekt.

Dafür hatte Sven Steffien 2012/13 sogar im Bauwagen an der Alten Försterei in der Berliner Wuhlheide übernachtet. Im jetzt elf gewerbliche Mitarbeiter zählenden Unternehmen an der Autobahn 13 wurde dreischichtig gearbeitet und zum Teil schon sonntags begonnen. 30 Meter lange Stahlträger stapelten sich mitten in der Fertigungshalle in Freiwalde. "Der Transport über die Autobahn musste langfristig angemeldet werden. Am Tag X gab es keinen Spielraum", erinnert sich der Firmenchef an eine Herausforderung, die G & S mit Bravour bestanden hat.

Heute weiß Sven Steffien längst, dass er vor drei Jahren die richtige Entscheidung getroffen hat. Die Auftragsbücher sind für mehr als ein halbes Jahr gefüllt. Die Investition von knapp einer halben Million Euro in das Herzstück des Betriebes, eine computergesteuerte Bohr-Sägeanlage für Stahlträger, hat Wettbewerbsvorteile gebracht. "Ich muss heute schon schweren Herzens Aufträge absagen", erklärt Sven Steffien mit dem Verweis auf fehlende Fachkräfte.

Und dennoch nimmt er für 2018 den Bau einer zweiten Montagehalle ins Visier, damit dort Edelstahl und Aluminium verarbeitet werden können. Eine neue Schere mit Abkantbank werde schon in diesem Jahr angeschafft. Vater Walter, der noch zweimal in der Woche in der Firma ist und auf dessen Erfahrungsschatz der Sohn baut, freut sich. Denn Sven reizt jenes Potenzial der Firma aus, das er prophezeit hatte. Eine Firmenübergabe, wie sie sich Hunderte Handwerker in der Lausitz wünschen.

Zum Thema:
Um die Freiwalder G & S Hallen- und Stahlbau GmbH zu übernehmen, hatte Sven Steffien 450 000 Euro investieren müssen. Was für den Start zur Verfügung gestanden habe, sei aufgebraucht gewesen. "Es ist nicht jedermanns Ding, sich so hoch zu verschulden", sagt der neue Firmenchef. Als eines der größten Hemmnisse bei der Unternehmensnachfolge im Osten sieht Steffien die nach der Wende vereinbarten Pensionsverträge als Altersversorgung für die Ex-Firmenchefs an. Dadurch würden Firmen nahezu unverkäuflich.Ein Jahr lang Bürokratie - vor allem mit Banken - verlange nach einer Optimierung des Nachfolgeprozesses. Da Banken selbst für 100 000 Euro Kredit 100 000 Euro Sicherheiten verlangen, scheitern potenzielle Nachfolger. Die Hilfe der Handwerkskammer etwa bei der Bewertung des Unternehmens ist für Sven Steffien dagegen wohltuend.